Sa., 13.10.2018

Dorfgemeinschaft Varl befürchtet Schaden für Ortskernentwicklung Ärger um zwei Futtersilos

Ein Stall steht bereits auf dem Hof in Varl. Jetzt sollen dort ein weiterer sowie zwei Futtersilos gebaut werden.

Ein Stall steht bereits auf dem Hof in Varl. Jetzt sollen dort ein weiterer sowie zwei Futtersilos gebaut werden. Foto: Andreas Kokemoor

Von Elke Bösch

Varl (WB). Die Pläne der Wolter GbR in Varl, in der Ortsmitte einen Schweinemaststall zu errichten, sorgen für Aufregung. Dadurch werde die Entwicklung in der Dorfmitte erheblich erschwert, hieß es in der Ratssitzung der Stadt Rahden am Donnerstag.

Bei der Beratung ging es darum, dass die Stadt für dieses Projekt das gemeindliche Einvernehmen erteilen sollte. Dazu hatte der Kreis Minden-Lübbecke aufgefordert. Wie am Freitag berichtet, erfolgte dieses nicht. Mehrheitlich versagte der Rat seine Zustimmung. Von rechtlicher Bedeutung ist das aber nicht, da der Kreis dieses Einvernehmen ersetzen kann. Bürgermeister Bert Honsel riet dem Rat, sein Einvernehmen zu erklären und wies darauf hin, dass der Landrat ihn als Bürgermeister anweisen könnte, diesen Beschluss zu beanstanden.

Trotzdem votierten nur, neun CDU- und SPD-Mitglieder für den Beschlussvorschlag. Fünf Enthaltungen wurden gezählt und damit die Zustimmung verweigert.

Immissionen gehen zurück

Zum Hintergrund: Ein Landwirt will auf seiner Hofstelle am Haßmoor 3 einen Maststall für 704 Schweine errichten. Dort besteht bereits eine Anlage. Gegen den Stall an sich richteten sich die Bedenken eher weniger, denn laut Gutachten gehen die Immissionen dank Luftwäscheranlagen sogar zurück. Stein des Anstoßes sind die beiden zwölf Meter hohen Silos. Sie könnten die Entwicklung von Bauland auf dem Gelände F. A, Wagenfeld beeinträchtigen, befürchtete unter anderem Ortsvorsteherin Anette Streich.

Sie hatte am Montag gemeinsam mit ihrer Fraktionskollegin Bianca Winkelmann am Montag mit dem Landwirt gesprochen. »Er will nicht von dem Bau absehen.« Habe sogar gesagt die Dorfentwicklung sei ihm egal. »Er war mit seinem Antrag einfach schneller.« Wäre zuerst der Antrag für die Ausweisung der etwa zehn Bauplätze gestellt worden, hätte das mit der Genehmigung wohl anders ausgesehen, vermutet Streich. So sollten junge Familien die Möglichkeit erhalten, in Varl zu bauen. Jetzt werde geprüft, ob die Baulandentwicklung an dieser Stelle mit dem weiteren Stall überhaupt noch möglich sei.

Landwirt will Gespräche führen

Bianca Winkelmann liegt es am Herzen, die Wogen zu glätten. Der Landwirt habe das Recht auf seiner Seite. Natürlich sei der Standort außerhalb des Ortskernes besser, aber als der Landwirt für den Außenbereich den Antrag gestellt habe, musste dem Vorhaben aus rechtlichen Gründen als nicht privilegiert die Genehmigung versagt werden. »Die Stadt hätte ein landwirtschaftliches Sondergebiet ausweisen müssen, mit der Konsequenz dass Maststallbetreiber, egal woher, dort bauen könnten.« Außerdem habe bei dem Gespräch am Montag der Landwirt doch zugesagt, über den Standort und die Höhe der Silos sprechen zu können. »Und das ist doch das Hauptproblem.«

Winkelmann betont, dass die Familie Wolter rechtlich nichts falsch mache. Für die Entwicklung von Varl sei das leider unglücklich. Auch habe der Landwirt im Gespräch angedeutet, dass er die heranrückende Wohnbebauung kritisch betrachte. Deshalb habe er wohl schnell reagiert und den Bauantrag gestellt, meint Winkelmann.

