SPD bezweifelt Argumente des Investors – Bürgermeister: „Ersatz soll her“
Alte Linde muss für Aldi weichen

Preußisch Oldendorf (WB/aha). Eine der alten Linden, die einst vor der Realschule standen, ist am Montag gefällt worden. Diese Fällung kritisiert die SPD Preußisch Oldendorf. Wie diese Zeitung berichtete, hatte ein Planer noch im Juni 2019 angekündigt, zwei Linden und eine Platane auf dem Gelände an der Mindener Straße erhalten zu wollen. Die SPD betont, dass auch auf den Zeichnungen, die der Politik vorgestellt wurden, die Bäume noch zu sehen gewesen seien.

Freitag, 10.07.2020, 06:56 Uhr aktualisiert: 10.07.2020, 07:00 Uhr
Eine der beiden Linden auf dem ehemaligen Realschul-Grundstück ist am Montag gefällt worden, obwohl es Zusagen gab, sie zu erhalten. Die SPD spricht von Wortbruch und Willkür. Das Unternehmen legte ein Gutachten vor, dass wegen Schäden an den Baggerarbeiten für das Fundament einer Lärmschutzwand an der Anlieferung des Aldi-Marktes beschädigt worden. Foto: SPD Preußisch Oldendorf
Eine der beiden Linden auf dem ehemaligen Realschul-Grundstück ist am Montag gefällt worden, obwohl es Zusagen gab, sie zu erhalten. Die SPD spricht von Wortbruch und Willkür. Das Unternehmen legte ein Gutachten vor, dass wegen Schäden an den Baggerarbeiten für das Fundament einer Lärmschutzwand an der Anlieferung des Aldi-Marktes beschädigt worden. Foto: SPD Preußisch Oldendorf

„Seinerzeit war dem Projektplaner Rohde noch das Mikroklima wichtig. 13 Monate später ist davon nicht mehr viel zu spüren“, kritisieren die Sozialdemokraten. „Wir sind in unseren Bedenken bestätigt worden", erklärt Jan Hendrik Maschke für die SPD- Fraktion. „Dass der Erhalt nur leere Worthülsen für eine breitere Zustimmung waren, war uns von Anfang an klar. Dennoch hatten einige Ratsvertreter und -vertreterinnen erst aufgrund der ‚Zusage‘ damals dem Vorhaben zugestimmt ."

SPD spricht von Wortbruch

Dass nun bei den Abrissarbeiten für den Aldi-Neubau nach der Platane nun auch eine der Linden gefällt wurde, sieht die SPD-Fraktion als einen „Wortbruch“ an. Dieser sei mit Wissen der Stadt und des Bürgermeisters Marko Steiner erfolgt, kritisiert die SPD. Auf Nachfrage in der Verwaltung habe die Fraktion erfahren, dass die Fällung in Abstimmung mit der Stadt erfolgt sei. Die Stadt habe erklärt, dass ihr ein Gutachten vorgelegt worden sei, das den Erhalt der Linde ausschloss. Dazu kommentiert Maschke: „Im Rahmen einer transparenten Politik hätten wir uns eine Information durch den Bürgermeister gewünscht und zwar vor der Fällung.“ Leider sei diese ausgeblieben. „Scheinbar ist die Angelegenheit für ihn nicht von Bedeutung", erklärt Maschke.

Bürgermeister Marko Steiner erklärte auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Stadt vom Projektentwickler, der den Bau für Aldi umsetzt, darüber informiert wurde, dass die Linde gefällt werden müsse. „Das Unternehmen erklärte, dass bei Baggerarbeiten für eine Lärmschutzwand für die Anlieferung die Wurzeln der Linde beschädigt worden seien.“ Solche Wände seien im Innenstadtbereich als Schutz vor Lärmimmissionen üblich. „Der Projektentwickler legte ein Gutachten dazu vor, dass die Standfestigkeit des Baumes nicht mehr gegeben sei. Aus Gründen der Verkehrssicherung könne er deshalb nicht erhalten werden.“

Bürgermeister: Ersatz soll her

Der Bürgermeister betonte ausdrücklich, dass er einen Mitarbeiter der Stadt damit beauftragt habe, sich selbst ein Bild vom Zustand des Baums zu machen. Dieser habe bestätigt, dass die Aussagen des Gutachtens hinsichtlich der Standfestigkeit plausibel seien. „Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte ich ein Gegengutachten in Auftrag gegeben“, sagte Marko Steiner. Auch der Kreis Minden-Lübbecke sei dazu angehört worden, denn schließlich dürften Bäume normalerweise nur im Winterhalbjahr gefällt werden: „Schlussendlich mussten wir die Linde fällen lassen. Und ich übernehme nicht die Verantwortung, wenn ein solcher Baum auf die Straße stürzt.“ Dennoch bedauere er den Verlust des großen Baumes.

Grundsätzlich gelte zwar, dass er auf Privatgelände stehe und die Einflussmöglichkeiten begrenzt seien. „Aber die großen Bäume sind im Bebauungsplan enthalten“, sagte Steiner. „Deshalb ist definitiv unser Ziel, dass Ersatz geschaffen wird.“ Dort sollte wieder etwas hinkommen und dabei solle es sich nicht um einen winzigen Baumsprössling handeln.

SPD: „Willkürherrschaft“

Dass es Nachfragen bezüglich der Fällung der Linde gebe, könne er gut verstehen, sagte Marko Steiner. Nicht umsonst habe man seinerzeit Wert darauf gelegt, dass diese Bäume erhalten blieben. Zudem habe es auch Anregungen gegeben, eine Sitzgruppe unter den beiden Linden zu platzieren. Das ausführende Unternehmen habe ja auch im Vorfeld geäußert, die Bäume erhalten zu wollen „Immerhin hat die Firma im Vorfeld auch Schachtungen im Wurzelbereich veranlasst und ein Gutachten erstellen lassen. Diese Kosten hätte sie sich sonst ja sparen können“, sagte Steiner.

Mit Blick auf die Kommunalwahlen sprach die SPD-Fraktion im Zusammenhang mit der Fällung von einer „Willkürherrschaft“, der die Bürger ein Ende setzen könnten. „Es besteht die Chance auf echte Kompromisse und Entscheidungen, die auch von den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt und mitgetragen werden", schreiben die Preußisch Oldendorfer Sozialdemokraten.

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