Bürgermeisterwahl: unabhängiger Kandidat Mike Schwarz für Preußisch Oldendorf
„Das kann ich besser“

Preußisch Oldendorf (WB/aha). Der Börninghauser Mike Schwarz tritt als unabhängiger Kandidat für das Bürgermeisteramt in Preußisch Odendorf an. Kommunalpolitisch aktiv wurde er erstmals, als es 2015 um die Schließung der Börninghauser Grundschule ging.

Donnerstag, 10.09.2020, 06:00 Uhr
Der unabhängige Bürgermeisterkandidat Mike Schwarz ist gern in der Natur und genießt den eigenen Garten oder die Landschaft seines Heimatortes Börninghausen. Foto: Arndt Hoppe
Der unabhängige Bürgermeisterkandidat Mike Schwarz ist gern in der Natur und genießt den eigenen Garten oder die Landschaft seines Heimatortes Börninghausen. Foto: Arndt Hoppe

„Mein Sohn ging damals hier zur Schule. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Kinder in einer Dorfschule behüteter sind und stehe zu dem Satz ‚kurze Beine, kurze Wege‘.“ Wie es zur Entscheidung gegen den Schulstandort kam, war ein Antrieb für seine Kandidatur. „Für den Stadt-Haushalt war es wohl eine gute Taktik, aber die Art und Weise hat mir gar nicht gefallen“, sagt der 48-Jährige. „Erst wurde alles abgewiegelt. Wir haben noch versucht, einen freien Träger für die Schule zu finden. Aber es wurde alles in sechs Wochen durchgepresst.“

Ehrlichkeit

Damals habe ihm Ehrlichkeit und Gradlinigkeit gefehlt. Und genau hier sieht er eine persönliche Stärke, mit der er als Kandidat punkten will. „Ich verstehe Demokratie so, dass man die Interessen der Mehrheit der Bürger zu vertreten hat.“ Ganz bewusst sei er als unabhängiger Kandidat angetreten. „Fraktionszwänge sind nichts für mich. Gute Ideen sind nicht abhängig von einem Parteibuch.“ Er habe zunächst abgewartet, wer zur Wahl aufgestellt wurde. Dann sei in ihm die Überzeugung gereift: „Das kann ich besser.“ Weil er diese Meinung offen äußerte, hätten ihn Bekannte gefragt, ob er dazu stehe.

„Den Entschluss habe ich nach reiflicher Überlegung gefasst. Sollte ich Bürgermeister werden, gäbe es ja keine Garantie, dass es fünf Jahre später weitergeht“, sagt er. Eine große Motivation sei für ihn gewesen, dass er binnen kurzer Zeit 269 Unterschriften zur Unterstützung seiner Kandidatur zusammen bekam, weit mehr als die erforderlichen 130. „Das zeigt mir, dass es den Wunsch nach Veränderung gibt. Und deshalb habe ich mir gesagt: Einer muss es ja tun.“

„One-Man-Show“

Im Wahlkampf sei er zumeist eine „One-Man-Show“, sagt Mike Schwarz, auch wenn er zahlreiche Unterstützer im Freundes- und Bekanntenkreis habe. Ihm sei bewusst, dass man als Bürgermeister nicht „Everybody’s Darling“ sein könne, sagt der Börninghauser. Wichtig sei ihm, Interessenvertreter zu sein („Nicht nur der eigenen”). Seinen Slogan „Mitbürger. Punkt.“ erläutert Schwarz so: „Ich habe die Stadt- und Dorfentwicklung der letzten Jahrzehnte miterlebt, gesehen was gut funktioniert und was eher nicht klappt.“ Und er habe das Rückgrat, den Bürgern die Wahrheit zu sagen und ihnen zu erklären, wieso man zu welcher Entscheidung gekommen sei.

Als langjähriger Betriebsratsvorsitzender kennt sich Mike Schwarz mit der Vermittlung zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmern aus. „Betriebsrat ist auch Politik“, sagt er. „Ich sehe auch den Bürgermeister als Mittler, um für alle Seiten das Beste herauszuholen.“ Er müsse führen und dürfe Dinge nicht eskalieren lassen.