Der ganze Ärger habe vermieden werden können, wenn andere schneller reagiert hätten, meint Günter Meyer. »Seit vier Jahren setzte ich mich für die Ausweisung von Bauplätzen in diesem Bereich ein«, betont Meyer, hatte den Antrag schon gestellt und bin dafür kritisiert worden. Das müsse noch im Vorfeld besser abgesprochen werden, hieß es. »Die Initiatoren für die Schaffung von Wohnbebauung konnten sich wohl nicht einigen.«

FDP wünschte sich Kompromiss

Für die FDP Fraktion bedauerte Hans-Eckhard Meyer, dass es trotz Bemühungen zu keinem Kompromiss gekommen sei. Die FDP hätte sich in der Planung mehr Sensibilität und Rücksichtnahme auf die Dorfgemeinschaft gewünscht, die großen Schaden erlitten habe. »Dies ist kein Paradebeispiel für ein Zusammenleben im Dorf.«

Dass ein Baugebiet an dieser Stelle nicht zu realisieren sei, davon geht Bauamtsleiter Dieter Drunagel nicht aus. »Es wird noch einmal geprüft, aber die Immissionen würden ja sogar durch die Luftwäscher verbessert werden.«

Landwirt Michael Wolter reagierte überrascht auf die Nachricht aus dem Rat. »Ich habe am Montag deutlich gesagt, über die Silos können wir sprechen und dachte, es sei in Ordnung.«

Ein Kommentar von Elke Bösch

Ist in Varl der Dorffrieden in Gefahr, wie im Rat befürchtet? Zur Zeit schlagen die Wellen hoch. Doch sie könnten auch schnell wieder geglättet werden. An einem Schweinemaststall, oder besser den beiden Futtersilos, mitten im Dorf scheiden sich die Geister. Doch ist die Lage wirklich hoffnungslos? Nein, nicht wenn man wieder miteinander spricht. Denn Knackpunkt sind Standort und Höhe der Silos. Dadurch sehen große Teile der Dorfgemeinschaft die Entwicklung des Dorfkerns und speziell eines neuen Baugebietes ganz in der Nähe in Gefahr. Dass der Landwirt das Recht hat, seinen Betrieb weiterzuentwickeln und seine Existenz zu sichern, das sollte nicht in Frage gestellt werden. Zumal ihm die Erweiterung im Außenbereich versagt wurde. Ein landwirtschaftliches Sondergebiet hätte dort ausgewiesen werden müssen. Das war damals aber vom Rat nicht gewünscht. Befürchtungen, dass sich dort auch Maststallfabriken ansiedeln könnten, wurden ins Feld geführt. Wo bitte aber kann sich denn eine Landwirtschaft vergrößern, wenn nicht auf dem eigenen Hof? Auf Dörfern gibt es nunmal »mittendrin« Bauern. Natürlich war der Schachzug, schnell und überraschend ohne vorherige Absprache den Antrag zu stellen, unklug und es wurde unnötig Porzellan zerdeppert. Die Verärgerung in Varl darüber ist absolut verständlich. Aber – und das hat nicht nur Bianca Winkelmann aus ihren Gespräch mit Familie Wolter mitgenommen – sondern Michael Wolter noch einmal ausdrücklich bestätigt: »Ja ich bin dazu bereit, über Standort und Höhe der Silos zu sprechen.« Also das Porzellan schnell wieder in die Schränke räumen und miteinander sprechen. Vielleicht findet sich dann eine Lösung, mit der alle irgendwie leben können. Das wäre für den Dorffrieden wirklich wünschenswert. Und merke: Nicht immer ist Reden Silber und Schweigen Gold.

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