Di., 20.08.2019

Sicherheit geht vor: Kreisverwaltung nimmt Rückschnitte und Fällungen vor Klimawandel schädigt Straßenbäume

Olaf Halbe, Beatrix Aden und Beatrix Wallberg an einer Kreisstraße. Die Birke im Hintergrund ist komplett vertrocknet.

Olaf Halbe, Beatrix Aden und Beatrix Wallberg an einer Kreisstraße. Die Birke im Hintergrund ist komplett vertrocknet. Foto: Michael Nichau

Von Michael Nichau

Varlheide/Kreis Minden-Lübbecke (WB). Die Folgen des Klimawandels sind auch im Kreisgebiet nicht zu übersehen. Beatrix Aden, Leiterin des Bau- und Planungsamtes der Kreises Minden-Lübbecke, Dr. Beatrix Wallberg (Umweltamt) und Olaf Halbe (Kreis-Bauhof) haben gestern am Bauhof-Standort in Varlheide eine erste Bilanz des Trockensommers gezogen.

»Wir haben überall viele vertrocknete Straßenbäume und auch in Minden im Bereich von Rad- und Fußwegen in der Innenstadt ist es schon dazu gekommen, dass Äste vertrockneter Bäume auf die Wege gefallen sind«, erklärt Beatrix Aden. Sie wirbt um Verständnis dafür, dass der Kreis Minden-Lübbecke aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht schon in den kommenden Wochen starke Rückschnitte an den Bäumen durchführen wird.

Komplette Fällungen

»Das ist jetzt dringend erforderlich. Bei manchen Birken und Ahornbäumen an den Straßen werden sich auch komplette Fällungen nicht vermeiden lassen«, spricht sie besonders eine Birkenallee in Petershagen an. »Die wird wohl weichen müssen. Ausgleichspflanzungen sind aber vorgesehen«, sagte die Bauamts-Leiterin.

»Wenn wir Bäume schneiden oder die Banketten mähen, werden wir kritisch beäugt und teilweise sogar beschimpft«, sagt Olaf Halbe, der mit seinem Team vor Ort die Arbeiten erledigt. »Wir müssen für die Radwege und Straßen die Sicherheit gewährleisten, das ist das oberste Ziel«, meint Aden.

So seien besonders am so genannten »Straßenbegleitgrün« und an den extrem trockenen Randstreifen (Banketten) die Folgen des Klimawandels zu erkennen, sagt auch die Leiterin des Kreisumweltamtes, Dr. Beatrix Wallberg. »Bäume sterben ab. Richtige Bäche – keine kleinen Rinnsale– fallen trocken, stehen auch für Bewässerung kaum noch zur Verfügung«, erläutert sie.

Sommer, Trockenheit und zunehmende Winterhochwasser seien die Zeichen für den Klimawandel. »Wir hatten in Hüllhorst durch den Niederschlag starke Erosionsschäden. Das Wasser hat ganze Hänge weggespült. Auch in Rahden hat es Starkregen gegeben. Die Temperaturen haben sich allgemein erhöht.«

Handeln erforderlich

»Und fast alle sind sich einig, dass etwas geschehen muss, denn die Niederschläge haben sich in die Wintermonate verschoben. Gleichzeitig nimmt im Sommer die Verdunstung zu. Das, was als Regen fällt, versickert und gelangt gar nicht erst an die Wurzeln«, erklärt Wallberg.

Ein weiteres Problem seien Moorböden im Bereich Stemwede-Oppenwehe und auch am Großen Torfmoor in Nettelstedt. »Dort trocknet die Moorschicht aus, auf der die Straßenbeläge aufgebracht sind. Der Torf zieht sich zusammen, Straßenteile sacken einfach ab«, erläutert Beatrix Aden das Problem mit den Asphaltschichten.

»Wir können an diesen Stellen erst mal nur ausflicken«, meint Olaf Halbe. Die Folge seien Geschwindigkeitsbegrenzungen und letztlich Baustellen und Neubauten, für die im laufenden Etat das Geld fehle.

Hellerer Asphalt

Generell denke man im Straßenneubau über hellere Straßenbeläge mit einer anderen Splittmischung im Asphalt nach. Diese würden sich nicht so stark aufheizen. »Besonders auch für Innenstädte ist dieser Belag zu empfehlen«, sagt Aden.

Dies sei mittlerweile das zweite katastrophale Jahr für die Pflanzen und Tiere.

»Die Vegetationszeit hat sich um zwei Wochen pro Jahr verlängert«, weiß die Leiterin des Umweltamtes. Lediglich Grünspecht und Wildschweine profitieren davon. »Insekten (Zecken) aus südlicheren Regionen können die Gesundheit der Bevölkerung irritieren.«

Konzepte sind gefragt

»Gleichzeitig wollen wir die Anzahl der Pflanzen- und Tierarten an den Straßenrändern erhöhen«, sagt Wallberg. Es gelte also, ein genaues Konzept aufzustellen, wie dieses Ziel trotz aller Widrigkeiten zu erreichen sei.

Auch die Kommunen im Kreisgebiet müssten sich Gedanken machen. »Stemwede ist da mit seinen Blühstandorten derzeit führend«, lobte Wallberg.

Erste Maßnahmen sind Nachpflanzungen: Etwa 150 Bäume sollen an den genannten Stellen neu gesetzt werden. »Das sind dann keine kleinen Sprösslinge, sondern richtige Bäume, die etwa 90 Euro pro Stück kosten«, weiß Bauhof-Leiter Halbe. Seine Mitarbeiter überwachen wöchentlich die Kreis-Straßen und deren Zustand. »Allein an diesem Beispiel der Nachpflanzungen wird deutlich: Das Geld reicht hinten und vorne nicht«, sagt er.

Programm neu beschließen

Abhilfe, so die beiden Amtsleitgerinnen aus dem Kreishaus, solle das neue »integrierte Klimakonzept« bringen. Dieses umfassende Programm solle in der nächsten Sitzung des Kreistages beschlossen werden.

Im Moment hoffen alle Verantwortlichen nur auf eines: Regen, damit nicht noch weitere Bäume an den Kreisstraßen und Radwegen so geschädigt werden, dass sie nicht mehr zu retten sind.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6860374?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516046%2F