77-Jährige Heidi Seidel aus Rahden ist seit 50 Jahren als Sport-Übungsleiterin tätig
Sie hält sich mit dem Ehrenamt fit

Rahden/Espelkamp (WB). Ein halbes Jahrhundert ist Heidi Seidel in Sachen Sport ehrenamtlich aktiv, davon seit mehr als 40 Jahren am Ludwig-Steil-Hof in Espelkamp und seit 20 Jahren in dessen Tagespflege. „Als ich meinen elfjährigen Sohn zum Sport anmelden wollte, fehlte dort ein Übungsleiter. Ich bin eingesprungen, habe den Übungsleiter-Schein gemacht und bin seitdem beim Sport geblieben“, erzählt die ehemalige Verwaltungsangestellte von ihren Anfängen.

Sonntag, 19.04.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 19.04.2020, 10:00 Uhr
Anregend und bewegungsfördernd: Heidi Seidel arbeitet mit Klangstäben und macht vor, wie es geht. Foto: LSH/Kapries
Anregend und bewegungsfördernd: Heidi Seidel arbeitet mit Klangstäben und macht vor, wie es geht. Foto: LSH/Kapries

Wenn die 77-Jährige sich den Sportgruppen vorstellt, öffnet sie mit ihrer gewinnenden und optimistischen Art sogleich alle Herzen. Neben der körperlichen will sie auch die geistige Fitness fördern. „Ich bereite mich auf jede einzelne Stunde neu vor“, erklärt sie. „Gerne stelle ich dabei alles unter ein Thema.“

„Zuhören ist oft das Wichtigste“

„Möchten Sie da gerne sein?“ Heidi Seidel zeigt jedem das Foto eines sturmumtosten Leuchtturms.

„Möchten Sie da gerne sein?“ Heidi Seidel zeigt jedem das Foto eines sturmumtosten Leuchtturms. Foto: LSH/Kapries

In der Tagespflege im Grünen geht es heute stürmisch zu. Neben Gymnastik zur Musik und Rhythmusübungen mit Klangstäben und durch Klatschen reicht Heidi Seidel auch ein großes Foto herum. Darauf ist ein Leuchtturm in sturmumtoster See zu sehen. Die Übungsleiterin geht damit im Kreis umher und fragt jeden einzelnen Gast: „Möchten Sie dort gerne sein?“ Die Reaktion ist erstaunlich. Außer Ja und Nein beginnen die Menschen zu erzählen, was sie schon einmal am Meer erlebt haben oder welche Gedanken sie angesichts des Bildes haben. Ein Nein zieht unmittelbar die Frage nach sich: „Warum denn nicht?“ Aufmerksam lauscht Heidi Seidel den Antworten der Gruppenteilnehmer. So zeigt und weckt sie Interesse. „Zuhören ist oft das Wichtigste“, meint die 77-Jährige. „Oft kommen nachher noch Menschen zu mir, um mir etwas zu erzählen. Ihnen fehlt meistens jemand, der ihnen mal zuhört.“

Neben der körperlichen fördert Heidi Seidel auch die geistige Fitness. Erstaunlich ist die Fülle an Möglichkeiten, die sie zum Wortfeld Sturm präsentiert. Sie fragt nach der Bedeutung von stürmischer Mensch, großer und kleiner Sturmhaube, sturmfreier Bude, Sturm und Drang, den Stürmen des Leben, Sätzen wie „das Barometer steht auf Sturm“ oder „Sturm im Wasserglas“. Eifrig machen alle Vorschläge, mancher lernt noch etwas Neues hinzu, jeder kann mitmachen. Die Übungsleiterin entwickelt gerne auch ein Jahresthema; Im Augenblick bereitet sie sich auf Beethoven vor. Nebenbei ist Heidi Seidel noch für andere Gruppen tätig und unterrichtet in einem Bildungswerk und bei der Volkshochschule. Für sie ist das Ehrenamt mittlerweile ein Vollzeit-Job. „Einer, der mich selbst fit hält“, ergänzt sie.

Zur Zeit warten alle darauf, dass die Tagespflege wieder ihren Betrieb aufnimmt. Darauf freuen sich Heidi Seidel und die Gäste.

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