Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Lashorst kostet mindestens 755.000 Euro mehr als zu Beginn geschätzt
Ursprungspreis ist nicht zu halten

Seit Monaten plant die Stadt Preußisch Oldendorf auf dem Gelände der Alten Schule Lashorst einen Neubau. Dieser soll das gemeinsame Domizil für die Feuerwehrlöschgruppen Hedem-Lashorst und Getmold und für den Heimatverein Singgemeinde Lashorst sein. In der letzten Ratssitzung des Jahres ist das Projekt noch einmal intensiv diskutiert worden.

Donnerstag, 17.12.2020, 06:00 Uhr
Unter einem gemeinsamen Dach sollen auf 1200 Quadratmetern Fläche das neue Feuerwehrgerätehaus für die Löschgruppen Lashorst-Hedem und Getmold und das Dorfgemeinschaftshaus als Ersatz für die Alte Schule Lashorst entstehen
Unter einem gemeinsamen Dach sollen auf 1200 Quadratmetern Fläche das neue Feuerwehrgerätehaus für die Löschgruppen Lashorst-Hedem und Getmold und das Dorfgemeinschaftshaus als Ersatz für die Alte Schule Lashorst entstehen Foto: Stadt Preußisch Oldendord

Der Grund: Die Kostenschätzung der Stadt, die bereits einmal im Bauausschuss vorgestellt wurde, ist inzwischen 755.000 Euro teurer als die ursprüngliche.

Gabriele Rotter von der Stadtverwaltung stellte am Dienstagabend im Rat erneut die neuen Pläne vor, die sie im August bereits im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss dargestellt hatte. Sie betonte, dass das Konzept mit der Feuerwehr und dem Heimatverein erarbeitet worden sei. „Die Preissteigerungen hängen nicht mit neuen Wünschen der Löschgruppen oder der Singgemeinde zusammen,“ betonte sie

Vielmehr seien sie eine Folge von technischen Anforderungen und Auflagen, die in der ursprünglichen Planung nicht eingerechnet werden konnten. Die Feuerwehr und der Verein hätten sogar einige Abstriche gegenüber der Ursprungsplanung in Kauf genommen. „Ein wichtiges Ziel ist aber weiterhin, dass die künftigen Nutzer ihre Eigenständigkeit wahren“, sagte Gabriele Rotter. Deshalb seien jeweils separate Bereiche für die Fahrzeughalle, die Gruppenräume der Löschgruppen und für den multifunktionalen Raum der Singgemeinde unter einem Dach geplant.

Die gravierendsten Kostensteigerungen liegen in den Kostengruppen Konstruktion (+ 155.825 Euro), Technik (+ 165.500 Euro), Außenanlagen (+ 250.454 Euro) und Honorare (+ 161.721 Euro). Gabriele Rotter gab zu bedenken, dass viele Kosten mit Auflagen zu tun hätten, etwa der notwendigen größeren Zahl an Autostellplätzen, oder der technischen Ausstattung für die Feuerwehr. Gestiegen seien auch Nachweispflichten durch externe Behörden. So habe zum Beispiel der Landschaftsverband nach dem Fund alter Münzen eine Untersuchung auf dem Gelände verlangt. „Da kommt eins zum anderen“, sagte sie.

Erfahrungswerte

Zudem seien Erfahrungswerte vom Bau der Feuerwehrgerätehauses in Bad Holzhausen eingeflossen, wo die Kosten auch zunächst zu niedrig angesetzt worden seien. „Wir bauen immerhin auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern. das entspricht etwa zwölf kleinen Einfamilienhäusern“, sagte sie. „Das war auch von der Ästethik her eine Herausforderung.“

Außerdem müssten Ausführungsarbeiten an ein externes Architekturbüro vergeben werden, da die Personalkapazitäten der Stadt dafür nicht ausreichten. „Wir planen nicht jeden Tag ein so großes Gebäude. Und es gibt Büros, die ein Feuerwehrgerätehaus nach dem anderen bauen.“

