Di., 21.01.2020

Friseur Wilfried Helms erhält diamantenen Meisterbrief „Diesen Beruf nie bereut“

Ehrentag für einen bekannten Rahdener: Wilfried Helms (rechts) hat gestern den diamantenen Meisterbrief aus den Händen von Innungs-Obermeister Hartmut Vahle erhalten.

Ehrentag für einen bekannten Rahdener: Wilfried Helms (rechts) hat gestern den diamantenen Meisterbrief aus den Händen von Innungs-Obermeister Hartmut Vahle erhalten. Foto: Nichau

Von Michael Nichau

Rahden (WB). Besonders den Frauen in Rahden dürfte er noch heute ein Begriff sein: Wilfried Helms, Friseurmeister aus Rahden, hat gestern den diamantenen Meisterbrief von der Friseurinnung des Mühlenkreises erhalten. Vor 60 Jahren legte der heute 82-Jährige die Meisterprüfung in Oldenburg ab.

41 Jahre lang führte er in Rahden an der Gerichtsstraße seinen eigenen Salon, engagierte sich nebenbei ehrenamtlich in der Arbeit der Friseurinnung und rief vor Jahren das Schaufrisieren der Auszubildenden ins Leben, das heute noch fortgeführt wird.

Mit 21 Jahren stellte er sich bereits der Meisterprüfung. „Eigentlich war das Mindestalter für diese Prüfung 24 Jahre, aber in Oldenburg wurde mit entsprechenden Zeugnissen eine Ausnahme gemacht“, erzählt der Jubilar über die ersten Jahre. Damit wurde er einer der jüngsten Friseure im Kreisgebiet.

Seine Lehre trat er im renommierten Salon Grimmelmann an. Von 1952 bis 1955 war er dort in Ausbildung, blieb auch als Geselle dem Ausbildungsbetrieb zunächst treu und wechselte dann zur Fortbildung in das Damenfach im Salon Kemper in Quakenbrück. Nach einer weiteren Station als Damenfriseur im Salon Bokeloh in Lübbecke kam Helms zurück nach Rahden und konnte dort fast unmittelbar nach der Meisterprüfung (1959) im Jahr 1961 das Geschäft Kienbaum übernehmen und machte sich damit selbstständig. Ein Jahr später wurde geheiratet.

Kaum Eigenkapital

„Das kann sich heute niemand mehr vorstellen“, erzählt Helms. „Aus dem Stand und mit nur 1700 Mark an Eigenkapital startete man damals das eigene Unternehmen. „Bafög kannte damals auch noch niemand und die Fahrt nach Oldenburg wegen der Prüfung war quasi eine Weltreise. Ich hatte ja noch kein Auto.“

Doch der Friseurmeister und sein Salon wurden im Laufe der Zeit zur Institution in Rahden. Vor allem die Damen schenkten dem Meister ihr Vertrauen und ließen zu, dass er auch gewagte Frisuren verwirklichen konnte.

So erinnert sich Helms heute daran, dass er einer jungen Frau in den 60er Jahren eine asiatisch anmutende Frisur verpasst hatte. „Die Frau verließ eher skeptisch den Salon. Doch nach einigen Tagen kamen die Damen reihenweise und wollten eben diese Frisur“, erzählt er.

Arbeit nicht immer leicht

Nicht immer sei die Arbeit leicht gewesen. Immerhin habe es Wochen mit 60 Stunden Arbeitszeit gegeben. „Samstags wurde bis 18 Uhr gearbeitet.“

Doch letztlich sollte sich der Spruch seiner Mutter, die ihm in der Nachkriegszeit zu diesem Beruf geraten hatte, bewahrheiten: „Es gab für den Friseur immer genügend Brot. Wir hatten immer unser Auskommen“, spricht er für seine Frau und seine Söhne Roland und Dietrich, die allerdings beruflich andere Wege gingen.

Doch Helms hatte Gelegenheit, vielen jungen Menschen in den Beruf zu helfen. Allein 23 Friseurinnen und Friseure bildete er in der Zeit seiner Selbstständigkeit als Meister bis zum Jahr 2002 aus. 42 Mitarbeiter waren während dieser Zeit im Salon Helms tätig.

Dazu kam die ehrenamtliche Tätigkeit für die Innung: Er war unter anderem im Gesellen- und Zwischenprüfungsausschuss und bei der Förderung der Berufsbildung aktiv tätig.

Von 1975 bis 1993 übte Helms das Amt des stellvertretenden Lehrlingswartes aus. 1978 erhielt er die silberne, 1988 die goldene Ehrennadel des Zentralverbandes des deutschen Friseurhandwerks und vor zehn Jahren den goldenen Meisterbrief.

„1993 habe ich die Ehrenämter abgegeben. Ich habe ausgerechnet, dass ich für das Ehrenamt ebenso viel Zeit aufgewendet habe, wie wenn ich bei einer 40-Stunden-Woche eineinhalb Jahre gearbeitet hätte.“

„Man muss aufgeschlossen sein, wenn es um neue Trends geht. Ich habe nie bereut, diesen Beruf gewählt zu haben“, sagte Helms bei der Übergabe des Meisterbriefes.

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