Sa., 28.03.2020

Dorothee Brandt aus Rahden muss ihr Therapiepferd Drottning abgeben Neues Zuhause dringend gesucht

Als „die Nadel im Heuhaufen“ beschreibt Dorothee Brandt aus Rahden die 13-jährige Schimmelstute Drottning. Für das Islandpferd sucht sie ein neues Zuhause mit Besitzern, die sich fachgerecht um das erkrankte Tier kümmern können.

Als „die Nadel im Heuhaufen“ beschreibt Dorothee Brandt aus Rahden die 13-jährige Schimmelstute Drottning. Für das Islandpferd sucht sie ein neues Zuhause mit Besitzern, die sich fachgerecht um das erkrankte Tier kümmern können.

Von Freya Schlottmann

Rahden (WB). „Drottning ist etwas ganz Besonderes. Sie ist die Nadel im Heuhaufen“, sagt Dorothee Brandt. Gemeint ist Brandts 13-jährige Stute. Das Pferd und sie hätten ein außergewöhnliches Verhältnis – könnten miteinander kommunizieren, erzählt die 41-Jährige. Drottning hat allerdings ein Problem. Sie ist krank und braucht viel Pflege. Weil Dorothee Brandt dem nicht mehr gerecht werden kann, sucht sie jetzt ein liebevolles neues Zuhause für ihre Schimmelstute. Auch, um sie langfristig vor dem Einschläfern zu bewahren.

„Ich habe Drottning selbst aufgezogen und sie ausgebildet“, berichtet Dorothee Brandt, die Fraktionsvorsitzende der SPD in Rahden ist. Vor etwa 12,5 Jahren hat sie das weiße Islandpferd als Fohlen bekommen und aus ihr ein wohlerzogenes und einfühlsames Pferd gemacht. Brandt hat nämlich bis 2006 eine eigene Reitschule in Levern betrieben. Zudem hat sie Pferdekommunikationswissenschaften studiert und ist somit vom Fach.

„All mein Können des Pferdeflüsterns steckt in diesem Pferd“

Bei der Pferdekommunikationswissenschaft liege der Fokus auf der Ausbildung der Tiere – vor allem auf der nonverbalen Kommunikation mit dem Pferd, die auf Vertrauen fußt, erklärt Dorothee Brandt. „Dabei entsteht eine Zwei-Wege-Kommunikation, die auf Aktion, Reaktion und dem gegenseitigen Lesen der Körpersprache basiert. Dazu nutzt der Mensch Gesten und Bewegungen, die das Pferd verstehen kann. Ebenso ‚lese‘ ich die Bewegungen des Pferdes und kann entsprechend durch Gesten und Aktionen antworten.“

Dorothee Brandt und Drottning haben durch ein intensives Training über die Jahre hinweg eine besondere Verbindung zueinander aufgebaut. „All mein Können des Pferdeflüsterns steckt in diesem Pferd“, sagt die 41-Jährige. Drottning sei dadurch ein sehr ausgeglichenes Pferd geworden. „Sie ruht in sich selbst“, sagt Brandt, die mittlerweile Leiterin der Offenen Ganztagsbetreuung an der Regenbogengrundschule in Lübbecke ist.

Drottning ist ein tierischer Lehrer für Menschen jeden Alters

Weil die Stute eben diese Eigenschaften besitze, könne sie besonders gut als Therapiepferd eingesetzt werden. „Schwerpunktmäßig habe ich Drottning als tierischen Lehrer benutzt, um Menschen jeden Alters ihre eigene Körpersprache bewusst zu machen. Viele Kinder und auch Menschen mit Behinderung haben große Freude mit Drottning gehabt und im Umgang mit ihr viel gelernt“, sagt Brandt.

