Mi., 20.11.2019

Alt-Espelkamp-Tag: Chronikgruppe weckt Erinnerungen Von Häusern und Bewohnern

Christa Horstmann (2. von rechts ) erinnert sich gerne an die Kindheit in ihrem Elternhaus (früher Espelkamp Nr. 109), in dem sie heute wieder gemeinsam mit Tochter Christina Jostarndt (2. von links) lebt. Auch ihre Söhne Hans-Dieter Horstmann und Hartmut Horstmann haben sie zur Filmpremiere beim Alt-Espelkamp-Tag am Samstagnachmittag begleitet.

Christa Horstmann (2. von rechts ) erinnert sich gerne an die Kindheit in ihrem Elternhaus (früher Espelkamp Nr. 109), in dem sie heute wieder gemeinsam mit Tochter Christina Jostarndt (2. von links) lebt. Auch ihre Söhne Hans-Dieter Horstmann und Hartmut Horstmann haben sie zur Filmpremiere beim Alt-Espelkamp-Tag am Samstagnachmittag begleitet.

Von Charlotte Peitsmeier

Espelkamp (WB). Ein Gebäude ist mehr als nur ein Wohnort, es ist der Mittelpunkt menschlichen Lebens und erzählt oft eine ganz eigene Geschichte über seine Bewohner. Da ist etwa das Haus von Malermeister Hermann Meier, dessen Giebel er im Jahr 1976 mit einem riesigen Gemälde verzierte.

Film und Fotos

Die Mitglieder der Chronikgruppe (von links): Dieter Spreen, Egon Meier, Jürgen Heimsath, Helmut Minkoley, Margret Möller, Herbert Kummer, Heinz-Wilhelm Rehling und Willi Sander haben sich über das Interesse an dem Film gefreut. Foto: Charlotte Peitsmeier

Oder das große Fachwerkhaus, in dem einst Hausherrin Christine Hackemeier ihren 102. Geburtstag feiern konnte. Heute ist der Giebel des Hauses an der Bremer Straße überstrichen und zu dem historischen Hof in der Ratzenburger Straße gehört kein landwirtschaftlicher Betrieb mehr, der 80 Morgen Land umfasst, wie zu Christine Hackemeiers Lebzeiten. Die Erinnerungen an das Vergangene würden langsam verloren gehen – wären sie nicht von der Chronikgruppe der Dorfgemeinschaft Alt-Espelkamp zusammen getragen und in mühevoller Arbeit zu einem Film und einer Fotoausstellung verarbeitet worden.

Viele Interessierte

Beim achten »Alt-Espelkamp-Tag« im Dorfgemeinschaftshaus hat die Chronikgruppe die Ergebnisse ihrer Recherche zu dem Thema »Alt-Espelkamper Häuser und deren Bewohner im Wandel der Zeit – Teil 2« mit allen Interessierten geteilt. Mehr als 60 Alt-Espelkämper waren am Samstagnachmittag der Einladung der Chronikgruppe gefolgt. An der bis auf den letzten Platz besetzten Kaffeetafel im Dorfgemeinschaftshaus warteten alle gespannt darauf, was die Filmpremiere an neuen Erkenntnissen über den Ort, das Nachbar- oder gar das eigene Familienhaus bringen würde.

Weitere 15 Gebäude

Bereits in 2018 hatte man sich im ersten Teil Häusern der Altgemeinde gewidmet, die im Jahr 1819 erstmalig mit Hausnummern versehen wurden, indem man die Geschichte von etwa 30 Gebäuden aufarbeitete. Da das Thema auf so viel Anklang stieß und noch lange nicht ausgeschöpft war, hat sich die Chronikgruppe nun mit weiteren 15 Häusern befasst.

Aufgabenverteilung

Die Aufgaben waren dabei klar verteilt, wie Jürgen Heimsath, Sprecher der Chronikgruppe, erläuterte. »Egon Meier hat die eigentliche Recherchearbeit erledigt, Willi Sander den Film erstellt und wir haben herausgefunden, dass von uns allen Helmut Minkoley die beste Mikrofonstimme hat. So war es an ihm, den Film zu besprechen.« Um die Geschichte, die sich hinter den Häusern verbirgt, zu ergründen, war die Chronikgruppe darauf angewiesen, dass ihnen die Dorfbewohner die Tür öffneten.

Egon Meier machte Besuche

Egon Meier hatte viel Freude an den Hausbesuchen, die ihn durch die ganze Altgemeinde führten. »In einem ersten Schritt habe ich immer nach alten Fotos von Familienmitgliedern gefragt. Dann stellte ich weitere Recherchen zu Zeitungsausschnitten und alten Dokumenten an, die teilweise auf eine Zeit bis vor den Ersten Weltkrieg zurück reichten.«

Am meisten Zeit verbrachte Meier mit der Recherche zu dem alten Fachwerkhaus der Familie Hackemeier: »Etwa 50 Stunden Arbeit stecken darin. Christa Hackemeier ist 102 geworden. Bis zu ihrem Tod 1987 hat sie gewaltige Veränderungen miterlebt – unter anderem war sie dabei, als in Rahden die erste Eisenbahn fuhr.« Hackemeiers Enkelin Christa Horstmann kann sich noch gut an Schilderungen ihrer Großmutter über das Leben auf dem Hof erinnern. »Damals gehörten 80 Morgen Land dazu und es gab Knecht und Magd«, berichtete Horstmann, die im Jahr 2000 aus Holzhausen in ihr Elternhaus zurückgezogen ist. In einem Teil des Fachwerkhofes führt ihre Tochter Christine Jost­arndt heute eine Naturheilpraxis.

Große Veränderungen

Jürgen Heimsath zeigte sich fasziniert davon, wie sehr sich das Leben in den Häusern über die Jahre verändert hat: »Selbst in einer vergleichbar kurzen Zeitspanne von 50 Jahren ist der Unterschied durch technischen und gesellschaftlichen Fortschritt immens.« Er verdeutlichte dies an einem einfachen Beispiel, das die Chronikgruppe selbst betrifft. »In den 60er bis 80er Jahren gab es die Super-Acht-Filme, es folgte die VHS-Kassette und inzwischen sind wir im digitalen Zeitalter angekommen, erklärte Heimsath.

DVD kostet zwölf Euro

Die neue Technik macht sich die Chronikgruppe zu nutze. Einmal digitalisiert, lassen sich die Filme heute einfach vervielfältigen. Um die 15 DVDs zu verschiedenen Themen rund um das Leben in der Altgemeinde damals wie heute hat die Chronikgruppe bereits erstellt und damit die Erinnerungen in bewegte Bilder verwandelt. Die DVDs, darunter der neue Film, gibt es für zwölf Euro bei der Chronikgruppe.

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