Fr., 15.12.2017

Neue Mauer und neue Linden – Veranstaltungen nur im »Süden« nicht erlaubt Leben auf dem Kirchplatz erwünscht

Zwischen Kirche und Gemeindehaus weichen Parkplätze einer Grünfläche. Die Abstellmöglichkeiten direkt am Gemeindehaus bleiben. Zur Eisdiele hin wird eine neue Mauer angelegt. Die Spielgeräte aber vorerst nicht wieder aufgestellt. Der Denkmalschutz habe zwar kein Mitspracherecht aber dazu geraten, erst abzuwarten, ob überhaupt ein Bedarf für die Spielgeräte besteht.

Zwischen Kirche und Gemeindehaus weichen Parkplätze einer Grünfläche. Die Abstellmöglichkeiten direkt am Gemeindehaus bleiben. Zur Eisdiele hin wird eine neue Mauer angelegt. Die Spielgeräte aber vorerst nicht wieder aufgestellt. Der Denkmalschutz habe zwar kein Mitspracherecht aber dazu geraten, erst abzuwarten, ob überhaupt ein Bedarf für die Spielgeräte besteht.

Von Elke Bösch

Rahden (WB). Wie der Mittelpunkt Rahdens künftig aussehen könnte, darüber informierte der Landschaftsplaner Marcel Adam. Zum ersten Mal wurden Mittwochabend die Planungen für die Umgestaltung des Kirchplatzes in der St. Johannis-Kirche der Öffentlichkeit vorgestellt.

»Zwar hat die Abstimmung mit den Gremien Zeit in Anspruch genommen, doch jetzt sind wir auf der Zielgeraden. Wir haben endlich einen Konsens gefunden«, versicherte Adam. Ziel der Sanierung sei es, eine höhere Aufenthaltsqualität zu schaffen, offener zu gestalten und Leben auf den Platz zu holen. Und: Die Rahdener behalten ihre Mauer an der Eisdiele zwar nicht, sie bekommen aber eine neue, die niedriger ist und auch die alte Hecke als Verkehrsführung ersetzen soll. »Dabei wird die Mauer auf den Kirchplatz versetzt, so das ein Gehweg entsteht, der die Verkehrssituation auf der Straße zwischen Kirche und Stadtsparkasse entschärft«, sagte Donnerstag Bauamtsleiter Dieter Drunagel.

Alte und neue Bäume

Besonders umstritten war die Fällung der Bäume im Süden des Gotteshauses. Das Presbyterium und viele Rahdener wollten Linden und Kastanien unbedingt behalten. Doch ein Gutachten sah bei fünf Bäumen die Verkehrssicherheit so gefährdet, dass sie inzwischen gefällt werden mussten. Den übrigen bescheinigte der Fachmann nur noch eine Lebensdauer von fünf bis 20 Jahren. Auch sie werden gefällt. (Diese Zeitung berichtete). Jetzt werden neue, schon mehrere Meter große »Greenspire«-Linden neu angepflanzt. Auch eine Unterpflanzung und Sitzbänke sind vorgesehen. Möblierung und Beleuchtung erfolgen wie in der Innenstadt.

Ebenfalls der Kettensäge zum Opfer fallen die Robinien im nördlichen Bereich der Kirche und am Parkplatz. »Sie stehen einfach zu nah an der Kirchringbebauung«, hieß es bei der Infoveranstaltung. »Die älteste Robinie, am Pastor-Hartog-Grabmal, wird durch vier neue Bäume ersetzt. In diesem Bereich verschwinden die Parkplätze. Es bleiben nur die direkt am Gemeindehaus«, sagte Pfarrer Udo Schulte.

Gepflastert werden soll der Platz in grauen Natursteinen – vor­aussichtlich mit Granit. Um das Gotteshaus herum ist ein Schotterstreifen, in dem Wasser versickern kann, vorgesehen.

Kosten sind gestiegen

Die Kosten für die Maßnahme bezifferte Bauamtsleiter Dieter Drunagel am Tag nach der Vorstellung der Neugestaltung: »Wir müssen mehr Geld in die Hand nehmen als anfangs geplant – statt wie berechnet 672.000 sind es jetzt 880.000 Euro.« Die Maßnahme werde mit 70 Prozent vom Land gefördert, also etwa 620.000 Euro. Umgesetzt werden soll das Projekt in 2018.

Veranstaltungen möglich

Pfarrer Udo Schulte betonte, dass nach der Fertigstellung der Platz öffentlich zugänglich sein werde, es jedoch im südlichen Bereich mit den Baumneuanpflanzungen keine Veranstaltungen geben könne, weil dann wieder Verdichtungen des Bodens die neuen Linden schädigen könnten. Nördlich zwischen Gotteshaus und Kirchringhäusern sah er keine Probleme, zum Beispiel für Rahdener Traditionsveranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt.

»Auch die Nutzungen wollen Stadt und Kirche in einem umfassenden Vertrag festlegen«, ergänzte Bürgermeister Bert Honsel. Zuhörer Friedrich-Wilhelm Hohn merkte an, dass die »Dezemberträume« in den nördlichen Bereich an die St. Johannis-Kirche zurückkehren und als Ring auf der Zufahrt zur Stadtsparkasse weitergeführt werden könnten. Stadtsparkassenvorstand Hartmut Jork, der am Mittwochabend anwesend war, signalisierte Zustimmung und bestätigte am Donnerstag, von Freitag bis Sonntag halte er eine Sperrung für machbar.

Auf diese Entwicklung sprach diese Zeitung auch den Vorsitzenden des Gewerbebundes Martin Wlecke an: »Ich bin überrascht und schreie nicht gleich hurra. Eine Rückkehr muss reiflich überlegt werden. Wir brauchen dort Strom und Wasser. Unser Team hat mit der Verlegung auf den Ortgies-Parkplatz Großartiges geleistet. Wir sind gerade dabei, Bilanz zu ziehen und wollen noch optimieren.«

Meinung der Zuhörer

Manfred Bollhorst kritisierte, dass die älteste Robinie im Stadtgebiet der Kettensäge zum Opfer falle. »Damit vernichten wir ein uraltes Denkmal.« Honsel antwortete: Eine Schönheit sei der Baum nicht, nur noch ein riesiger Stumpf mit kleinen Zweigen.

Gudrun Straßburg mahnte wegen Kinderarbeit, keinen Granit aus China zu verarbeiten. Das werde nicht geschehen. versprach Honsel. Und Planer Adam schlug portugiesischen Granit vor.

Monika Büntemeyer enthielt der Plan zuviel Grau und zu wenig Grün. Sie wollte zudem wissen, warum die vier Häuser am Kirchring nicht vorrangig in Angriff genommen würden. »Das steht nicht in unserer Macht. Mit den Investoren stehen wir im Gespräch.« Die Stadt muss bis März die Planung fertig stellen, sonst ist die Förderung futsch«, sagte Honsel. Das will der Bauausschuss wohl verhindern und empfahl dem Rat bei zwei Enthaltungen, für die Umgestaltung des Kirchplatzes in 2018 zu stimmen und gleichzeitig mit der Kirchengemeinde einen Gestattungs- und Nutzungsvertrag zum Ausbau und zur öffentlichen Nutzung des Platzes abzuschließen. (Bericht folgt).

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