Verwaltung

Auf seine fehlende Verwaltungserfahrung angesprochen, sagt Schwarz: „Die Verwaltung ist doch schon da.“ Er müsse sich auf die Expertise der Mitarbeiter verlassen. Wichtig sei gute Kommunikation. Seine erste Amtshandlung als Bürgermeister wäre daher die Bestandsaufnahme: Was läuft gut und wo gibt es Verbesserungsmöglichkeiten? „Organisation ist mein Tagesgeschäft als Instandhalter. Prioritäten setzen: Was wird zuerst abgearbeitet?“

Als eine Stärke der Stadt Preußisch Oldendorf sieht Mike Schwarz den Tourismus an, insbesondere in Bad Holzhausen. Aber auch die Luftkurorte Börninghausen und Preußisch Oldendorf hätten großes Entwicklungspotenzial: „Wir müssen den Tourismus-Kuchen nicht aufteilen, sondern größer machen.“

Gewerbe

Kritisch betrachtet er, dass in der Stadt kaum neues Gewerbe angesiedelt wurde. „Die Wirtschaft in Preußisch Oldendorf kränkelt aus meiner Sicht ein bisschen“, sagt er. Die Innenstadtentwicklung habe zu zahlreichen Leerständen und einem Mehrmarktzentrum geführt. „Das ist katastrophal“, sagt Schwarz. Die Innenstadt lade nicht zum Verweilen ein. Hier seien Ideen gefragt, wobei auch die Bürgerschaft mit einbezogen werden müsse. Die Politik habe lange versäumt, mit dem Handel etwas voranzubringen. Schwarz: „Es geht mir darum, Ideen zu haben und sie auch einzufordern. Sich Ideen einzuholen und kreativ damit umzugehen. Das vermisse ich bei der Stadt.“

Konzept

Es gäbe so viele Köpfe und Fachleute im Stadtgebiet: „Das wird mir zu wenig abgerufen.“ Zur Innenstadt sagt er: „Ein ganzheitliches Konzept muss her, das wird bestimmt ein bis zwei Legislaturperioden brauchen.“ Wie es besser gehe, zeige das Beispiel Bad Essen: „Ein schönes Städtchen mit vielfältigem Einzelhandel“, findet er und eine mögliche Vision für Preußisch Oldendorf.

Der große Zusammenhalt innerhalb der Ortschaften sei eine Stärke. Gleichzeitig habe die 1025-Jahr-Feier in Börninghausen gezeigt, dass es auch zwischen den Orten gute Beziehungen geben könne. „Da waren alle dabei, das war toll.“ Mike Schwarz sagt: „Ich bin keine Vereinsmeier. Aber was in den Vereinen und im Ehrenamt geleistet wird, ist beeindruckend. Sie machen wahnsinnig viel möglich.“ Daher müssten sie nach Kräften unterstützt werden.

Zur Person

Mike Schwarz wurde 1972 in Lübbecke geboren. Er wuchs auf Gut Crollage in Holzhausen auf. 1976 zog er nach Börninghausen. Er besuchte das Lübbecker Wittekind-Gymnasium und begann nach der 10. Klasse eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei Kesseböhmer. Nach der Bundeswehr schloss Schwarz eine Ausbildung zum Fahrlehrer für Autos und Motorräder an. Diesen Beruf 1995 übt er seit 25 Jahren aus. Seit Jahr 2000 ist er bei der Firma Hettich-Heinze in Spenge als Instandhalter tätig. Von 2006 bis 2018 war der Börninghauser dort Betriebsratsmitglied, von 2010 bis 2018 als Vorsitzender. Mike Schwarz ist ledig und hat zwei Kinder.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7575428?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516040%2F
Auto mit Protest-Botschaft dringt an Tor des Kanzleramts vor
Ein Auto steht vor dem Tor des Bundeskanzleramts. Auf der Tür ist die Aufschrift «Stop der Globalisierungs-Politik» zu lesen.
Nachrichten-Ticker