Kolbus-Gesellschafter Jörg Heitmann erklärt den Geschäftsführer-Wechsel
»Firma soll verjüngt in Zukunft gehen«

Rahden (WB). Welche Ursachen und Auswirkungen hat der Geschäftsführer-Wechsel bei der Kolbus GmbH und Co KG in Rahden und wie geht es weiter? Seit Freitag hatte sich das Unternehmen unter der Leitung des neuen Geschäftsführers Wilfried Kröger in Schweigen gehüllt.

Dienstag, 05.02.2019, 02:00 Uhr
Das Verwaltungsgebäude von Kolbus an der Osnabrücker Straße. Dort ist auch Müller-Martini untergebracht. Foto: Michael Nichau
Das Verwaltungsgebäude von Kolbus an der Osnabrücker Straße. Dort ist auch Müller-Martini untergebracht. Foto: Michael Nichau

Am Donnerstag verkündete die Marketingabteilung des Rahdener Unternehmens per knapper Pressemitteilung, dass sich Kolbus vom bisherigen und langjährigen Geschäftsführer Kai Büntemeyer getrennt habe. Was steckt dahinter? Die Rahdener Zeitung hatte gestern Gelegenheit zu einem Gespräch mit Kolbus-Gesellschafter Jörg Heitmann aus Berlin.

Einvernehmlich

»Natürlich gibt es immer Beweggründe für solch einen Wechsel in der Geschäftsführung«, sagte er. »Aber in diesem Fall ist absolut keine schmutzige Wäsche zu waschen«, erläuterte der Gesellschafter, der im Beirat mit zur Trennung von Kai Büntemeyer beigetragen hatte.

»Büntemeyer ist seit 28 Jahren im Unternehmen und seit 25 Jahren in der Geschäftsführung. Alles, was bisher an Lob anklang, sind keine Floskeln, sondern 100 Prozent echte Würdigung seiner Leistungen«, sagte Heitmann.

Veränderungen geplant

Es gebe aber fundamentale Veränderungen im Unternehmen. Kolbus hatte vor fast genau einem Jahr den Buchbindemaschinensektor an das Schweizer Unternehmen Müller-Martini abgegeben. Behalten wurde die Sparte Verpackungsmaschinenbau und die Fertigung von Buchdeckenmaschinen.

Tradition bringt Nutzen

»Das hat seine Bewandtnis: Buchdeckenmaschinen waren der Ursprung von Kolbus. Sie bilden keine Konkurrenz zum Angebot von Müller-Martini, sondern ergänzen die Möglichkeiten der Verpackungsmaschinen. Damit kann etwa Pappe mit Leder oder Stoff bezogen werden«, machte Heitmann deutlich.

»Keiner braucht derzeit Sorge um die Rahdener Firma zu haben«, verspricht der Gesellschafter. Garantien gebe es aber keine, da letztlich die künftige Entwicklung in diesem Sektor auch von der Konjunktur abhänge. Das wäre Kaffeesatz-Lesen. »Wir sind aktuell bei Überlegungen, wie die weitere Ausrichtung der Firma ablaufen soll«, sagte Heitmann.

Nicht ungewöhnlich

Ein Wechsel in der Geschäftsführerposition sei eigentlich nichts Ungewöhnliches, meinte er. Büntemeyer habe einen anderen Schwerpunkt im grafischen Sektor gehabt. Jetzt gehe es um den Verpackungssektor und die Komponentenfertigung für andere Unternehmen im Inland.

Kenner des Unternehmens

»Vor diesem Hintergrund ist ein Wechsel sinnvoll«, machte Heitmann deutlich. Man habe sich dazu entschlossen, mit Wilfried Kröger einen »Kenner des Unternehmens von der Pike auf« einzusetzen. Kröger sei zwar mit 58 Jahren der selbe Jahrgang wie Büntemeyer, jedoch sei es seine Aufgabe, »in den kommenden drei bis fünf Jahren eine neue, junge Geschäftsführung zu etablieren«.

»Er ist die Konstante in diesen Prozess. Bewusst haben wir keinen Außenstehenden geholt. Diesen Fehler haben wir Mitte der 90-er Jahre schon einmal gemacht.«

Verluste ausgeglichen

»Ja, Kolbus hat in manchen Jahren Verluste geschrieben«, gab Jörg Heitmann zu. Mit dem Verkauf des Buchbindemaschinensektors habe man dies jedoch ausgleichen können. »Deswegen sind wir ja auch aus der Sparte rausgegangen und haben Müller-Martini zum Weltmarktführer gemacht. Es ist jetzt Geld für den Kurswechsel vorhanden. Wir sehen unsere Zukunft im Verpackungs-Bereich«, erläuterte der Gesellschafter. Neuere Zahlen über das Unternehmen würden bald veröffentlicht werden, kündigte er an.

Von dem Wechsel der Geschäftsführung erwarte man nun auch eine verbesserte Kommunikationsstruktur im Unternehmen, machte Heitmann deutlich. Dies sei ein Schwachpunkt des ehemaligen Geschäftsführers gewesen.

Ein KOMMENTAR von Michael Nichau

Offene Worte vom Kolbus-Gesellschafter Jörg Heitmann: Man wolle auf mittlere Sicht eine Verjüngung der Geschäftsführung und auch verbesserte Kommunikationsstrukturen.

Vielleicht wird ja beim heimischen Unternehmen, das vor wenigen Jahren noch Arbeitgeber von 1500 Menschen war, doch noch alles gut. War die Trennung vom Buchbindemaschinenbereich die richtige Entscheidung? Das wird die Zukunft zeigen. Doch wie sich andeutet, machen die Gesellschafter ernst mit einer neuen Unternehmenspolitik: mehr Offenheit.

Entschuldigung gab es dafür, dass seit Freitag keine Rückmeldung aus dem Unternehmen erfolgte. Man müsse Verständnis haben – angesichts des Umbruchs im Unternehmen. Angenommen! Nach dem offene Gespräch mit dieser Zeitung müssen jetzt aber die Fakten auf den Tisch. Die Geschäftsführung muss Zahlen sprechen lassen, damit die Belegschaft wieder Vertrauen fassen und die Zukunft in der Verpackungsmaschinen-Industrie angehen kann. Nach vielen Jahren ohne Lohnzuwächse erwarten die Mitarbeiter motivierende Signale.

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