Sa., 14.09.2019

Projekt an der Sekundarschule zu Gewaltherrschaft der Nazis Rahdener Jugendliche wenden sich gegen das Vergessen

Eine Schülergruppe hat Stolpersteine gesäubert.

Eine Schülergruppe hat Stolpersteine gesäubert.

Rahden (WB). Drei Tage haben sich Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Rahden dem Projekt »Wider das Vergessen« gewidmet. Anlass war der 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges.

Im Focus stand der Holocaust und die millionenfache Vernichtung jüdischen Lebens sowie das jüdische Leben in Rahden. »Die Sekundarschule knüpft damit an Vorhaben der Haupt- und Realschule an. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich intensiv mit dem Geschichtswerkstattheft ›Sie lebten mitten unter uns – Spurensuche der Juden in Rahden‹. Dazu gehört auch die enge Kooperation mit dem Arbeitskreis ›Jüdisches Leben in Rahden‹«, heißt von der Bildungseinrichtung.

Fünf Klassen nahmen teil

Die Teilnehmer haben sich auf den Weg gemacht und sich mit Hilfe ihrer Lehrerinnen und Lehrer im Fach Gesellschaftslehre dem Thema Nationalsozialismus angenähert, den Lehrplan abgearbeitet und sich Orten angenähert, an denen sie leben, die ihr Zuhause sind. Auch die Frage: »Wir haben von all dem nichts gewusst« wurde diskutiert.

An drei Projekttagen vertieften sich fünf Klassen des Jahrgangs neun auf unterschiedliche Weise in dieses Thema und arbeiteten sehr unterschiedlich an Arbeitsaufträgen und -schwerpunkten. Gemeinsam beschäftigte sich jede Klasse mit dem Film »Schindlers Liste«. »Jeder Schüler müsste diesen Film sehen, um das, was geschehen ist, zu verstehen«, kommentierte ein Schüler den Film.

KZ besichtigt

Alle Jugendlichen besuchten das ehemalige Konzentrationslager in Porta Westfalica. Dort besichtigten sie den Stollen »Dachs 1«. »Von 1944 bis 1945 ist der ›Dachs 1‹ von KZ-Häftlingen des Außenlagers Neuengamme ausgebaut worden«, erfuhren die Mädchen und Jungen.

Die Gesellschaftslehrer Marc Kruke und Katja Kampschäfer hatten den Kontakt zu dem Historiker Thomas Lange, dem Geschäftsführer des Portaner Vereins, hergestellt. Die Arbeits- und Haftbedingungen im Lager und im Stollen wurden gezeigt. Die Gruppe aus Rahden erkannte, dass »die Unmenschlichkeit der NS-Diktatur nicht irgendwo war, sie war überall und in unserer unmittelbaren Nähe«. Etwa 3000 KZ-Häftlinge waren in Porta interniert, wurden zur Arbeit in den Stollen gezwungen.

Spurensuche zuhause

Auch in Rahden finden sich Orte, gab es Ereignisse, die nicht vergessen werden dürfen. Mit besonderer Unterstützung der Arbeitskreises »Jüdisches Leben in Rahden« und dem besonderen Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter erhielten die Schüler einen für sie bisher unbekannten Einblick in das Problem der Ausgrenzung, Diskriminierung und letztendlich des nicht mehr vorhandenen jüdischen Lebens in Rahden.

Spuren der NS-Zeit, Orte des Erinnerns finden sich an ihrem Schulort, am Platz der Synagoge, an Wohnhäusern ehemals jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger, auf dem Friedhof.

Stolpersteine gesäubert

Erinnern vor Ort hieß für eine kleine Schülergruppe, Stolpersteine in Rahden zu finden und sie zu säubern. Claus-Dieter Brüning und Edith Stöver vom Arbeitskreis begleiteten die Jugendlichen und ermöglichten ihnen so eine intensive Begegnung und ein intensives Erleben: »Hier überall haben Menschen jüdischen Glaubens gelebt, sind aus Rahden frühzeitig gegangen oder wurden deportiert. Wir wussten auch nicht, dass es in Alt-Espelkamp einen Jüdischen Friedhof gibt«, räumten die Schüler ein. Bei einer Führung, geleitet von Heidi Grohnemeier und Jürgen Heimsath, konnte die Gruppe vieles über die jüdische Gemeinde und besonders über den »Ort der Stille« auf dem Jüdischen Friedhof erfahren.

200 Leute befragt

Eine weitere Gruppe, begleitet von Sigrid Lindemann, beschäftigte sich mit einzelnen jüdischen Familien und ihren Schicksalen. Die jungen Menschen waren bewegt und traurig, welches Schicksal die Menschen jüdischen Glaubens zu erdulden hatten.

Eine weitere Gruppe startete eine im Unterricht vorbereitete Fragebogenaktion zum Thema »Nationalsozialismus in Rahden – und unser Umgang mit der Thematik heute«. Befragt wurden 200 Personen und die Jugendlichen waren erstaunt über die Offenheit, die Kenntnisse und das Interesse der Befragten.

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