Fr., 14.09.2018

Bürgermeister und Ortsvorsteherin freuen sich über Resonanz beim ersten Dorfgespräch Varler wünschen sich Kindergarten

Bürgermeister Bert Honsel, Ortsvorsteherin Anette Streich und Bauamtsleiter Dieter Drunagel beim Ortsgespräch.

Bürgermeister Bert Honsel, Ortsvorsteherin Anette Streich und Bauamtsleiter Dieter Drunagel beim Ortsgespräch. Foto: Florian Hemann

Von Florian Hemann

Varl/Varlheide (WB). Zu schnelle Autofahrer, zu langsames Internet und zu wenige Bauplätze: Die Varler und Varlheider haben Bürgermeister Bert Honsel, Ortsvorsteherin Anette Streich und Dieter Drunagel beim ersten Dorfgespräch einige Themen mit auf den Weg gegeben.

Doch der Abend begann zunächst mit einer Planänderung. Der Raum im Gasthaus »Zum Goldenen Hecht« war für die etwa 50 Personen zu klein, es musste auf den großen Saal ausgewichen werden. »Es macht auch mehr Spaß, wenn es mehr Leute sind«, stellte Bürgermeister Bert Honsel (CDU) klar und freute sich mit Anette Streich und Fachbereichsleiter Dieter Drunagel.

Bauen ist Thema

Vor allem das Thema Bauen machte einen Großteil der Thematik des Treffens aus. Zwischen 1990 und 2014 habe es im Ortskern von Varl rund 70 Neubauten gegeben, erklärte Drunagel eingangs. Auch die Zahl der Leerstände sei überschaubar. Die Chancen für weitere Bauplätze seien aktuell jedoch begrenzt. Drunagel und Honsel setzen deshalb große Stücke in die Novelle des Landesentwicklungsplans: »Das macht Hoffnung für die Ortschaften für mehr Flexibilität, Wohnraum zu schaffen.«

Vor zehn Jahren habe man mit so einer Nachfrage nach Bauplätzen noch nicht rechnen können. »Wenn wir den Prognosen geglaubt hätten, hätten wir eine negative Bevölkerungsentwicklung gehabt«, stellte Drunagel klar. Angesichts solcher Zahlen fragte Ulli Eikenhorst nach den Chancen eines Kindergartens für Varl und Sielhorst und schob die Begründung gleich hinterher: »Wir sollten berücksichtigen, dass wir die einzige Ortschaft ohne eigene Einrichtung sind.«

Vorschlag aufnehmen

Honsel zeigte sich da offen und will den Vorschlag mitnehmen. Die Entscheidung erfolge in Abstimmung mit dem Kreis, sagte Honsel und nannte als Zahl eineinhalb Jahre. So lange dürfte es bis zur möglichen Realisierung des Kindergartens dauern. Auf die Frage nach einer Spielplatzerweiterung in der Siedlung »Am Glockenstuhl« sagte Honsel eine Prüfung zu. Derzeit befinden sich 40 Spielanlagen im Stadtgebiet. Ziel sei es, sieben sogenannte Premiumspielplätze vorzuhalten und damit je einen pro Stadtteil.

Es wird gerast

Um Kinder ging es auch in Bezug auf die Autofahrer im Dorf. »Die fahren viel zu schnell«, hieß es von vielen Versammlungsteilnehmern. Konkret ging es unter anderem um die Varler Straße (L557), die Leverner Straße, Wagenfelder Straße sowie die Straße »Zum Kleihügel«. Insbesondere bei letzterer Straße gab Honsel den Bürgern in ihrer Kritik Recht. Er wolle die Anliegen der Bürger mit in die nächste Besprechung der Verkehrsangelegenheit, die sogenannte Verkehrsschau, nehmen, um weitere Maßnahmen wie Blitzer oder bauliche Veränderungen zu klären.

Kaum Hoffnung

Hinsichtlich der L557 dämpfte Honsel jedoch die Hoffnungen auf den gewünschten Zebrastreifen: »Bei einer Landstraße ist es sehr schwierig, einen Zebrastreifen umzusetzen.«

Eine Mutter kritisierte das fehlende Schulbuswartehäuschen am Friedhof (»Die Kinder stehen im Regen.«). Ortsvorsteherin Streich äußerte Verständnis, bat aber um Geduld. Die bisherige Bushaltestelle sei so marode und damit gefährlich gewesen, dass sie in den Ferien abgerissen wurde. Streich: »Das neue Wartehäuschen ist eine sehr moderne, behindertengerechte Variante. Und die haben Aufträge ohne Ende. Ich rechne damit, dass es Anfang 2019 fertig ist.«

Internet zu lahm

Weiteres Thema war der Glasfaserausbau. Hier erlebten die Anwesenden einen recht unzufriedenen Bürgermeister: »Leider zeigen wir seit zwei Jahren dieselbe Präsentation, seitdem hat sich nichts geändert.« Der Kreis mit dem Landrat an der Spitze habe sich des Themas angenommen. Derzeit gebe es jedoch Probleme, was die Zuschlagserteilung betrifft. Der Rahdener Eigenanteil liege durch diverse Förderungen von Land und Bund bei 683.861,90 Euro. Knapp acht Millionen wären es ohne Förderung »und das kann die Stadt nicht tragen«.

Florian Haase erkundigte sich nach dem Stand beim IKEK. Drunagel wies darauf hin, dass als nächste Schritte die Fragen der Konkretisierung, Finanzierung und Fördermöglichkeiten abgeklopft würden. In Rahden sind 42 Programme angemeldet worden, fünf davon in Varl.

Anette Streich dankte abschließend allen Varlern und Varlheidern sowie den anwesenden Kollegen aus dem Rat für die rege Beteiligung an dieser Veranstaltung und äußerte das Ziel, dieses Format einmal jährlich anzubieten.

Ein Kommentar von Florian Hemann

Wer sich abschottet, hat deutlich mehr Ruhe. Doch nicht erst seit der Bundestagswahl sollte allen Demokraten klar sein, dass mit dieser Komfortzone Schluss sein muss. Zuhören und Präsenz sind wie beim Varler Dorfgespräch unerlässlich.

Über Partei- und Ortsgrenzen hinweg gibt es im Altkreis Lübbecke erfreulicherweise einige Formate. In Rahden sind es Dorfgespräche, Hüllhorsts Bürgermeister Bernd Rührup (SPD) nennt es wie sein Stemweder Kollege Kai Abruszat (FDP) Ortsteilgespräche. Frank Haberbosch lädt in Lübbecke zum Frühschoppen. In Espelkamp zieht die CDU mit einer Zuhör-Tour durch die Stadt und auch die CDU-Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann bietet Bürgersprechstunden an.

Doch all das steht und fällt mit der Resonanz der Bevölkerung. Wer nur im Internet nörgelt oder aus Protest extreme Parteien wählt, sollte sich nicht wundern, wenn sich wenig ändert. Insofern müssen alle aus ihrer Komfortzone.

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