Stadt möchte bei Tourismus und Naherholung mit anderen Kommunen kooperieren
Mit Nachbarn noch viel stärker

Rahden (WB). »Rahden – erleben« soll noch attraktiver werden. Dr. Heike Glatzel, Mitarbeiterin des Büros Futour aus München, hat im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung Möglichkeiten dafür vorgestellt. Naherholung und Tourismus waren unter anderem Thema dieser Machbarkeits- und Potenzialanalyse.

Mittwoch, 10.07.2019, 03:08 Uhr aktualisiert: 10.07.2019, 03:30 Uhr
Der Schwerpunkt der Radwege liegt um den Museumshof. Von dort soll es Anbindungen zu anderen Touren geben. Querungen der Lemförder Straße auf Höhe »Am Hopfengarten«/ »Im Dieke« hält Heike Glatzel für zwingend notwendig. Foto: Merve Kehlbeck
Der Schwerpunkt der Radwege liegt um den Museumshof. Von dort soll es Anbindungen zu anderen Touren geben. Querungen der Lemförder Straße auf Höhe »Am Hopfengarten«/ »Im Dieke« hält Heike Glatzel für zwingend notwendig. Foto: Merve Kehlbeck

Glatzel gliederte ihre Präsentation in die Punkte: Radfahrparadies, Natur – aktiv, Geschichte – Heimat – Tradition, Kunst – Kultur – Landleben, Übernachtung und Gastronomie, Information und Marketing, Kooperation – horizontal und vertikal. Sie riet dazu, den Focus noch stärker auf den Fahrradtourismus zu legen, unter anderem den Radius auszudehnen und ein »Fahrradparadies« zu schaffen. Das Motto könnte lauten »Fahrra(h)den«.

Kanufahrten

Spannend fand Glatzel gar das Thema unter dem Oberpunkt »Natur aktiv – Naherholung auf die sanfte Art«, nämlich die Einbeziehung von Bereichen entlang der Großen Aue, ja sogar des Flusses selbst. Denn vorstellen könne sie sich auch Kanufahrten auf der Aue, Wasserspiele für Kinder und eine Obstwiese nannte sie Beispiele. Die Vogelbeobachtung bezeichnete Glatzel sogar als »Wahnsinnstrend«. Allerdings wies sie ausdrücklich darauf hin, dass – um Fußgängern und Radlern dieses »Erlebnis Rahden« – gefahrlos bieten zu können, eine Fußgängerampel an der B 239/Am Freibad zwingend erforderlich sei. »Die Querung ist sehr gefährlich«, warnte die Expertin. Eine Meinung, die auch Bürgermeister Dr. Bert Honsel, Bauamtsleiter Dieter Drunagel und die Stadtmarketingbeauftragte Irina-Jasmin Hanke teilen. »Fußgänger schaffen es oft nur im Laufschritt über die viel befahrene Straße«, sagte Honsel im Gespräch mit dieser Zeitung. »Wir werden mit dem zuständigen Betrieb ›Straßen NRW‹ Möglichkeiten zur Realisierung einer Ampelanlage erörtern.«

Im Einklang mit der Natur

Und: »Natürlich müssen im Gebiet Große Aue alle Maßnahmen mit der Natur verträglich sein. Deshalb führen wir intensive Gespräche«, versichern Honsel, Drunagel und Hanke. Mit im Boot sind Bezirksregierung, Biologische Station und Wasserverband Große Aue. Fragen wie »Welche Wege dürfen zum Spazierengehen, Laufen oder Radeln genutzt werden?«, wollen wir mit den Naturschützern klären«, betont Honsel. Und Irina-Jasmin Hanke zweifelt daran, ob Kanufahrten tatsächlich auf der Aue möglich werden. Ob die Naturschützer die Nutzung des Wassers zulassen, beurteilt sie pessimistischer. »Wir wollen durch die Maßnahmen den Tourismus stärken, aber auch die Naherholung für die Rahdener Bevölkerung spielt für uns eine bedeutende Rolle. Naherholung ist ein wichtiger weicher Standortfaktor«, gibt Dieter Drunagel zu bedenken. Für alle drei steht fest, dass der Museumshof mit der Burgruine als Kulisse Dreh- und Angelpunkt für die Planungen sein sollte. Von dort solle man die Besucher führen und dazu auch Schilder nutzen.

Spannende Ausflugsziele

Und ganz wichtig: Touristen sollten sich den ganzen Tag in Rahden und Umgebung aufhalten können. »Wir wollen uns deshalb nicht auf Rahden als Ziel alleine konzentrieren, sondern die Nachbarkommunen mit ins Boot holen. Wir können alle voneinander profitieren und den Touristen gemeinsam mehr Attraktionen und Unterhaltung bieten. Der Beitritt in die Tourismusregion Dümmerweserland sei der richtige Schritt gewesen. »Es gibt so spannende Ausflugsziele in der Region wie den Tierpark Ströhen, Dümmer, Auesee«, nennt Honsel Beispiele. Ein bedeutender Baustein für das Konzept sind auch Wohnmobile und nicht zu vergessen: die Draisinenstrecke. »Für die brauchen wir ein starkes Marketing«, sagt Hanke. Das funktioniere leider im Moment nicht so gut. Die Stadt könne sich einen neuen Partner vorstellen und suche einen Nachfolger. Der jetzige Betreiber stehe diesen Pläne offen gegenüber.

Spezialitäten

Auch weitere Ideen von Heike Glatzel stoßen bei Honsel, Drunagel und Hanke auf Gegenliebe. Dazu gehört das Storytelling und die stärkere Präsentation von regionalen kulinarischen Spezialitäten wie Pickert oder Schwarten.

Da könnte sich Glatzel sogar einen Wettbewerb der Dörfer vorstellen »Wer macht den besten Schwarten?« Weitere Themen sollen weitergeführt werden wie der Mittelalterliche Markt, der in diesem Jahr 3356 Besucher auf den Museumshof lockte. Auch Midsommer hätte viele Fans.

Um das alles zu kommunizieren, soll ein Flyer Touristen informieren. Natur, Geschichte, Heimat und Traditionen – damit sollte es gelingen mehr Besucher zu locken.

Mehr Personal

Und daran ließ Heike Glatzel keinen Zweifel: »Für dieses Aufgabenfeld muss das Personal im Rathaus aufgestockt werden.« Im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sieht Glatzel einen starken kompetenten Ansprechpartner auch wenn es um das Auftreiben von Fördermittel geht. Also riet sie dazu, jetzt einen Fahrplan zu machen. Und: Wichtig sei, dass man das Thema Große Aue angehe und sich ab Herbst regelmäßig mit den Nachbarkommunen austausche.

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