Fr., 14.02.2020

Betroffenheit in Rahden: Firma „GlasMetall“ hat Insolvenz angemeldet – mit Kommentar 150 Arbeitsplätze in Gefahr

Die noch unfertigen Hallen der Firma „GlasMetall“. Der Traum vom Verwaltungsbau aus Stahl und Glas bleibt auf dem Poster.

Die noch unfertigen Hallen der Firma „GlasMetall“. Der Traum vom Verwaltungsbau aus Stahl und Glas bleibt auf dem Poster. Foto: Nichau

Von Michael Nichau

Rahden (WB). Jetzt ist es raus: Das Rahdener Unternehmen GlasMetall GmbH hat am 12. Februar einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Mit Beschluss von diesem Tag wurde das vorläufige Insolvenzverfahren durch das Amtsgericht Bielefeld eröffnet. Das schreibt Geschäftsführer Rüdiger Wolf in einer Stellungnahme.

„Zum Insolvenzberater und Generalbevollmächtigten wurde Rechtsanwalt Dr. Yorck Tillmann Streitbörger aus Bielefeld bestellt. Sachwalter ist Dr. Holger Theurich“, heißt es in der Mitteilung. „GlasMetall beschäftigt aktuell 150 Mitarbeiter, deren Gehälter über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert sind. Der Geschäftsbetrieb wird fortgeführt“, schreibt Wolf.

Begründet liege die Insolvenz in Liquiditätsschwierigkeiten, die eine reguläre Fortführung des Unternehmens unmöglich machen würden. „Eine gute Auftragslage lässt jedoch eine erfolgreiche Fortführung des Unternehmens erwarten“, sagt der Geschäftsführer. Ziel der Insolvenz in Eigenverwaltung sei die Sanierung und Fortführung des Unternehmens in profitabler Form. Diese sei bereits in die Wege geleitet.

Das Unternehmen „GlasMetall“ konzentriert sich auf Planung, industrielle Herstellung, Vertrieb von und Handel mit Glaskonstruktionen. Erst im März 2019 erfolgte der Spatenstich für das Millionen-Projekt, einen neuen Firmensitz für das Unternehmen zu schaffen. An der Seufzerallee erwarb das Unternehmen von der Stadt Rahden ein 37.00o Quadratmeter großes Grundstück. Dort sollten zwei Fabrikationshallen und ein repräsentatives Burogebäude entstehen. Die Firma hatte auf ein neues Geschäftsfeld gesetzt: die Elektromobilität mit E-Autos und dafür notwendige Strom-Tankstellen. Ob es weitergehen wird, entscheidet der eingesetzte „vorläufige Sachwalter“ von der Anwaltskanzlei.

Zur Erinnerung: Der Kanzlei Streitbörger war es zu Beginn des Jahres 2018 gelungen, die Firma „GlasMetall“ als Investor für den damals in Insolvenz befindlichen Gewächshaushersteller Siedenburger gewinnen zu können. „GlasMetall“ mit Geschäftsführer Rüdiger Wolf hatte das Ziel, beide Unternehmen an einem neuen Firmensitz zu vereinen und auszubauen.

Als Perspektive winkten Aufträge einer niederländischen Firma, die solarbetriebene Elektro-Tankstellen für Autos installieren wollte. Dafür sollte „GlasMetall“ die Dachkonstruktionen liefern. Jetzt aber stehen auf dem Grundstück im Rahdener Gewerbegebiet Süd ein Stahlgerippe und unfertige Fertigungshallen.

Was mit den Arbeitsplätzen geschieht, ist derzeit noch unklar. Bürgermeister Dr. Bert Honsel machte deutlich: „Ich bin schockiert über die Ereignisse. Wie viele andere in Rahden hatten wir damit gerechnet, dass Glas-Metall hier Erfolge feiert“, sagte er auf Anfrage dieser Zeitung.

„Ich bedauere die Situation für die Gesellschaft und die Mitarbeiter, die vielleicht ihren Arbeitsplatz verlieren. Natürlich werden wir der Firma – auf Wunsch – die Hilfe der Stadt Rahden anbieten“, sagte Honsel. „Wir werden uns bemühen, dass das Unternehmen in Rahden bleibt und hoffen, dass es weitergeht“, meinte er.

Kritik an dem Prozedere des Grundstücksverkaufs regt sich von Seiten des SPD-Ratsherren Horst-Wilhelm Bruhn: „Wir als SPD hatten im Vorfeld des Grundstücksverkaufes an GlasMetall immer darauf gedrängt, dass die Firma eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegt“, meinte Bruhn. Dies scheine nach seinen Informationen nicht erfolgt zu sein. „Dass jetzt im Gewerbegebiet eine unfertige Industrie-Ruine steht, ist einfach eine Katastrophe für Rahden“, sagte er.

Ein Kommentar von Michael Nichau

Bei allem Trubel rund um eine Insolvenz darf man eines nicht vergessen: die Mitarbeiter.

Es steht noch nicht fest, ob und wie das Unternehmen Glas-Metall weitergeführt wird, und ob Arbeitsplätze in welcher Zahl erhalten werden können. Weitere Entscheidungen muss der Insolvenzverwalter treffen. Vielleicht gelingt eine Rettung des Unternehmens, ähnlich wie sie bei Siedenburger erfolgt ist.

Und auch bei der Rahdener Firma HIK ist eine Übernahme und eine Fortführung des Betriebes geglückt. Dort hatte sich die ehemalige Geschäftsführung (vor der Insolvenz) an die Stadt Rahden gewandt. Vielleicht ist das auch die erste Option, um eine Rettung des Unternehmens anzusteuern.

Dieser Schritt ist im Fall von Glas-Metall nicht erfolgt. Eventuell hätte man noch „etwas richten“ können?

Vielleicht war das Projekt eines Firmensitzes gemeinsam mit einem Verwaltungsbau, der doch sehr an den Windhorst-Tower erinnert, „eine Nummer zu groß“ für GlasMetall.

Wenn durch die Insolvenz tatsächlich eine Industrie-Ruine im Gewerbegebiet entstehen sollte, wäre das fatal. Vielleicht erwägt die Stadt Rahden dann eine Rückkauf-Möglichkeit für das Gelände, soweit dies rechtlich möglich wäre. Das Grundstück findet sicherlich Nachnutzer.

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