Mi., 12.06.2019

Landwirt und Imker zeigen Mais-Ersatzpflanze mit Blühfaktor Großes Interesse an der »Silphie«

Carsten Kracht (von links), Jan Hlozan und Gerda Kolkhorst zeigen die Blühpflanze »Silphie«. Der Imkertag auf dem Museumshof Rahden bot dafür den idealen Hintergrund. Viele Besucher haben Interesse gezeigt.

Carsten Kracht (von links), Jan Hlozan und Gerda Kolkhorst zeigen die Blühpflanze »Silphie«. Der Imkertag auf dem Museumshof Rahden bot dafür den idealen Hintergrund. Viele Besucher haben Interesse gezeigt. Foto: Michael Nichau

Von Michael Nichau

Rahden-Kleinendorf (WB). Der Imker- und Waschfrauentag auf dem Museumshof Rahden hat einen idealen Hintergrund geboten, um auch über die neue Mais-Ersatzpflanze »Silphie« zu informieren. Die Idee dazu hatten die Museumshof-Imker Gerda Kolkhorst und Jan Hlozan.

Sie haben sich von der Begeisterung um die bienen- und insektenfreundliche Pflanze, die von den Landwirten als Dauereinsaat für 15 bis 20 Jahre ausgebracht werden kann, anstecken lassen. »Wir müssen doch etwas für die Umwelt und die Insekten tun«, sagten sich die Hobby-Imker, denen nicht nur die eigenen, sondern auch die Wildbienen und andere Insekten am Herzen liegen.

»Zum Imkertag auf dem Museumshof wollen wir auch die Landwirte

mobilisieren«, meinte Gerda Kolkhorst. Die Ehrenamtlichen von Museumshof hatten am Deutschen Mühlentag, Pfingstmontag, den Landwirt Carsten Kracht aus Espelkamp-Vehlage eingeladen. Bei ihm steht die Silphie-Kultur jetzt bereits im dritten Jahr (ohne Mais) und ist bereits etwa 1,50 Meter hoch. »Der Mais hat bisher nur etwa 20 Zentimeter erreicht«, sagte Kracht. Er habe gute Erfahrungen mit der Pflanze gemacht, die im ersten Jahr als Zwischen- beziehungsweise Untersaat unter die Maispflanzen kommt. Erst im zweiten Jahr erreicht die Silphie ihre Höhe von etwa drei Metern, bildet gelbe Blüten aus, die Sonnenblumen ähneln.

Und: »Sie blüht vier Monate lang von Juni bis September und bietet Insekten Nahrung und Lebensraum«, berichtet der Landwirt, der die Pflanzen vor allem für die Herstellung von Silagefutter für Rinder und Schweine nutzt. Sie ist allerdings vorrangig als Maisersatzpflanze für die Nutzung in Biogasanlagen entwickelt worden, erläutert Kracht gemeinsam mit den Imkern vom Museumshof. Er habe die Pflanze auf etwa eineinhalb Hektar ausgebracht.

»Viele Landwirts-Kollegen sagen, die Aussaat sei mit etwa 2000 Euro pro Hektar zu teuer. Die Erträge – auch als Futter – können sich aber sehen lassen«, bestätigt er. Außerdem sei die Pflanze für die schon genannte lange Lebensdauer ausgelegt.

Ein weiterer Vorteil: Zudem sei die Silphie dürre- und niederschlagsbeständig: »Sie rollt die Blätter ein, wenn es zu trocken wird. Regnet es, sammeln die Blätter der so genannten »Becherpflanze« die Feuchtigkeit und leiten ihn an die Stängel weiter, wo sie aufgenommen wird«, erläutert Kracht.

Die weiteren positiven Aspekte: Die Pflanze binde CO 2, Ökostrom lasse sich in Biogasanlagen erzeugen und die Kulturen würden ein Biotop für Bienen und andere Insekten bilden. Zudem sei die Silphie mit dem Faktor 1,2 – für alle interessierten Landwirte – für das Greening anerkannt.

»Umweltschutzmäßig ist dies der Renner«, sagt der junge Landwirt aus Espelkamp. Die Pflanze brauche lediglich eine Grunddüngung mit Mist, Gülle oder Mineraldünger. »Auch so kann etwas für den Schutz des Grundwassers getan werden«, meint er. Der Nachteil sei bisher noch der Preis für die Aussaat, die die Firma aus Ostrach, die dass Alleinvermarktungsrecht der von ihr entwickelten Samen habe, auch selbst vornehme.

Doch nicht nur um Bienen und Blüten ging es beim Mühlentag auf dem Museumshof. Gut besucht war die Veranstaltung mit knapp 1200 Gästen. Stündlich wurde die Rossmühle mit Pferden im Betrieb gezeigt. Eine Attraktion für die ganze Familie, wie auch die Kutschfahrten.

Gleich nebenan zeigten die

um die ehemalige Leiterin des Museumshofes, Magdalene Kottenbrink, wie man in früheren Zeiten mühevoll gewaschen, getrocknet und in der Sonne gebleicht hat. Leinen war das Textilmaterial, das in jener Zeit benutzt worden war. So ein Hemd wurde immer wieder geflickt«, erläuterte Kottenbrink. »Erst wenn es mit den Flicken über zwei Kilogramm wog, wurde es aussortiert und als Putzlappen verwendet«, schilderte sie das Leben in den schweren Zeiten der Vorfahren.

Wie schwer die Arbeit war, konnten die Besucher gleich neben dem idyllischen Bauerngarten ausprobieren. Die meisten Gäste gaben nach dem fünften Wäschestampfen auf. Doch dann bot sich ja Gelegenheit, sich an den zahlreichen Ständen mit Essen, Trinken und vor Ort gebackenem Kuchen zu stärken.

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