Fr., 27.03.2020

Kreislandwirte äußern Kritik am Einreiseverbot von Erntehelfern Spargelernte: „Die Natur wartet nicht“

Durch das Einreiseverbot der ausländischen Saisonkräfte fehlen diese unter anderem in der Spargelernte. Viele Landwirte bekommen dadurch massive Probleme, können ihre Ernte nicht einfahren und diese nicht verkaufen.

Durch das Einreiseverbot der ausländischen Saisonkräfte fehlen diese unter anderem in der Spargelernte. Viele Landwirte bekommen dadurch massive Probleme, können ihre Ernte nicht einfahren und diese nicht verkaufen. Foto: dpa

Rahden (WB/fs). Das vorläufige Einreiseverbot für ausländische Saisonkräfte stellt alle heimischen Sonderkulturbetriebe vor riesige Herausforderungen. Volker Schmale, stellvertretender Kreislandwirt aus Varl, fordert deshalb nun dringend, diese Regelung noch einmal zu überdenken und Alternativen zu finden.

Durch die Entscheidung des Bundesinnenministers, die Einreise von ausländischen Saisonarbeitskräften aus Drittstaaten vom vergangenen Mittwoch an vollständig zu verbieten, fehlen die Arbeitskräfte zur in Kürze beginnenden oder teils schon angelaufenen Spargelernte. „Diese Nichtplanbarkeit ist für die Höfe ein enormes Problem“, erklärt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke Rainer Meyer. „Erst hieß es, die Saisonarbeitskräfte dürfen ins Land einreisen. Unsere Betriebe haben darauf gesetzt und nun dürfen sie doch nicht kommen.“

Viele Menschen wollen freiwillig helfen

Erfreut seien die Spargel-, Erdbeer- und andere Sonderkulturbetriebe über das Angebot vieler Menschen, die Lücken, die durch die fehlenden Saisonarbeitskräfte entstanden seien, zu schließen. „Doch der Ausfall erfahrener und eingearbeiteter Kräfte in so großer Zahl lässt sich nicht ohne Weiteres folgenlos ausgleichen“, unterstreicht der Vorsitzende. Viele osteuropäische Arbeitskräfte kämen seit Jahren auf „ihre Höfe“: „Sie kennen die Arbeitsabläufe, arbeiten Vollzeit und stehen in der gesamten Saison zur Verfügung“, erläutert Meyer.

Würden wenige Vollzeitarbeitskräfte durch viele einheimische Teilzeitkräfte auf den Höfen ersetzt, sei das aus Gründen des Infektionsschutzes problematisch. Auch für die Saisonarbeitskräfte und ihren Familien, die auf das Geld angewiesen seien, bedeute es erhebliche finanzielle Einbrüche. Der Vorsitzende sagt, dass die Betriebe alles unternehmen würden, um sich auf die aktuellen Gegebenheiten einzustellen. „Sie setzen alles daran, trotz der großen Herausforderungen die Ernte auf den Feldern weiterhin sicherzustellen.“

Internationale Regelungen sollten her

Der stellvertretende Kreislandwirt Volker Schmale ergänzt zudem, dass die Regelungen, die von der Bundes- und Landesregierung zur Eindämmung des Coronavirus natürlich unterstützt werden. „Die Landwirte sind aber auch von einem funktionierenden Markt abhängig.“ Das Verbot der Einreise ausländischer Erntehelfer könnte seiner Ansicht nach zu Verwerfungen führen, die nicht zielführend seien. „Corona hat eigentlich nichts mit Grenzen zu tun. Man sollte das Problem mit den Erntehelfern internationaler angehen und eine Regelung finden“, meint Schmale.

Und eine solche Regelung sei dem stellvertretenden Kreislandwirt zufolge nun sehr schnell von Nöten. „Das Problem bei der Saisonarbeit ist auch, dass die Natur nicht anhält und darauf wartet, dass die Arbeiter kommen“, sagt Volker Schmale. Wenn keine Arbeitskräfte vor Ort seien, könne die Ernte schlichtweg nicht eingefahren und die Lebensmittel nicht verkauft werden. „Wir haben uns alle daran gewöhnt, dass Essen im Überfluss vorhanden ist. Die regionalen Landwirte müssen aber auch in solchen Krisenzeiten sicherstellen können, dass sie genügend Lebensmittel produzieren können. Und dabei muss man ihnen eben jetzt auch helfen, dass sie das gewährleisten können“, erklärt Schmale.

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