Nach Lockerung der Corona-Auflagen: Neustart wird in Rahden vorbereitet
Honsel fordert klare Richtlinien

Rahden (WB). Die gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie in Deutschland verhängten Kontaktbeschränkungen sollen grundsätzlich bis mindestens 3. Mai verlängert werden. Zugleich vereinbarten Bund und Länder am Mittwoch eine vorsichtige Lockerung der Einschränkungen des täglichen Lebens , die auch in Rahden begrüßt wurde.

Freitag, 17.04.2020, 06:00 Uhr
Auf große Veranstaltungen wie das Stadtfest müssen die Rahdener noch einige Monate verzichten. Jedoch dürfen Einzelhändler mit einer Fläche von bis zu 800 Quadratmetern wieder öffnen. Die Schulen stehen ebenfalls in den Startlöchern. Foto: Anja Schubert
Auf große Veranstaltungen wie das Stadtfest müssen die Rahdener noch einige Monate verzichten. Jedoch dürfen Einzelhändler mit einer Fläche von bis zu 800 Quadratmetern wieder öffnen. Die Schulen stehen ebenfalls in den Startlöchern. Foto: Anja Schubert

Vertretbar

„Die Beschlüsse sind im Ganzen vertretbar. Es ist vor allem gut, dass der Einzelhandel unter Auflagen ab Montag wieder öffnen darf“, äußerte sich gestern Rahdens Bürgermeister Dr. Bert Honsel. Dies gilt unabhängig von der Verkaufsfläche auch für Kfz-Händler, Fahrradhändler und Buchhandlungen. Was man den Baumärkten im Großen in den vergangenen Wochen bereits zugestanden hat, soll nun auch in den verschiedenen Bereichen des Einzelhandels gelingen.

„Ich halte diese Entscheidung für medizinisch vertretbar, denn ich bin sicher, dass die Menschen mittlerweile für die Ansteckungsgefahr sensibilisiert sind und sich dementsprechend zivilisiert verhalten.“ Für Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche hoffe er, dass die Landesregierung ähnlich wie in anderen Bundesländern einer Teilöffnung zustimme. „Wir möchten hierfür schnellstmöglich klare Linien bekommen“, war auch Rahdens Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann (CDU) am gestrigen Tag aus dem Homeoffice um eine Entscheidung aus Düsseldorf bestrebt.

„Wir sind froh, dass es weitergeht“, äußerte sich Hartmut Hauke vom gleichnamigen Elektrofachgeschäft erleichtert. Man wolle sich mit Spuckschutz und Desinfektionsmittel auf die vorgegebenen Hygieneregeln einstellen. „Die vergangenen Wochen waren kopfmäßig sehr anstrengend“, so der Unternehmer. „Auch wenn der Werkstatt-Service, telefonische Beratung und der Online-Verkauf weitergelaufen sind – es fehlen nun mal die Haupteinnahmen aus dem Ladengeschäft. Das kann man über den Online-Verkauf nicht auffangen.“

Bürgermeister Honsel hofft, dass man aus der Landeshauptstadt zudem noch differenzierte Handreichungen in Sachen Hygiene für den Einzelhandel, Schulen sowie für das öffentliche Leben bekommt.

Die Schulen

Auch in Sachen Rückkehr in die Schulen befanden sich gestern die Bildungseinrichtungen selbst und auch die Stadt Rahden im Wartemodus. „Wir wissen noch nichts, warten jetzt auf die Schulmail von Ministerin Gebauer, die Aufschluss geben soll über das weitere Vorgehen“, so Matthias Haverkamp, Schulleiter des Rahdener Gymnasiums, am gestrigen Vormittag. „Wir wissen lediglich, dass wir ab Montag etwas vorbereiten sollen und dass es voraussichtlich ab Donnerstag mit den Abiturienten wieder losgehen soll, in welcher Art und Weise auch immer. An der Sekundarschule kommt die Schulleitung am heutigen Freitagmorgen zusammen, um sich auf die Umsetzung der Vorgaben der Landesregierung vorzubereiten.

„Eine abgestufte Rückkehr in die Schulen ist vor allem auch vor dem medizinischen Hintergrund zu befürworten“, betonte Bert Honsel. Doch viele Fragen stünden bis dahin im Raum, für die es derzeit noch keine Lösung gebe. „Angesichts der in den vergangenen Jahren immer größer gewordenen Schülerzahlen in den Klassen sitzen die Schüler im Unterricht dicht an dicht. Da ist an Mindestabstand und Kontaktvermeidung schwerlich zu denken“, ist sich Honsel der Gefahr bewusst, dass die Schüler selbst durch das Virus zwar weniger gefährdet seien, jedoch als Überträger durchaus die Zahl der Infizierten im familiären Umfeld drastischer ansteigen lassen könnten.

Gleiches gelte für die Ausgestaltung des Busverkehrs. „Auch da haben wir auf die Fragen Abstand und Hygiene bisher noch keine Antwort und hoffen, dass uns die Beschlüsse und Richtlinien aus Düsseldorf Konkretisierungen bringen.“ Eines konnte Honsel jedoch klar sagen: „Bevor der Unterricht wieder losgeht, werden alle Schulen desinfiziert und einer Grundreinigung unterzogen.“

Probleme

Auch die verlängerte Schließung der Kindergärten bei sich langsam wieder öffnender Berufswelt sei ein Problem, für das man noch keinen Lösungsansatz habe.

Mit Blick auf das öffentliche Leben befürworte er die Entscheidung, dass Großveranstaltungen bis Ende August nicht erlaubt seien. „Das müssen wir akzeptieren. Die Schützenvereine haben bereits mit der Absage erster Schützenfeste vor diesem Beschluss Verständnis demonstriert.“

Bedauerlich sei es, dass hinsichtlich des Vereinssports bisher keine Differenzierung vorgenommen worden sei. „Sportarten wie Leichtathletik, Badminton oder Tennis, die auf Abstand ausgeübt werden können, sollten erlaubt werden. Auch über den Reha-Sport-Bereich der Vereine sollte man sich Gedanken machen.“

Fraglich ist ab wann Museen und Zoos wieder öffnen dürfen. Sobald die Erlaubnis da sei, könne er sich eine zeitnahe Öffnung des Museumshofgeländes vorstellen. „Aber nur für den normalen Besucherbetrieb mit Einhaltung der Abstandsregeln. Aktionstage wird es in dieser Saison keine geben.“

Das Freibad

Inwieweit eine Öffnung des Freibades zum Schwimmen unter Einhaltung der Abstandsregeln möglich werden könnte und auch finanziell tragbar sei, würden ebenfalls die nächsten zwei Wochen zeigen, in denen man weitere Konkretisierungen aus Düsseldorf erwarte. „Denn laut meines Wissens ist das Coronavirus im Wasser nicht übertragbar.“

Was die Öffnung des Rathauses anbetrifft, komme man am heutigen Freitag zu einer Besprechung zusammen, ergänzte Ordnungsamtsleiter Uwe Trentelmann.

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