Fr., 17.05.2019

So feierte die Rahdener Schützengilde in früheren Zeiten Zum Königsschießen dienstags frei

Ein Festumzug aus früheren Zeiten: Hoch zu Ross führte Major Kosynowski die Mitmarschierer beim 90-jährigen Jubiläum an.

Ein Festumzug aus früheren Zeiten: Hoch zu Ross führte Major Kosynowski die Mitmarschierer beim 90-jährigen Jubiläum an.

Rahden (WB). Vor 175 Jahren ist die Schützengilde Rahden v. 1844 e.V. gegründet worden. Die Vorbereitungen für das Jubiläumsfest und den »Umzug« aus der Innenstadt zum Haus Bohne konnten viele Rahdener in den vergangenen Wochen verfolgen.

Der Adlerstand am neuen Standort ist auf Dauer errichtet. Das Schützenfest selbst wird nicht im Zelt, sondern im renovierten Saal des Hauses Bohne gefeiert. Aus Anlass des Geburtstages warf der Chronist und frühere Major Walter Tegeler einen Blick zurück. Er schreibt: »Ebenfalls ein sehr großes Ereignis war die Jubiläumsfeier 1934, als man das 90-Jährige feierte. Als wenn vorausgeahnt wurde, dass das 100-Jährige nicht gefeiert werden konnte, wurde 1934 sehr groß und aufwändig begangen. Auch damals waren die Vorbereitungen sehr umfangreich und manchmal auch etwas kurios.

Ansturm von Mitgliedern

So muss der Mitgliederzulauf in den Wochen und Monaten vor dem Schützenfest im August 1934 enorm gewesen sein. Der Vorstand musste sogar eine neue Aufteilung der Kompanien vornehmen. So war am 11. August 1934 im Rahdener Wochenblatt zu lesen:

›Von unserer Schützengilde. Infolge zahlreicher Neuanmeldungen zur Gilde, die am 18., 19., 20. und 21. August bekanntlich ihr 90-jähriges Bestehen als Volksfest begeht, mußte eine Neueinteilung der Kompanien vorgenommen werden. Zur Aufklärung geben wir hier die Einteilung bekannt: Bataillonsführer: H. Kosynowski, Adjutant: H. zur Heide, Fahnenoffiziere: Hoppe, Möhring, Wlecke, Königsadjutanten: Becker und Wiegmann.

Neue Kompanieaufteilung

Es war viel los auf dem Schützenplatz, wenn die Rahdener Gilde feierte.

Zur 1. Kompanie gehören Stellerloh, Weherstraße, Bahnhofstraße, Markt, Welle, Tonnenheider­straße, Hundeort Stelle bezw. alle Mitglieder, die östlich dieser Linie wohnen. Führer: Ernst Zierenberg, (Feldwebel Spengemann), zugeteilt die Offiziere Langhorst, Grahl und Lange.

Zur 2. Kompanie gehören: Flachstraße, Feldstraße, Heuweg, Hohes Feld, Steinstraße, Kirchplatz, Gerichtsstraße, Brinkschmiede, Langestraße, Wehme, Kleinendorf bezw. alle Mitglieder, die westlich dieser Linie wohnen. Führer: Detering, (Feldwebel Röttger), zugeteilt die Offiziere Nobbe, Krause, Schwettmann. Zur 3. Kompanie gehören alle Schützen, die noch nicht 24 Jahre alt sind bezw. keinen eigenen Hausstand haben. Führer: Dreier, (Feldwebel W. Hohn), zugeteilt die Offiziere Diekmann, Wlecke, Braun. 4. Kompanie (Alte Garde). Führer: Heinr. Wlecke (Feldwebel Kienbaum).‹

Gibt nur einen König

Bemerkenswert ist auch die Erwähnung der 3. und 4. Kompanie (Jungschützen und Alte Garde). So hatten sich die Jungschützen erst zwei Jahre vorher organisiert und 1933 erstmals einen so genannten ›Kronprinzen‹ ausgeschossen – auf Adler. Dieses ist auch heute noch die offizielle Bezeichnung für den Jungschützenkönig. Übrigens an dieser Stelle der nicht unwichtige Hinweis des Verfassers: weil es einen Jungkönig gibt, ist der Titel des Königs nicht Altkönig. In keinem Verein gibt es laut Satzungen ein Altkönig. Es gibt nur einen König.

Alte Garde

Die Alte Garde der Gilde hatte sich kurz vor dem Schützenfest neu organisiert und als eigenständige Kompanie gegründet. Als Abteilung muss sie allerdings auch in den Jahrzehnten davor schon existent gewesen sein, da immer wieder Schützen ab einem gewissen Alter extra erwähnt wurden.

Der Major der Gilde im Jahre 1934, Heinrich Kosynowski, war übrigens der Druckereibesitzer, in der jahrzehntelang das ›Rahdener Wochenblatt‹ gedruckt wurde.

Tanzböden in Ortsmitte

Das Schützenfest 1934 dauerte vier Tage, von Samstag, 18. August, bis Dienstag, 21. August. Das Besondere am ersten Schützenfesttag war die ›Sommernachtsfeier‹ im Ort. Man könnte sagen, das ›erste Stadtfest‹ wurde gefeiert: die Ortsmitte von Kaiser bis Brune (Steinstraße, Gerichtsstraße) sowie ein Teil der Langen Straße waren für Fahrzeuge gesperrt, es spielten an jenem Samstag drei Kapellen in der Ortsmitte, die teilweise mit Tanzböden ausgelegt war. Es war das Ereignis im Amt Rahden. Und was heute auch unvorstellbar ist: das Königsschießen war am Dienstagmorgen, die Bevölkerung hatte überwiegend arbeitsfrei!«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6617611?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516046%2F