Land schränkt Bewegungsradius für Bürger im Mühlenkreis ein
15 Kilometer: Jetzt wird‘s kompliziert

Lübbecke -

Mit einem Mal ging alles ganz schnell: Über eine sogenannte Regionalverordnung hat das Land NRW für Kreise und Großstädte mit vielen Neuinfektionen eine Einschränkung des persönlichen Bewegungsradius auf 15 Kilometer beschlossen.

Mittwoch, 13.01.2021, 10:45 Uhr aktualisiert: 13.01.2021, 10:48 Uhr
So sieht der 15-Kilometer-Radius für alle Lübbecker aus: Die Kreisverwaltung stellt im Internet eine Hilfe zur Verfügung, um mit der neuen, komplizierten Regelung besser zurecht kommen zu können.
So sieht der 15-Kilometer-Radius für alle Lübbecker aus: Die Kreisverwaltung stellt im Internet eine Hilfe zur Verfügung, um mit der neuen, komplizierten Regelung besser zurecht kommen zu können. Foto: WB

Diese gilt von sofort an bis zunächst 31. Januar. Doch was schon in seiner politischen Entstehung ein Wirrwarr gewesen ist, sorgt auch bei vielen Menschen vor Ort für Fragen: „Was heißt das jetzt für mich?“

Innerhalb des Kreises Minden-Lübbecke kann sich weiter jeder Bürger uneingeschränkt bewegen. Verlässt er oder sie aber das Kreisgebiet, greift die Beschränkung : Von der Grenze des eigenen Wohnortes (Stadt/Gemeinde) gemessen, dürfen sich die Bürger nur noch 15 Kilometer weit entfernen. Das heißt, jemand darf zwar von Preußisch Oldendorf nach Melle fahren, nicht aber von Minden nach Melle. Ein Rahdener darf einen Ausflug nach Uchte machen, nicht aber ein Stemweder.

Der Kreis Minden-Lübbecke hat dafür extra seine Online-Corona-Information erweitert. Unter www.minden-luebbecke.de/Service/Corona ist im interaktiven sogenannten Corona-Dashboard eine zusätzliche Funktion eingefügt, die den 15-Kilometer-Radius für den jeweiligen Wohnort anzeigt (diesen neuen Tab anklicken und rechts oben die Gemeinde/Stadt auswählen).

Kompliziert wird die neue Regel auch dadurch, dass sie genauso in umgekehrter Richtung gilt, also auch für Menschen, die aus Nachbarregionen in den Mühlenkreis kommen: Wer etwa in Kirchlengern lebt, darf problemlos für einen Bummel nach Lübbecke kommen. Wer aber in Herford wohnt, darf nicht durch Lübbecke spazieren.

Davon ist auch in gewissem Maß der heimische Einzelhandel betroffen, denn das Selbstabholen von telefonisch oder online bestellten Waren im heimischen Einzelhandel ist durch die neue Regel für entfernt Lebende unzulässig geworden. Aber, so erläutert Peter Schmüser von Lübbecker Marketing: „Das Ausliefern der Bestellungen ist von der Regel nicht betroffen. Dies gilt als Berufsausübung und ist erlaubt.“

Apropos Ausnahmen: Auch mehr als 15 Kilometer zurücklegen dürfen Minden-Lübbecker außerhalb des Kreises, wenn sie triftige Gründe haben. Dies sind Beruf, Ehrenamt, Schule oder Kinderbetreuung, Betreuung Pflegebedürftiger sowie die Fahrt zu engen Angehörigen oder zum Arzt.

Das ist auch für die Polizei Neuland.

Polizeisprecher Ralf Steinmeyer

Die Polizei soll nun die Ordnungsämter bei der Kontrolle dieser Regelung unterstützen. Kreispolizeisprecher Ralf Steinmeyer sagte: „Das ist auch für die Polizei Neuland, aber auch die Ausgangssperre war das. Wir haben uns schnell darauf eingestellt.“ Dabei habe man sehr gute Erfahrung gemacht: Die allermeisten im Mühlenkreis hätten sich an die Regeln gehalten. Die neue Verordnung werde nun mit Augenmaß umgesetzt. Es solle zwar keine Sonderkontrollen geben, wohl aber im Rahmen von Einsätzen auch der Bewegungsradius überprüft werden.

Wie Steinmeyer sagte, seien schon in der kurzen Zeit seit der Bekanntgabe viele Anfragen der Menschen dazu in der Polizei-Leitstelle eingegangen. Und auch die Kreisverwaltung spricht von zahlreichen Anfragen. Offene Fragen sollen nun gesammelt werden, erläuterte Krisenstabsleiterin Cornelia Schöder: „Wir gehen davon aus, dass das zuständige Ministerium zeitnah zusätzliche Informationen zur Verfügung stellt.“ Bürgerinnen und Bürger können ihre Fragen per E-Mail richten an: infektionsschutz@minden-luebbecke.de.

 

Weitere Regeln könnten bereits in Kürze folgen, weil es viele Infektionen gibt : Da die für den Kreis Minden-Lübbecke aktuell geltende Allgemeinverfügung an diesem Mittwoch ausläuft, arbeitet der Krisenstab des Kreises zurzeit an einer Folge-Regelung. „Diese werden wir wie üblich mit dem Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales des Landes abstimmen und bekannt geben“, sagte Landrätin Anna Katharina Bölling.

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