Fr., 11.10.2019

Rat stimmt Erwerb zu – Verwaltung führt Gespräche mit einem Architekten Stadt kauft Häuser am Kirchring

Kein schöner Anblick: Die Häuserzeile vom Kirchplatz aus. Für Nummer 4 und 6 ist eine Einzelhandelsnutzung im Gespräch.

Kein schöner Anblick: Die Häuserzeile vom Kirchplatz aus. Für Nummer 4 und 6 ist eine Einzelhandelsnutzung im Gespräch. Foto: Elke Bösch

Von Elke Bösch

Rahden (WB). Die Stadt Rahden hat die Häuser Lange Straße 4 (früher Max und Moritz), Lange Straße 6 (ehemalige Reinigung) und Lange Straße 8 (ehemals Henke) gekauft. Das hat Bürgermeister Bert Honsel am Donnerstag im Rat bestätigt. Eigentlich sollte dieser Punkt im nicht-öffentlichen Teil beraten werden, aber die FDP hatte zu Beginn der Sitzung einen Antrag zur Tagesordnung gestellt.

Fraktionschef Hans-Eckhard Meyer wollte einen Teil öffentlich beraten: »Dieses Thema ist im hohen Maße von Interesse in der Öffentlichkeit. Wir meinen, dass die Verwaltung mitteilen sollte, wie der Stand der Dinge ist, was sie bislang unternommen hat.« Zahlen dürften natürlich nicht vorgelegt werden. »Das gehört in den nicht-öffentlichen Teil.«

Öffentliche Beratung

Honsel hielt eine Aufsplittung für schwierig, aber machbar: »Wir werden – auch wenn die Namen in der Presse bereits genannt wurden – die Alteigentümer nicht benennen und nichts zu Kaufpreisen sagen«, stellte Honsel zu Beginn der Beratung klar. »Der Rat hat der Verwaltung in einer früheren Sitzung den Auftrag erteilt, diese Grundstücke zu erwerben. Das ist erfolgt, aber aufschiebend bedingt. Das heißt, wenn der Rat gleich in der nicht-öffentlichen Sitzung dem Erwerb nicht zustimmt, können wir zurücktreten.«

Gebäude mietfrei

Als einen wichtigen Grund für den Abschluss der Verträge führte der Bürgermeister an, dass die drei Objekte zurzeit alle mietfrei seien. »Diese Chance haben wir genutzt, da nicht auszuschließen gewesen war, dass keine Vermietung mehr erfolgt.« Zudem hätten die Alteigentümer deutlich gemacht, dass sie die Häuser nicht mehr nutzen und sanieren wollten.

Denkmalschutz

Alle drei Gebäude stünden unter Denkmalschutz und Dr. Barbara Pankoke vom Westfälischen Amt für Denkmalschutz habe ein gewichtiges Wort bei der Zukunft der Häuser mitzureden. »Noch steht nicht fest, ob die Gebäude ganz, teilweise oder gar nicht abgerissen werden dürfen«, erläuterte Dr. Honsel, der wie Fachbereichsleiter Dieter Drunagel auf die Förderungen für die Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden hinwies.

»Der Erwerb durch die Stadt ist ein Zwischenschritt und bildet die Grundlage für die Erarbeitung eines Sanierungs- und Nutzungskonzeptes in Abstimmung mit dem Denkmalschutz und potenziellen Mietern. In den nächsten Wochen und Monaten wird die Stadt Rahden dieses Konzept erarbeiten und sich um Investoren bemühen. »Es ist das Ziel in Politik und Verwaltung, das stadtbildprägende Gesicht des Kirchrings auch in Bezug auf die Gebäude 4, 6 und 8 unter Beachtung des Denkmalschutzes ›aufzuhübschen‹ und damit die Innenstadt von Rahden attraktiver zu gestalten«, hieß es am Freitag in einer Presseerklärung von Bürgermeister Dr. Bert Honsel.

Kritik von der FDP

Hans-Eckhard Meyer warf ein, bezüglich der Beauftragung der Verwaltung durch den Rat anderer Meinung zu sein. »Wir haben nicht den Auftrag zum Erwerb, sondern nur zu Verhandlungen mit den Alteigentümer gegeben. Uns wäre es lieber gewesen, die Verwaltung hätte zuerst ein Konzept vorgelegt. Die FDP-Fraktion vermisst die Baukostenberechnung und die Berechnung der Rentabilität der Gebäude. Wenn es beim Denkmalschutz bleibt, dann muss im Bestand saniert werden. Wir befürchten, die Kosten könnten davon rennen und es zu einer negativen Rendite kommen. Selbst wenn wir eine Nachnutzung gefunden haben, bleibt die Miete limitiert.« Und auch die Erwerbsnebenkosten brachte Meyer ins Spiel: »Das sind ungefähr zehn Prozent vom Kaufpreis. Sie setzen sich aus Grunderwerbskosten, Notargebühren und Kosten für die Grundbuchumschreibung zusammen«, informierte Hans-Eckhard Meyer. »Muss sie ein potenzieller neuer Investor übernehmen?«

Große Chance

Nach intensiver Beratung in der Fraktion signalisierte SDP-Fraktionschefin Dorothee Brandt zwar grundsätzlich mehrheitliche Zustimmung, »aber mit keinem guten Gefühl.« Ein gutes Gefühl hatte Guido Peitsmeier. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion: »Wir sehen kein Risiko, sondern eine große Chance.« »Die UfR war immer dafür, dass die Stadt die Vermarktung der Gebäude am Kirchring übernimmt«, betonte Gundel Schmidt-Tschech.

Inzwischen steht das Ergebnis der Abstimmung fest. Da sie nicht öffentlich erfolgte, bleibt das genaue Ergebnis ein Geheimnis, aber in der öffentlich geführten Diskussion zeichnete sich bereits zwar keine Einstimmigkeit ab, jedoch ein mehrheitlicher Zuspruch für den Erwerb.

Architekt mit im Boot

»Jetzt werden die Gespräche mit einem Architekten weitergeführt und es wird am Konzept gefeilt. Außerdem soll auch nach Investoren gesucht werden. Was mit dem Denkmalschutz passiert, müssen wir noch abwarten. Ein Bauhistoriker war zwar vor Ort, aber der Techniker kommt noch. Als Eigentümer hat die Stadt jetzt eine stärkere Position. Nächste Woche wird zum Beispiel aus Gründen der Verkehrssicherung die Standsicherheit des Hauses Nummer 4 überprüft«, sagte Bürgermeister Honsel am Freitag auf Nachfrage dieser Zeitung.

Kommentar

Es ist vollbracht: Natürlich ist der Kauf der drei Häuser mit Risiken verbunden. Aber was hätte die Stadt denn tun sollen? Abwarten und verfallen lassen, bis die Dachziegeln auf die Straße »segeln«? Das wäre wohl kaum im Sinne der meisten Bürger gewesen, die sich diesen Schandfleck – wie der Bürgermeister die Gebäude zurecht bezeichnet – mitten in der Innenstadt weg wünschen. Und wenn es tatsächlich klappt mit der angestrebten Einzelhandelslösung, zudem die Eisdiele umgebaut ist, ja dann ist das doch eine Aufwertung nicht nur für den Kirchring, sondern für die Lange Straße. Und am Rande: Es war am Donnerstag die richtige Entscheidung, die Beratung zum Teil öffentlich zu führen. Denn Hans-Eckhard Meyer hatte mit dem FDP-Antrag völlig recht. Die Sanierung des Kirchringes ist eines der zurzeit ganz großen, teils auch kontroversen Themen in der Bevölkerung. Elke Bösch

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