Mi., 20.08.2014

Bauarbeiten verändern Akustik im Rahdener Kirchturm – Klappen werden nicht ersetzt Glocken klingen jetzt lauter

Blick in den Glockenstuhl der Rahdener Kirche: Die hölzernen Klappen vor den Rundbogen-Schall-Öffnungen sind entfernt. Dadurch erhalten die Glocken einen veränderten Klang.

Blick in den Glockenstuhl der Rahdener Kirche: Die hölzernen Klappen vor den Rundbogen-Schall-Öffnungen sind entfernt. Dadurch erhalten die Glocken einen veränderten Klang. Foto: Michael Nichau

Von Michael Nichau

Rahden (WB). »Irgendwie klingen die Glocken anders«, mit diesen Worten hat sich ein Leser an das WESTFALEN-BLATT  gewandt. Gemeint sind die Glocken der St.-Johannis-Kirche in der Stadt. Seit der Turm-Renovierung würden diese anders klingen, einen Ton beinhalten, der an Feuerwehr-Sirenen erinnere, meinte der Rahdener.

 Grund genug, bei Pfarrerin Gisela Kortenbruck nachzufragen, ob sich durch die Baumaßnahmen etwas verändert hat.

Pfarrerin Gisela Kortenbruck.

»Nein, an den Glocken haben wir nichts gemacht. da ist alles beim Alten geblieben«, sagte Kortenbruck, die sich im letzten Abschnitt der Renovierung um die Baumaßnahmen und besonders um die Sammlung von Spenden für die Kirchturm-Renovierung bemüht hatte. Gemeinsam mit Kirchmeisterin Sonja Wiebke stand sie Rede und Antwort.

Der Turm der Rahdener Kirche. An den Schall-Öffnungen unterhalb der Zifferblätter sind die Klappen abmontiert worden.

»Die Glocken klingen jetzt lauter. Und das ist schön«, meinte die Pastorin. Denn: Im Zuge der Baumaßnahmen wurden die alten Schall-Klappen entfernt. Sie saßen bisher vor den Schall-Luken der Kirche. »Diese Holz-Lamellen-Bretter dienten vor allem dazu, Schnee und Regen vom Inneren des Turmes abzuhalten«, erläuterte Kirchmeisterin Sonja Wiebke. Diese kleinen Lamellen-»Türen« waren jedoch im Lauf der Zeit so morsch und brüchig geworden, dass sie in der Bauphase entfernt wurden.

Zu teure Anschaffung

»Wir haben über einen Ersatz nachgedacht und standen vor der Entscheidung ›reparieren oder neu anschaffen?‹. Die Neuanschaffung hätte Kosten von etwa 8000 Euro verursacht«, erläuterte die Kirchmeisterin. So entschloss sich die Kirchengemeinde Rahden, die Schall-Luken künftig wegzulassen. Die Rundbogen-Öffnungen im Turm wurden bereits mit einem so genannten »Dohlenschutz« gegen Vögel und Ungeziefer versehen. Dieser diene auch dazu, Witterungseinflüsse vom Turm-Inneren fernzuhalten, erläuterte Wiebke.

»Bei den Renovierungsarbeiten haben die Handwerker die schönen Bogenfenster vor dem Glockenstuhl freigelegt und wieder herausgearbeitet. Die alten Holzklappen hätten da gar nicht mehr ins Bild gepasst«, spricht Gisela Kortenbruck auch den ästhetischen Aspekt an.

»Mich haben schon einige Leute angesprochen, dass die Glocken jetzt anders, viel heller klingen würden«, sagte die Pastorin. Niemand aber hätte sich ernsthaft über den Glockenklang beschwert, meinte sie. »Die Wahrnehmung dieses Geräuschs ist immer sehr persönlich«, meinte Kortenbruck. Und: Die Schalluken sollen den Klang ja nach außen tragen und nicht behindern«, meinte sie.

Bewusster hören

Auch würden die Rahdener ihre Glocken nach der Bauphase wohl bewusster wahrnehmen: »In der Zeit der Bauarbeiten war das Läutewerk aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. Erst seit Weihnachten wurde wieder geläutet, seit etwa drei Monaten wieder regelmäßig«, erklärte Kortenbruck. Wichtig sei auch, dass die Kirchengemeinde so Geld gespart habe.

Die Spendensammlungen in Rahden hätten etwa 60.000 Euro eingebracht. »So hatten wir uns das auch vorgestellt, aber die Gemeinde hat in den kommenden Jahren jeweils 10.000 Euro zurückzuzahlen. Die Turm-Renovierung ist ein Generationen-Projekt«, sagte sie.

Deshalb müsse man das Thema auch in der Öffentlichkeit präsent halten. Spendensammlungen der Kirchengemeinde würde daher künftig immer auch einen Anteil für den Turm enthalten. »Das Spendensammeln wird jetzt etwas mühsamer, weil die Menschen den eingerüsteten Turm nicht mehr so offensichtlich vor Augen haben«, erklärte die Pastorin. Und: Letztlich werde irgendwann auch die Renovierung des Kirchengebäudes selbst erforderlich.

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