Bauern verteilen vor Supermärkten Blühmischungen – Austausch mit Bürgern
Landwirte setzen sich für mehr Naturschutz ein

Lübbecke/Rahden(WB). Vier Landwirte haben sich am Freitag mit zwei Treckern vor dem Marktkauf Lübbecke positioniert, um Blühmischungen zu verteilen und mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Eine Frau kommt vom Einkaufen. „Gute Aktion“, ruft sie ihnen im Vorbeigehen zu. Christian Ostermeier muss grinsen. „Das geht runter wie Öl“, sagt der Landwirt aus Bad Holzhausen. Die meisten Reaktionen an diesem Tag sind positiv. Aber eben nicht alle.

Samstag, 18.01.2020, 06:00 Uhr
Romy und Jan Langfeld aus Espelkamp (von links) lassen sich von den Stockhauser Landwirten Benjamin Kröger, Timo Grönemeier und Wilm Treseler vor dem Marktkauf in Lübbecke über ihre Aktion informieren. Foto: Viola Willmann
Romy und Jan Langfeld aus Espelkamp (von links) lassen sich von den Stockhauser Landwirten Benjamin Kröger, Timo Grönemeier und Wilm Treseler vor dem Marktkauf in Lübbecke über ihre Aktion informieren. Foto: Viola Willmann

„Ein Mann ist gezielt zu uns gekommen, um uns anzugehen. Was der gesagt hat, war unterste Schublade“, berichtet Benjamin Kröger. Der 30-Jährige aus Stockhausen hat einen Ackerbau-Betrieb und ist zudem auf einem Milchviehbetrieb angestellt. Gemeinsam mit Timo Grönemeier, Wilm Treseler und Christian Ostermeier hat er am Freitag Flagge für seinen Berufsstand gezeigt.

Aktion „NRW blüht auf“ in zahlreichen Städten

Unter dem Motto „NRW blüht auf“ gab es in zahlreichen Städten Aktionen von Landwirten. Auch in Rahden haben Junglandwirte Päckchen mit Blühsamen gepackt und mit einem Info-Flugblatt versehen. Damit sind die interessierten Bürger vor dem Combi-Supermarkt beschenkt worden. Für Benjamin Kröger ging es in Lübbecke darum, mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen, um gemeinsam für mehr Naturschutz einzutreten. „Oft werden wir Landwirte für das Insektensterben verantwortlich gemacht, aber es gibt ja viel mehr Gründe. Und wir tun ja mit Blühstreifen und anderen Maßnahmen schon viel dafür, dass es den Insekten gut geht“, sagte Kröger.

Ein Rahdener Bürger lässt sich von Jannik Beckmann und Christoph Hilker aus Rahden-Sielhorst informieren.

Ein Rahdener Bürger lässt sich von Jannik Beckmann und Christoph Hilker aus Rahden-Sielhorst informieren. Foto: Michael Nichau

„Wir wollen gemeinsam mit den Bürgern für mehr Naturschutz sorgen. Es gibt einen ständigen Drang zur Perfektion im Garten mit Mährobotern und Kiesbeeten, dabei kann jeder Einzelne etwas tun.“ Die kleine Blühmischung mit Sonnenblumen, verschiedenen Kleearten und Phazelie solle ein kleiner Anfang sein.

Zustimmung fanden die Landwirte bei Günter Pöttger. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Landwirte so wenig Geld für ihre Produkte bekommen. Die Subventionen sollten gestrichen werden, aber sie sollten so viel Geld für ihre Arbeit bekommen, dass sie davon leben können“, meinte der Lübbecker, der die Blühmischung dankend annahm. „Wir lassen das Gras und die Pflanzen in unserem Garten auch mal lang und wild wachsen, so wie es die Insekten gerne haben. Ich hoffe, dass es irgendwann wieder besser wird. So wie es im Moment mit der Landwirtschaft läuft, funktioniert es nicht. Immer neue Vorschriften, daran gehen die kleinen Betriebe kaputt“, sagte Günter Pöttger.

Passanten äußern auch Kritik

Wilm Teseler kam indessen mit einem Passanten ins Gespräch, der die Landwirtschaft auch kritisierte. Er könne die Proteste verstehen, aber wenn er dann die vielen Gülle-Lkw an einem Feld stehen sehe, halte er das für übertrieben. „Das hat doch dann nichts mehr mit Öko zu tun“, sagte er. Früher habe er noch Kartoffelkäfer abgepflückt, heute würde alles gespritzt werden. „Manchmal ist mir das einfach alles zu viel.“

Bis in den Freitagabend hinein wollten die Landwirte vor dem Marktkauf Lübbecke informieren.

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