Kann die Bahntrasse von Rahden in Richtung Norden reaktiviert werden?
Auf den Gleisen wächst das Kraut

Rahden (WB). Kann die Eisenbahnstrecke von Rahden aus in Richtung Norden wiederbelebt werden? Können über Sulingen nach Bassum vielleicht wieder Züge fahren? Immer wieder tauchen Mitteilungen von Interessengruppen und Bündnissen für die Eisenbahn auf, in denen es um die Vermeidung der Entwidmung von Strecken beziehungsweise die Vermeidung des Verkaufs von betreffenden Grundstücken durch die Deutsche Bahn die Rede ist.

Dienstag, 28.01.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 28.01.2020, 05:03 Uhr
Auch auf der Draisinenstrecke wächst inzwischen das Kraut auf den Gleisen. Foto: Michael Nichau
Auch auf der Draisinenstrecke wächst inzwischen das Kraut auf den Gleisen. Foto: Michael Nichau

Gerade jüngst meldete sich das Aktionsbündnis Eisenbahnstrecke Bassum – Bünde (AEEB) aus Niedersachsen zu Wort. Die Bahn habe den Verkauf der Strecke auf Eis gelegt, heißt es dort. Das teilte der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig aus Kirchdorf (Niedersachsen) in einer Presseerklärung mit. Wie er auf eine Anfrage zum aktuellen Sachstand an die Deutsche Bahn AG erfahren hat, wird der Verkauf durch das Tochterunternehmen DB Immobilien „vorerst nicht weiter“ betrieben.

Anlass für diese Entwicklung sind laut vorliegendem Antwortschreiben zum einen zahlreiche Stellungnahmen an das Eisenbahnbundesamt, die sich gegen die Freistellung und für den Erhalt der Strecke ausgesprochen haben, und zum anderen die vom DB-Vorstand beschlossene Strategie „Starke Schiene“.

„Das sind gute Nachrichten“, meint Knoerig, der sich immer dafür ausgesprochen hat, möglichst alle Optionen beim Sulinger Kreuz langfristig offenzuhalten. „Der Bund setzt im Interesse des Klimaschutzes auf den Ausbau der Bahninfrastruktur und stellt dafür immense Mittel für Investitionen bereit. So geben Bund und Bahn zusammen rund 86 Milliarden Euro für den Erhalt und die Modernisierung des Schienennetzes.“ Ursprünglich war der Verkauf des Abschnittes Bassum-Sulingen für Ende 2019 und der Verkauf des Abschnittes Varrel-Dörrieloh-Ströhen für Mitte 2020 vorgesehen. Das hatte eine vorherige Anfrage des Abgeordneten an die Deutsche Bahn AG ergeben.

Zur Zukunft der Bahnstrecke von Rahden aus in Richtung Norden und Niedersachsen wollte ein Bahnsprecher auf Anfrage dieser Zeitung keine Stellung beziehen. „Über Reaktivierungen gibt es hier keine Informationen“, hieß es von dort. Dafür sei das Verkehrsministerium zuständig. Eine entsprechende Anfrage für eine offizielle Stellungnahme von Seiten des Ministeriums wurde bisher noch nicht abgegeben.

Wohl aber gab der Bahnsprecher über den Zustand der Strecke von Rahden in Richtung Norden Auskunft: Dort wird ja derzeit ein Teil der Gleise, die nach Wagenfeld-Ströhen führen, als Draisinenstrecke genutzt. Die andere Linie benutzt die Museumsbahn für ihre Fahrten nach Uchte.

Auffällig ist der Verfall der Trassen. Und auch die Fernmeldeleitungen, die sich immer noch entlang der Strecke befinden, sind in schlechtem Zustand, sollen sogar abgebaut werden.

„Die Fernmeldeleitungen sind seit Jahren außer Betrieb. Weite Teile sind bereits abgebaut. Die restlichen Abschnitte werden ebenfalls entfernt. Einen konkreten Termin können wir heute leider noch nicht benennen“, antwortete ein Bahnsprecher.

Ein KOMMENTAR von Michael Nichau

Eine Reaktivierung der Bahntrasse von Rahden aus in Richtung Bassum scheint doch sehr unwahrscheinlich. Mehr oder weniger wächst schon wieder das Unkraut und im weiteren Verlauf in Niedersachsen sprießen auch dicke Bäume aus den Gleisen. Die Nutzung als Trasse für Museumsbahn und Draisinenstrecke (so sie denn künftig auch wieder gepflegt werden würde) ist hier doch der realistische Weg. Zumindest lassen die Kommentare des Bahn-Sprechers keinesfalls erahnen, dass hier von dieser Seite noch etwas erhalten geschweige denn aufgebaut oder aktiviert werden solle. Und auch das Verkehrsministerium scheint – wohl auch wegen der dann drohenden sehr hohen Investitionssummen – kein Interesse an einer eindeutigen Positionierung zu haben.

Dieser Zug scheint abgefahren zu sein, hat doch die Bahn auch schon Grundstücke der Trasse in Niedersachsen verkauft. Ein Rückerwerb dieser Flächen würde wohl sehr teuer werden.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7222061?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516046%2F
Geburtstagsfeier: Fast 1000 Schüler und Lehrer in Quarantäne
Nach der Familienfeier steigen die Coronazahlen weiter. Aktuell sind zehn Schulen betroffen. Foto: Bernhard Pierel
Nachrichten-Ticker