Familie aus Preußisch Oldendorf fühlt sich von der Sparkasse übervorteilt
„Wir verlangen 120.000 Euro zurück“

Preußisch Oldendorf/Minden(WB). Es ist ein Vorgang, wie er immer wieder in der Geschäftswelt vorkommen kann. Ein Auftraggeber geht in die Insolvenz, Geld ist nicht mehr vorhanden, der beauftragte Handwerker bleibt auf einer offenen Rechnung sitzen. Im Fall von Ludwig Klanke aus Preußisch Oldendorf sind das 170.000 Mark, für seine Firma LK-Möbelmontagen ist ein solcher Fehlbetrag im Jahr 1993 existenzbedrohend. Aber die Sparkasse Minden-Lübbecke steht bereit und hilft dem mittelständischen Unternehmen mit einem Kredit weiter. Niemand hätte zu diesem Zeitpunkt ahnen können, dass sich beide Seiten noch 27 Jahre später mit völlig unterschiedlichen gegenseitigen Forderungen unversöhnlich gegenüber stehen.

Freitag, 10.07.2020, 05:56 Uhr aktualisiert: 10.07.2020, 13:20 Uhr
Ludwig und Heidemarie Klanke aus Preußisch Oldendorf verlangen von der Sparkasse Minden-Lübbecke mehr als 120.000 Euro zurück. Foto:
Ludwig und Heidemarie Klanke aus Preußisch Oldendorf verlangen von der Sparkasse Minden-Lübbecke mehr als 120.000 Euro zurück.

1993 Kredit aufgenommen

Denn geht es nach Christina Klanke, die sich inzwischen im Auftrag ihres Vaters um die Angelegenheit kümmert, hat die Familie in den vergangenen Jahren so viel Geld an die Sparkasse überwiesen, dass sie mittlerweile 120.893,53 Euro zurückerstattet bekommen müsste. Ein Kreditgutachten des Büros Rackowitz & Kollegen aus Osnabrück aus dem Mai 2019 soll das beweisen. Das Schriftstück des zertifizierten Wirtschaftsprüfers sei von zwei weiteren unabhängigen Kreditsachverständigen geprüft und als korrekt befunden worden, betont die Tochter. Das Geldinstitut macht dagegen anhand seiner Unterlagen eine ganz andere Rechnung auf: Die Familie habe noch 111.149,51 Euro zu zahlen.

Stillschweigen gefordert

Besondere Brisanz erhält der Fall durch ein Schreiben, das den Klankes im Januar dieses Jahres ins Haus flatterte. Darin schlägt die Sparkasse vor, man könne doch „eine finale, gütliche Einigung“ erzielen, und zwar so: „Sie zahlen an uns zur Gesamterledigung noch einen Betrag von 3000 Euro. Im Gegenzug werden sämtliche anhängigen Zwangsmaßnahmen unsererseits gegen Sie eingestellt. Die Parteien verpflichten sich zum Stillschweigen über Inhalt, Hintergründe, Gegenstand und Abschluss des Vergleiches.“ Angesichts von mehr als 120.000 Euro, auf die die Familie nach Ansicht der Gutachter noch Anspruch hat, ist der Vorschlag für Christina Klanke inakzeptabel. Sie mutmaßt: „Die haben etwas zu verbergen.“ Und weil ihr so gar nicht nach Stillschweigen zumute ist, will sie die Geschichte mit Hilfe des WESTFALEN-BLATTS an die Öffentlichkeit bringen.

„Immer unübersichtlicher“

Ludwig Klanke, heute 77, war ein erfolgreicher Handwerker. Er hatte sich auf die Montage von Küchen und Bädern spezialisiert; nicht nur im Inland, sondern europaweit. Seine Firma LK-Möbelmontagen existierte von 1975 bis 2008. Die Anzahl der Beschäftigten variierte, betrug aber im Durchschnitt acht Mitarbeiter. Als ein wichtiger Auftraggeber in die Pleite schlitterte und seine Rechnung nicht mehr bezahlen konnte, musste ein Kredit her, um die eigene Insolvenz abwenden zu können. Das ist 27 Jahre her. Seitdem ist eine Menge passiert, „die Situation ist immer unübersichtlicher geworden“, stellt Christina Klanke fest. Grund sei vor allem die nicht nachvollziehbare Kontenführung. So ist es kein Wunder, dass das Kreditgutachten, mit dessen Hilfe die Familie auf ihr Recht pocht, aus 179 teilweise eng beschriebenen Din-A-4-Seiten besteht, viele davon voll mit Zahlenkolonnen.