Janina Huth (FWG) sagte, sie habe schon unruhige Nächte wegen der Preissteigerung. Und Jan Hendrik Maschke ((SPD) erklärte: „Es geht uns nicht darum, das ganze Projekt in Frage zu stellen, aber wir fragen, wo sind noch Einsparungspotenziale? 755.000 Euro Steigerung kann ich so nicht akzeptieren.“ Gabriele Rotter erwiderte, dass das Platzangebot für die Nutzer schon geringer sei als anfangs geplant. „Günstiger wird es nicht, da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Wenn wir es günstiger haben wollen, müssen wir an der Fläche sparen.“ Und sie fügte ihre eigene Überzeugung an: „Der Ursprungspreis ist nicht mehr realistisch. Ich persönlich gehe nicht davon aus, dass wir unter 3,5 Millionen Euro liegen werden.“

Zusammenwachsen

Bernd Lömker (UEB) fragte, ob es nicht Synergieeffekte durch die gemeinsame Nutzung von Räumen geben könne. Bürgermeister Steiner sagte, dass die Separierung ausdrücklich von den Beteiligten gewünscht sei. „Auch die beiden Löschgruppen Getmold und Hedem-Lashorst wollen selbstständig bleiben und wollen eigene Bereiche haben.“ Er erinnerte aber gleichzeitig daran, dass die Löschgruppen und der Heimatverein jederzeit kompromissbereit gewesen seien, etwa bezüglich des gemeinsamen Standortes. Wilfried Niemeyer (CDU) erklärte, dass auch seine Fraktion einen Schreck bekommen habe, als sie von den 755.000 Euro Kostensteigerung erfahren habe. „Aber wollen wir den Feuerwehren sagen, ihr seid ab sofort eine Löschgruppe? Wir müssen den Gruppen die Möglichkeit geben, zusammenzuwachsen. Das nicht zu ermöglichen, wäre am falschen Ende gespart.“

Sein Fraktionskollege Jürgen Bartelheim: „Wenn wir den Neubau nicht machen, dann müssten wir andere Gebäude ertüchtigen. Generell ist die Steigerung erschreckend. Aber es wäre spannend, das auf 15 Jahre zu rechnen, was uns das kosten würde.“ Der Bürgermeister sagte daraufhin: „Das Feuerwehrhaus ist nicht zu ertüchtigen. Es müsste definitiv neu gebaut werden. Und auch Getmold wäre mit einigen Kosten verbunden.“

Bernd Lömker sagte, sein Hauptkritikpunkt sei die große Kostenabweichung: „Da ist in der ersten Planung etwas massiv falsch gelaufen.“

Honorarkosten

Jan Hendrik Maschke erkundigte sich nach den hohen Honorarkosten für externe Büros. Gabriele Rotter erklärte, die Stadt betreue noch mehrere andere Bauprojekte: „Das ist zeitlich bei unserem Personal nicht zu schaffen.“ Darauf sagte Maschke: „Mit 500.000 Euro könnten wir schon 1,5 Stellen bei der Stadt besetzen.“ Dem hielt der Bürgermeister entgegen, einen eigenen Architekten könne die Stadt schon gebrauchen, aber einerseits müsse dieser dann dauerhaft bezahlt werden und man müsste erst einmal geeignete Kräfte bekommen. Er erinnerte daran,, wie lange die Stadt nach einem Straßenbauingenieur gesucht habe.

Auf Anfrage von Janina Huth erklärte Marko Steiner, dass ein Förderantrag für das Dorfgemeinschaftshaus in Höhe von 250.000 Euro bereits bewilligt ist. Der Förderantrag für das Feuerwehrgebäude laufe noch.

Maschke stellte den Antrag, dass ein neuer Arbeitskreis aus Feuerwehr, Heimatverein, Politik und Verwaltung gebildet werden solle, der noch einmal Einsparpotenziale auslote. Dieser Antrag wurde aber mehrheitlich abgelehnt. Der Rat nahm schließlich die vorgelegte Planung zur Kenntnis und beschloss, dass entsprechende Mittel im Haushalt 2021 einzuplanen sind.

 

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