Obstbauer Wickemeyer über Corona und wechselhaftes Wetter
Gute Ernte in komplizierter Zeit

Preußisch Oldendorf (WB). Auf dem Obsthof Wickemeyer wird fleißig geerntet. Es müssen zwar nur noch wenige Erdbeeren von den Feldern in Bad Holzhausen geholt werden, aber jetzt gilt es, die reifen Johannisbeeren einzusammeln. Das Saisonfazit von Dirk Wickemeyer: „Es war in diesem Jahr alles komplizierter, aber wir konnten weiter verkaufen.“

Donnerstag, 16.07.2020, 04:14 Uhr aktualisiert: 16.07.2020, 05:00 Uhr
Jetzt ist Johannisbeeren-Zeit auf dem Obsthof Wickemeyer. Die Corona-Pandemie hat Obstbauer Dirk Wickemeyer zwar viel Stress bereitet, der Verkauf konnte aber sowohl auf Wochenmärkten als auch im Hofladen weiterlaufen. Foto: Friederike Niemeyer
Jetzt ist Johannisbeeren-Zeit auf dem Obsthof Wickemeyer. Die Corona-Pandemie hat Obstbauer Dirk Wickemeyer zwar viel Stress bereitet, der Verkauf konnte aber sowohl auf Wochenmärkten als auch im Hofladen weiterlaufen. Foto: Friederike Niemeyer

Die Corona-Pandemie hat in der Landwirtschaft Spuren hinterlassen. Vor allem die größeren Betriebe hätten Probleme bekommen, als auf einmal die Grenzen geschlossen wurden und es schwierig war, Erntehelfer zu bekommen, sagt Dirk Wickemeyer. In seinem Familienbetrieb packen zur Erntezeit regelmäßig acht polnische Arbeiter mit an. „Für Polen galt ja kein Einreiseverbot, dennoch hatten wir Sorge, dass unsere Stammkräfte nicht kommen dürfen“, berichtet Wickemeyer. Zwei Erntehelfer durften tatsächlich nicht einreisen, weil sie in Polen für sogenannte systemrelevante Arbeiten vorgesehen waren. Ein Ersatz konnte organisiert werden, so dass am Ende sieben statt sonst acht Arbeiter mit aufs Feld konnten. „Das hat auch geklappt“, sagt Wickemeyer.

Bürokratische Hürden

Für die einzuhaltenden Corona-Schutzregelungen hat Dirk Wickemeyer volles Verständnis, aber die Bürokratie habe Nerven gekostet. So hätten sich auf seine Gesuche diverse Interessierte gemeldet, die gerne bei der Ernte geholfen hätten, aber am Ende habe es zu viele Hürden bei der Anmeldung gegeben, beispielsweise Zuverdienstgrenzen.

Auf den Wochenmärkten und im eigenen Hofladen an der Dummerter Straße konnten Wickemeyers ihre Früchte und Produkte aus eigener Herstellung problemlos verkaufen – „nur mit mehr Aufwand“, sagt Dirk Wickemeyer. „Eine Zeit lang lief der Verkauf sogar besser als normal.“ Die Kunden hätten auch die besonderen Bedingungen wie die Maskenpflicht gut mitgemacht.

Erdbeerfest abgesagt

Auf den Wochenmärkten im Osnabrücker Land durften Wickemeyers auch in den sechs Wochen des Lockdowns verkaufen – Nicht-Lebensmittel-Anbieter durften dies nicht, berichtet Dirk Wickemeyer. Und das sei sehr streng von den Ordnungsbehörden kontrolliert worden.

Natürlich musste der Obsthof sein traditionelles Erdbeerfest absagen. Ernte und Verkauf der Lieblingsfrucht der Deutschen seien aber zufriedenstellend verlaufen. Den mancherorts festgestellten Trend zum Selberpflücken in Corona-Zeiten (viele Menschen haben mehr Zeit, aber weniger Geld) konnte Dirk Wickemeyer auf seinen Feldern nicht bestätigen. „Nur wenn richtig gutes Wetter war, sind mehr Menschen gekommen“, so sein Fazit. Der Regen, den es ab Juni häufiger gab, habe sofort die Pflücklaune verdorben.

Ungewohntes Wetter

Das nach etwas Regen Anfang des Jahres dann doch sehr trockene Frühjahr habe das Gedeihen der Früchte glücklicherweise nicht sehr beeinträchtigt, sagt Dirk Wickemeyer. Es habe keinen Hagel oder sonstige Unwetter in der Blütezeit gegeben, und für die Erdbeeren sei der Boden ausreichend mit Wasser gefüllt gewesen. „Und jetzt, seit Mitte Juni, haben wir ja einen typisch deutschen Sommer mit wechselhaftem Wetter“, sagt der Obstbauer. „Die Kirschen vertragen den Regen in der Erntezeit zwar nicht so gut, aber auch das ist am Ende zufriedenstellend gelaufen.“ Apfel- und Birnbäume hätten ebenfalls vom Regen profitiert und verheißungsvolle Fruchtgrößen ausgebildet.

„Dass es in der Erntezeit auch mal regnet, daran mussten wir uns erst wieder gewöhnen“, sagt Dirk Wickemeyer mit einem Schmunzeln. Aber eigentlich sei das ja der Normalzustand in diesem Breitengraden. Er erinnert sich noch sehr deutlich an die vergangenen beiden Dürre-Sommer. „Da haben wir nächtelang bewässern müssen.“

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