Betreiber können Umsatzeinbußen in Rahden nicht länger kompensieren
Das Mississippi Diner schließt

Rahden (WB). Die Corona-Krise trifft viele Gastronomen hart. Bereits seit einigen Wochen dürfen sie ihre Restaurants und Cafés nicht mehr öffnen. Nur der Außer-Haus-Service ist noch erlaubt, und die Umsätze brechen ein. In Rahden schließt ein erster Betrieb deshalb nun für immer die Türen.

Dienstag, 21.04.2020, 07:00 Uhr
Nur noch bis zum Ende der Woche bietet das Mississippi Diner Speisen zum Abholen oder Liefern an. Danach schließt das Restaurant für immer. Grund dafür sind die Umsatzeinbußen, die das Lokal aufgrund der coronabedingten Schließung verzeichnet. Foto: Dieter Wehbrink
Nur noch bis zum Ende der Woche bietet das Mississippi Diner Speisen zum Abholen oder Liefern an. Danach schließt das Restaurant für immer. Grund dafür sind die Umsatzeinbußen, die das Lokal aufgrund der coronabedingten Schließung verzeichnet. Foto: Dieter Wehbrink

„Wir ziehen jetzt die Reißleine“, sagt Holger Steding. Seit 2018 betreibt er gemeinsam mit seinem Schwiegervater das Mississippi Diner an der Steinstraße in Rahden. Nur noch bis zu diesem Sonntag, 26. April, bietet das Restaurant noch einen Liefer- und Abholservice an. „Danach schließen wir für immer“, sagt Steding.

80 Prozent des Umsatzes fehlen

Als Grund dafür nennt Holger Steding auf Nachfrage dieser Zeitung die starken Umsatzeinbußen, die aus den strikten Vorschriften während der Corona-Pandemie derzeit resultieren. Ein weiteres Problem sei aber auch, dass er sich mit dem Vermieter des Lokals nicht auf eine Sonderregelung habe einigen können, um beispielsweise die Miete zu reduzieren, erzählt der 42-Jährige: „Er ist uns da leider nicht entgegengekommen.“

Deshalb habe er nun relativ schnell den Entschluss gefasst, das Mississippi Diner nicht weiter zu betreiben. „Die Kosten laufen weiter, und wir wissen nicht, wann wir den Betrieb überhaupt mal wieder aufnehmen können. Das kann momentan ja niemand sagen“, erklärt Holger Steding. Um 80 Prozent seien die Umsätze des Restaurants seit Beginn der Beschränkungen zurückgegangen. „Der Lieferdienst ist von unseren Gästen zwar schon angenommen worden. Aber mit 20 Prozent des sonstigen Umsatzes können wir das nicht auf Dauer weiterbetreiben“, sagt er.

Betreiber bekommt viel Resonanz bei Facebook

Nicht nur für den Betreiber und seine Mitarbeiter, sondern auch für seine Gäste sei die Schließung nun „echt schade“, wie der 42-Jährige sagt: „Unser Schnitzelbuffet und unsere hausgemachten Burger sind eigentlich sehr gut angekommen. Und das Mississippi Diner war bislang auch eine schöne Alternative zu den übrigen Restaurants.“ Teilweise seien die Gäste sogar aus einem Umkreis von bis zu 60 Kilometern gekommen, um vor allem die XXL-Angebote zu nutzen, sagt Steding: „Wir hatten uns schon etwas aufgebaut. Das Konzept ist angenommen worden, und es lief immer besser. Aber diese Situation können wir nicht kompensieren.“

Das Restaurant führe er zusammen mit seinem Schwiegervater nämlich nur im Nebenerwerb. Einen Kredit aufzunehmen, um das Restaurant weiter finanzieren zu können, sei deshalb keine Lösung. Steding: „Wir müssen das Geld schließlich trotzdem zurückbezahlen und haben keinen doppelten Umsatz, selbst wenn wir wieder öffnen dürfen.“ Für die zehn Aushilfen, die Holger Steding vor der Corona-Krise beschäftigt hat, hat er bereits keine Arbeit mehr. „Der Betrieb läuft gerade nur noch mit der Familie.“ Deshalb ist das Mississippi Diner nur noch in dieser Woche von Mittwoch bis Samstag in der Zeit von 18 bis 20.30 Uhr und Sonntag von 17 bis 20.30 Uhr unter Telefon 05771/913291 für Bestellungen zu erreichen.

Einen Abschied wird Steding mit seinem Team und seinen Gästen ebenfalls nicht feiern können. Bei Facebook hat der Betreiber am Sonntagabend die Schließung verkündet. „Dort haben wir eine große Resonanz bekommen“, berichtet der 42-Jährige. In mehr als 60 Kommentaren bekunden viele Gäste ihr Beileid, äußern, dass sie traurig über diese Nachricht seien, und loben das Mississippi Diner für die Speisen. „Wir überlegen deshalb, eventuell mal Burgerevents anzubieten“, sagt Steding.

Außenbereiche sollten wieder öffnen dürfen

Von den aktuellen Geschäftsschließungen sind die Gastronomiebetriebe aktuell am längsten betroffen. Diese „Restriktionsstrategien“, wie Martin Wlecke, Vorsitzender des Gewerbebundes Rahden, sie nennt, hält er in ländlichen Gebiete nicht unbedingt für angebracht. In Großstädten würden diese sicherlich sinnvoll sein, „auf dem Land sieht das aber anderes aus“, sagt er. Seiner Ansicht nach sollte die Außengastronomie wieder erlaubt werden. Dort könnten Abstandsregelungen besser umgesetzt werden. „Durch den Lieferdienst alleine sind Umsatzverluste nämlich nicht aufzuholen“, meint auch Wlecke.

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