„Verbleib ist ungeklärt“

Die Fachleute stellen darin unter anderem gravierende Überzahlungen und erhöhte Zinsberechnungen fest. „Darüber hinaus zeigt sich, dass diverse große Guthaben aus Zertifikaten oder Sparbriefen zwar durch die Bank aufgerechnet worden waren, jedoch in den Buchungsverläufen der Konten nicht auffindbar sind“, beklagt Christina Klanke. Es sei also unklar, ob sie überhaupt gutgeschrieben wurden. Weiter sei die gesamte Altersvorsorge in Form von Lebensversicherungen gepfändet worden. Ein Sparkassenangestellter habe zudem zwei Sparkassenbücher mit größeren Summen einfach einbehalten, „der Verbleib des Geldes ist bis heute ungeklärt.“ In einem weiteren Fall, so der Vorwurf, sei ein Sparkonto mit einem Guthaben von 88.263,02 Mark aufgelöst worden, der Betrag sei aber in den Unterlagen der Sparkasse einfach nicht auffindbar. Ähnliches gelte für ein Termingeldkonto in Höhe von 76.835,75 Mark.

Unterlagen fehlen

Drohungen ihres Vaters, die Geschichte öffentlich zu machen, hätten dazu geführt, dass die Sparkasse zweimal hintereinander Grundschulden von insgesamt 135.000 Euro freigegeben habe. Wenig später habe das Geldinstitut aber die Rente ihres Vaters pfänden wollen. Auf Nachfrage erhielt die Familie zwei Aufstellungen mit Forderungen, die bis ins Jahr 2002 zurückdatieren und unverändert mit Zinsen weiter berechnet worden sind – zusammengerechnet sind das die oben erwähnten gut 111.000 Euro. Das WESTFALEN-BLATT konnte die Unterlagen einsehen.

Für Christina Klanke ist das Vorgehen der Sparkasse unverständlich, „es gab und gibt von unserer Seite unzählige Versuche der Klärung, die bis zum heutigen Tag erfolglos geblieben sind. Briefe blieben unbeantwortet oder es wurde auf einen vorherigen Schriftverkehr verwiesen, der ebenfalls zu keiner Klärung beitrug.“ Detaillierte Aufrechnungen lägen schlicht und einfach nicht vor.

Liste der Vorwürfe ist lang

Lange hat die Familie geschwiegen, „bis zum vergangenen Jahr hat uns noch die Zwangsvollstreckung gedroht“, erläutert Christina Klanke. Jetzt sei aber das Maß voll. Die Liste der Vorwürfe ist lang. Warum die Sparkasse das Gutachten ignoriere, will die Familie wissen. Oder warum Grundschulden erlassen werden, dies aber in den Buchungen nicht auftaucht. Warum es Forderungen gebe, die die Sparkasse nicht detailliert aufschlüsseln könne. Und: „Wieso erteilt man uns keine Auskunft über Verlauf und Stand der diversen Konten?“ Absolut unverständlich sei aber die Aufforderung, 3000 Euro zu zahlen und eine Verschwiegenheitserklärung zu unterschreiben: „Was soll das? Die Sparkasse meint doch, alles korrekt berechnet zu haben.“

Sparkasse äußert sich nicht

Die Sparkasse Minden-Lübbecke möchte sich zu dem Thema in der Öffentlichkeit nicht äußern. „Zu persönlichen Kundengeschäftsbeziehungen geben wir grundsätzlich keine Auskunft“, teilt ein Sprecher des Geldinstituts auf Anfrage mit.

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