Albert S. (59) aus Preußisch Oldendorf schuldig gesprochen – Urteil noch nicht rechtskräftig
Lebenslang für Mord an Ehefrau

Preußisch Oldendorf (WB). Wegen Mordes an seiner Ehefrau Evelina hat die Erste Große Strafkammer des Bielefelder Landgerichts Alberts S. am Montag schuldig gesprochen. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Georg Zimmermann verurteilte den 59-jährigen Preußisch Oldendorfer zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Montag, 20.07.2020, 17:12 Uhr aktualisiert: 20.07.2020, 17:20 Uhr
Die meiste Zeit hat Albert S. (hier mit seinem Verteidiger Peter Rostek, links) regungslos die Verhandlung verfolgt. Tränen zeigte er, wenn es um seine eigenen Probleme ging. Der Richter sagte, dass der Angeklagte nur Selbstmitleid empfinde. Foto: Freya Schlottmann
Die meiste Zeit hat Albert S. (hier mit seinem Verteidiger Peter Rostek, links) regungslos die Verhandlung verfolgt. Tränen zeigte er, wenn es um seine eigenen Probleme ging. Der Richter sagte, dass der Angeklagte nur Selbstmitleid empfinde. Foto: Freya Schlottmann

Die Kammer sieht es nach vier Prozesstagen, in denen mehrere Zeugen gehört wurden, als erwiesen an, dass der Familienvater seine von ihm getrennt lebende Frau am 5. Januar dieses Jahres auf offener Straße am Busbahnhof in Preußisch Oldendorf bewusst und aus niederen Beweggründen erschossen hat. Strafmildernde Umstände sah das Gericht keine.

Angeklagter hat egozentrische und cholerische Art

In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende Richter aus, dass Albert S. es nicht akzeptieren wollte, dass ihn seine 54-jährige Ehefrau am 29. November 2019 verlassen hatte. Dies sei für ihn völlig unerwartet und nur über eine Zettelbotschaft geschehen. Auch danach habe sie keine konkreten Gründe für die Trennung nennen wollen. Laut Zimmermann habe der Angeklagte daraufhin über mehrere Tage hinweg geplant, wie er seine Frau mit diesem für ihn nicht akzeptablen Verhalten konfrontieren und sie wegen des Geschehenen bestrafen könnte. Der Richter erklärte, dass Albert S. ausgeprägte egozentrische sowie cholerische Züge habe und lediglich Selbstmitleid empfinde. Deshalb habe sich laut Zimmermann für Albert S. mit Blick auf ein Gespräch auch nur die Option ergeben: „Entweder sie fügt sich oder sie muss sterben.“

Dieses Verhalten des Angeklagten ließe sich unter anderem dadurch belegen, dass Albert S. seiner Frau am Tattag bei ihrem Arbeitsplatz aufgelauert und sich unvermittelt in ihr Auto gesetzt hatte, um sie zu einem Gespräch zu zwingen. Zudem hatte er eine geladene Schusswaffe dabei.

Schuldeingeständnis fehlt

Der Angeklagte hatte am ersten Verhandlungstag angegeben, dass er sich damit vor den Augen seiner Ehefrau selbst umbringen wollte. Allerdings, so der Richter, hatte Albert S. für den 5. Januar noch diverse Termine geplant, sodass eine Selbstmordtheorie nicht glaubwürdig sei. Ihr mit der Waffe alternativ einen Suizid anzudrohen, um sie damit umzustimmen, sah Zimmermann ebenfalls als nicht plausibel an. „Für eine Drohung hätte man keine scharfe Waffe gebraucht.“

Stattdessen sei es am ZOB erst zum Streit und dann zu einer Rangelei zwischen den Eheleuten gekommen, bei der Albert S. seiner Frau aus weniger als fünf Zentimetern Entfernung in die rechte Brust schoss. Der Angeklagte selbst hatte das als Unfall geschildert und konnte sich an das darauffolgende Geschehen vor Gericht nicht mehr erinnern. Die Kammer folgte dieser Behauptung aber nicht. Schließlich konnten Zeugen belegen, dass Albert S. seiner Ehefrau noch nachgelaufen war und ihr zwei Mal die Waffe an den Kopf gehalten und abgedrückt hatte. Eine Ladehemmung hinderte ihn jedoch an einer „Art Hinrichtung“, wie es die Zeugen beschrieben hatten.

Der Angeklagte hatte vor Gericht keine Schuld eingestanden, stets nur über seine Probleme gesprochen und in seinem letzten Wort ebenfalls nur Ich-bezogene Erklärungen abgegeben. „Und das, während eines Ihrer Kinder Ihnen gegenüber sitzt und lautstark weint“, sagte Richter Zimmermann dazu. Entsprechend regungslos nahm Albert S. die Urteilsverkündung entgegen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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