Preußisch Oldendorfer (59) steht wegen Mordes vor Gericht
Ehefrau erschossen: Angeklagter spricht von Unfall

Preußisch Oldendorf/Bielefeld (WB). Immer wieder musste Albert S. um Fassung ringen, brach mehrfach in Tränen aus, als er von seiner Ehe und dem Tod seiner Frau sprach. Er selbst soll seine Ehefrau am 5. Januar auf offener Straße in Preußisch Oldendorf erschossen haben , weil diese sich wenige Wochen zuvor von ihm getrennt hatte. Seit Montag steht der Preußisch Oldendorfer deshalb vor dem Bielefelder Landgericht.

Montag, 22.06.2020, 18:49 Uhr aktualisiert: 22.06.2020, 18:52 Uhr
Wegen seiner schweren Augenerkrankung muss Albert S. eine Spezialbrille tragen. Vor Prozessbeginn fasste sich der Angeklagte ans Herz und stand einige Sekunden lang einfach nur so da. Seinen Anwalt Peter Rostek überraschte das. Foto: Freya Schlottmann
Wegen seiner schweren Augenerkrankung muss Albert S. eine Spezialbrille tragen. Vor Prozessbeginn fasste sich der Angeklagte ans Herz und stand einige Sekunden lang einfach nur so da. Seinen Anwalt Peter Rostek überraschte das. Foto: Freya Schlottmann

Die Anklage gegen ihn lautet Mord aus niederen Beweggründen. Staatsanwalt Christopher York warf dem 59-jährigen ehemaligen Maschinenführer zum Prozessauftakt vor, dass er seiner Frau auf einem Parkplatz neben dem Busbahnhof in Preußisch Oldendorf in den Rücken geschossen habe . Zudem soll er versucht haben seiner Frau in den Kopf zu schießen. Wegen einer Ladehemmung der Tatwaffe sei das jedoch missglückt. Zwei Zeugen überwältigten den 59-Jährigen schließlich. Das Opfer, die 54-jährige Evelina S., verblutete noch am Tatort.

Angeklagter wollte sich selbst erschießen

Als Grund für diese Tat nimmt die Staatsanwaltschaft an, dass der Angeklagte die Trennung und den damit verbundenen Ansehensverlust nicht akzeptieren wollt e. Der Angeklagte selbst schilderte nun vor Gericht, dass er am 29. November 2019 einen Zettel im gemeinsamen Haus gefunden hätte, auf dem seine Frau „Ich kann nicht mehr“ geschrieben hatte. Mit einer Trennung habe er nicht gerechnet, sagte Albert S. aus. Kontaktversuche habe Evelina S. danach häufig abgewiesen.

Dem Schwurgericht der Ersten Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Georg Zimmermann gab der Angeklagte zudem einen anderen Tathergang an. Laut Albert S., der an einer schweren Augenerkrankung leidet und nur noch eingeschränkt sehen kann, habe er sich am 5. Januar zum Arbeitsplatz von Evelina S. in Nettelstedt fahren lassen, um „sie zu sehen“ und über die Gründe der Trennung zu sprechen. In Nettelstedt sei er dann auf den rechten hinteren Sitz des Autos seiner Frau eingestiegen, als diese ebenfalls gerade einstieg. Wenig überrascht habe sie nur „ach du bist es“ gesagt. Gemeinsam seien sie dann nach Preußisch Oldendorf zu besagtem Parkplatz gefahren. „Ich wusste aber nicht genau, wohin sie fährt“, so Albert S..

Vor Ort habe er dann nach dem Grund der Trennung gefragt und Evelina S. habe „gereizt“ und abweisend reagiert. Daraufhin habe er eine Pistole aus seiner Jacke gezogen. „Ich wollte mich selbst vor ihren Augen erschießen“, schilderte der 59-Jährige. Es sei dann zu einer Rangelei mit Evelina S. gekommen, in der sich laut Albert S. ein Schuss gelöst haben soll. „Was danach passiert ist, weiß ich nicht mehr.“ Erst im Polizeifahrzeug habe er gesagt bekommen, dass seine Frau tot ist.

Frau wurde durch Schuss in die Brust getötet

Weshalb genau er sich vor den Augen seiner Frau erschießen wollte, konnte der Angeklagte auf Nachfrage des Vorsitzenden nicht beantworten. Schon vorher habe er aber Suizidgedanken gehabt und diese auch gegenüber seiner Frau geäußert. Die mitgebrachte Waffe habe er vor etwa zehn Jahren beim Spazierengehen am Mittellandkanal gefunden und behalten.

Laut einem Schussspurengutachten, dessen Ergebnis Richter Zimmermann zu Beginn der Verhandlung bekannt gab, ist das Opfer nicht wie bislang angenommen durch den Rücken, sondern durch die Brust und aus weniger als fünf Zentimetern Entfernung erschossen worden.

Zwei der drei gemeinsamen Kinder von Albert und Evelina S., die in dem Prozess als Nebenkläger auftreten, konnten den Schilderungen des Richters und den Aussagen ihres Vaters am ersten Prozesstag nur schwer folgen. Immer wieder brachen sie in Tränen aus und fielen sich in die Arme.

Der jüngste Sohn des Ehepaares schilderte dem Gericht als Zeuge, dass sein Vater ein aufbrausender Mensch sei. Ausraster seien „schon gelegentlich vorgekommen“. Zwischen den Eltern habe es zudem auch Streitereien gegeben. Das sei „aber schon immer so gewesen“, erklärte der Zeuge den Prozessbeteiligten.

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