Obwohl sie ihr Pferd über alles liebe, könne sie sich doch nicht weiter um es kümmern, erzählt Dorothee Brandt. Der Grund dafür sei weniger ein finanzieller oder zeitlicher, sondern ein emotionaler. Denn Drottning leidet seit einiger Zeit an einer so genannten Hufrehe, einer chronischen Erkrankung, die entzündliche Prozesse im Huf des Tieres hervorruft. „Dabei senkt sich der letzte Knochen im Huf ab. Im schlimmsten Fall kann dieser dann durch die Hufsohle brechen“, erklärt die 41-Jährige. Sollte es dazu kommen, müsste das Tier eingeschläfert werden.

Das Pferd einzuschläfern wäre verfrüht

Im Jahr 2018 sind Dorothee Brandt und Drottning noch über Felder geritten. Leichte Personen dürfen das auch weiterhin tun.

„Aber es ist bei Drottning noch nicht so weit fortgeschritten und es gibt auch noch die Hoffnung, den Entzündungsprozess zum Stillstand zu bringen“, erklärt sie weiter. Um das zu erreichen, hat Dorothee Brandt bereits viel ausprobiert und arbeitet mit einem Tierarzt gemeinsam an einer Lösung. „Ich stoße mittlerweile aber an meine emotionalen Grenzen“, sagt die Rahdenerin. Zu sehen, dass ihr geliebtes Pferd Schmerzen habe, könne sie nicht mehr aushalten. „Ich kann die notwendige Distanz nicht mehr aufbauen. Sie mit Schmerzen zu sehen belastet mich emotional zu sehr“, sagt Dorothee Brandt.

Drottning deshalb einfach einzuschläfern, sei aber nicht der richtige Weg, meint sie. Denn die Stute sei noch nicht in einem Alter, in dem man einfach aufgebe. „Pferde können schließlich zwischen 30 und 40 Jahre alt werden.“ Zudem sei Drottning auch nach wie vor lebensfroh und in der Lage, beispielsweise als Therapiepferd zu arbeiten, wie sie es zusammen mit Dorothee Brandt bereits viele Jahre gemacht hat. Geritten werden dürfe die Stute allerdings nur noch von leichten Personen, um sie nicht zu stark zu belasten.

Neue Besitzer sollten Pferdekenner sein

Einen Versuch, Drottning ein neues Zuhause zu ermöglichen, hat die 41-Jährige bereits gestartet. Vor drei Monaten hat sie die Stute an eine Frau verkauft, die sich fachgerecht um sie kümmern wollte. „Leider kann sie das aber aus privaten Gründen nicht weiter machen“, sagt Dorothee Brandt. Bei dem Verkauf hat sie einen so genannten Schutzvertrag aufsetzen lassen. Dieser sieht vor, dass Drottning nicht ohne ihre Zustimmung eingeschläfert, mit ihr gezüchtet oder sie erneut verkauft werden darf. „Ich könnte sie theoretisch zurückfordern, aber damit wäre ihr ja nicht geholfen.“

Deshalb versucht Dorothee Brandt nun alles, um für ihre Stute in einem erneuten Anlauf endlich den richtigen Besitzer zu finden, der Drottning gerecht werden kann. „Es ist wichtig, dass sich der neue Besitzer mit Pferden auskennt. Die Versorgung bedarf eines gewissen Pferdeverstandes“, sagt die 41-Jährige. Zudem müsse die Stute regelmäßig von einem Tierarzt untersucht und auf Diät gehalten werden. „Die Belohnungsmöhre zwischendurch ist leider verboten“, ergänzt sie.

Derzeit steht Drottning auf einem Hof in Bad Essen. „Sie kann aber natürlich auch woanders stehen. Ich möchte nur wissen, dass sie in gute Hände kommt“, sagt die Rahdenerin. Wer Drottning ein neues Zuhause bieten möchte, kann sich bei Dorothee Brandt unter Telefon 0175/4618905 melden. „Ich werde dann den Kontakt zur derzeitigen Besitzerin vermitteln“, erklärt sie.

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