Letzte öffentliche Veranstaltung des Heimatvereins Hedem in dem Gebäude
„Kehraus“ im Gemeinschaftshaus

Preußisch Oldendorf-Hedem(WB). „Wir trödeln uns raus“ hieß es jetzt im und um das Dorfgemeinschaftshaus am Hedemer Ortsrand. Der Anlass: Es war die letzte öffentliche Veranstaltung des Heimatvereins in dem altgedienten Gebäude.

Dienstag, 29.09.2020, 03:00 Uhr
Wenn die Hedemer Dorfgemeinschaft einlädt, ist garantiert gutes Wetter, dieses Prinzip galt auch beim „Kehraus“. Folglich strahlten Friedhelm Koch, Eva Rahe, Julia Loose, Isabel Bartling sowie Benedikt und seine Ponys (von links) um die Wette. Foto: Peter Götz
Wenn die Hedemer Dorfgemeinschaft einlädt, ist garantiert gutes Wetter, dieses Prinzip galt auch beim „Kehraus“. Folglich strahlten Friedhelm Koch, Eva Rahe, Julia Loose, Isabel Bartling sowie Benedikt und seine Ponys (von links) um die Wette. Foto: Peter Götz

An den Ständen auf dem Vorplatz gab es reichlich Secondhand-Kindersachen, vom pinkfarbenen Dirndl über Brettspiele bis zu lila Gummistiefeln. Auf dem Wiesenstreifen zwischen dem hohen Zaun um die Tennisplätze und der Straße grasten zwei niedliche Zwergponystuten mit zwei noch niedlicheren Fohlen, sehr zur Freude der zahlreichen Kinder, die die ehemalige Tennisanlage als Abenteuerspielplatz nutzen durften.

Spende für Bedürftige

Auch im Gebäude selbst stand zahlreiches Inventar zum Verkauf, ein großer Teil des Bestands soll jedoch in die zukünftigen Dorfgemeinschaftsräume mitgenommen werden. Darüber hinaus werden die Küchengeräte der Teeküche an Bedürftige gespendet.

„Wir wollten das Haus noch mal öffnen, damit alle sich verabschieden können“, beschrieb Eva Rahe die Abschieds-Aktion. Sie ist als Koordinatorin der Arbeitsgruppe Digitale Medien für die Werbung über die WhatsApp- und Facebook-Gruppen und den Dorffunk zuständig: „Wir hatten auch Plakate aufgehängt, damit die Leute wissen, was hier heute ist.“

Jetzt wird ausgeräumt

Für den Heimatverein war der „Kehraus“ definitiv der letzte öffentliche Anlass im alten Gebäude. Was nun noch bleibt, ist das restliche Auf- und Ausräum-Geschehen bis zur baldigen Übergabe an den neuen Eigentümer. Viele Schriftstücke, Mobiliar, Bilder, Lampen, Trophäen und die Büroeinrichtung sollen mit in neue Dorfgemeinschafts-Räume umziehen, sobald diese verfügbar werden. Leider ist ein neues Dorfgemeinschaftshaus noch nicht wirklich in Sicht – was von der Habe der Gemeinschaft und des ehemaligen Tennisclubs erhalten bleiben soll, wird somit im Gebäude der alten Gefrieranlage vorübergehend zwischengelagert.

„Wir hoffen, dass unsere Sachen in der Qualität erhalten bleiben: Wir besitzen Dokumente, die einen historischen Wert haben, wir haben aber auch Sachen, die weg können“, erklärte der Vereinsvorsitzende Friedhelm Koch angesichts der Sortierung, die beim Ausräumen zwangsläufig erfolgen muss. „Der eine bekommt Herzschmerzen, wenn er ans Wegwerfen denkt, der andere will alles in die Tonne werfen. Wir müssen den goldenen Mittelweg finden.“

Für Isabel Bartling vom Aktivitäts-Ausschuss ist das größte Problem nicht das Einlagern der Güter, sondern der Verbleib der Menschen. „Wir können Hollwinkel nutzen“, sagte sie, „Das klappt immer sehr gut mit der Familie von der Horst, allerdings wird das im Winter schwierig, weil wir den umgebauten alten Pferdestall dann nicht warm bekommen.“

Gaststätten fehlen

Kneipen oder weitere Vereinslokale gebe es in Hedem schon lange nicht mehr. Wie fast überall in den Dörfern existierten bis in die 70er Jahre sogar zwei davon, eine Dorfkneipe bei der jetzigen Bäckerei Schmidt und die Gaststätte Buchholz, ehemals Heuer.

„Darum steht auch dort natürlich kein Platz mehr zur Verfügung. Wir müssen jetzt genau in die Runde schauen und Räume finden, die wirklich zu uns passen, auch im Hinblick auf offizielle Vorgänge wie die Wahlen. Das Gemeinschaftshaus war das Wahllokal für die Gemarkungen Lashorst und Hedem, da diese schon vor längerer Zeit zusammengelegt wurden und Hedem die einwohnermäßig stärkere Kommune ist“, berichtete Friedhelm Koch, der auch über den Gartenzaun nach Lashorst blickt, wo die Dorfgemeinschaft ebenfalls ihren angestammten Platz demnächst verlieren wird. „Die Lashorster haben noch viel größere Schwierigkeiten als wir, die haben die Bühne, die Requisiten, die Laienspielschar und den Chor, die müssen ja proben. Es wäre nicht gut für die Gruppen, wenn dort drei Jahre lang nicht gemeinsam gesungen und gespielt werden könnte.“

Singen am 3. Oktober

Aus Lashorst hatte Thomas Brückner vom Heimatverein „Singgemeinde“ den Weg zu den östlichen Nachbarn gefunden, um sich nochmals hinter die Theke im Tennis-Clubraum zu stellen, obwohl weder Bier aus dem Zapfhahn kamen noch viele Gäste am Tresen saßen. Von ihm gab es aktuelle Kunde zum geplanten Singen am Tag der Einheit: „Im Zuge einer bundesweiten Aktion der Chorverbände lädt der Chor am Samstag, 3. Oktober, zwischen 19 und 20 Uhr zu einem besonderen Liederabend zum Thema ‚Einheit‘ und ‚75 Jahre Frieden in Deutschland‘ ein, da bekanntlich zu 30 Jahren Wiedervereinigung keine größeren Veranstaltungen stattgefunden haben“, kündigte er an. „Gemeinsam geprobt wird nicht, die Chormitglieder üben zuhause mit einer CD, da noch Corona-Bedingungen herrschen. Aufgeführt werden landesweit einheitlich zehn vorgegebene Lieder in verschiedenen Sprachen.“

Brückner und seine Lashorster Vereins-Kollegen müssen definitiv Ende Oktober aus der ehemaligen Dorfschule ausgezogen sein, da deren Abriss unmittelbar im November beginnen soll. „Einen Kehraus wie die Hedemer veranstalten wir nicht. Wir werden im Zuge einer Feier die Urkunde der Grundsteinlegung bergen, die dort im Eingangsbereich eingemauert ist. Ein genauer Termin dafür steht noch nicht fest“, sagte Brückner., „Wahrscheinlich Mitte Oktober.“

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