Leiter Dr. Nils Ismer zeigt sich verärgert über neue Genehmigung ausschließlich für botanische Gärten
Eilantrag abgelehnt: Tierpark Ströhen darf nicht öffnen

Rahden/Ströhen (WB). Der Ströher Tierpark darf vorerst nicht wieder öffnen. Das hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg am Montag entschieden und damit den Eilantrag von Tierparkleiter Dr. Nils Ismer abgelehnt. Besonders ärgerlich für den Tierpark: Botanische Gärten dürfen in Niedersachsen dagegen wieder Besucher empfangen.

Dienstag, 28.04.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 29.04.2020, 10:08 Uhr
Auch der sibirische Tiger im Tierpark Ströhen scheint Abstand halten zu wollen. Foto: Susanne Ismer
Auch der sibirische Tiger im Tierpark Ströhen scheint Abstand halten zu wollen. Foto: Susanne Ismer

Für Nils Ismer sei diese Entscheidung nur schwer nachvollziehbar. Seiner Ansicht nach sei die Gefahrenlage einer eventuellen Ansteckung in einem botanischen Garten nicht geringer als in einem zoologischen Garten. „Offensichtlich sieht die Landesregierung einen schwerwiegenden Unterschied zwischen dem Besuch eines botanischen Gartens, in dem man Pflanzen anschaut, und eines zoologischen Gartens, in dem man Tiere anschaut“, sagt Ismer.

Das Verhalten der Besucher ist sehr ähnlich

Er sieht das grundsätzliche Verhalten der Besucher sowohl in botanischen als auch in zoologischen Gärten dagegen sehr ähnlich: „Auch in einem botanischen Garten wird Eintritt genommen, auch in einem botanischen Garten, genauso wie in einem zoologischen Garten, kann man Hygienekonzepte erstellen und umsetzen, die das Infektionsrisiko für die Besucher auf ein akzeptables Mindestmaß reduzieren. Fläche, Struktur und Sinn beider Einrichtungen sind im Grunde identisch“, erklärt der Tierparkleiter.

In Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Berlin und Rheinland-Pfalz dürfen auch Zoos seit dem 16. April wieder öffnen. Voraussetzung dafür ist ein schlüssiges Hygienekonzept. Ein solches hatte auch der Ströher Tierpark bereits ausgearbeitet und dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg vorgelegt. Dieses, so Ismer, sei zudem deutlich weiter ausgearbeitet worden, als es beispielsweise die Vorgaben, die der Staat dem Einzelhandel gemacht habe, erfordern.

Warum die niedersächsische Landesregierung einen Unterschied zwischen Zoos und botanischen Gärten sowie Einzelhandelsgeschäften mache, „bleibt ihr Geheimnis. Das Ergebnis jedenfalls ist, dass sich nun die Menschen konzentriert in wenigen Parks zum Besuch treffen, während andere Einrichtungen geschlossen bleiben müssen. Ob dies im Sinne eines geeigneten Infektionsschutzes ist, mag durchaus bezweifelt werden“, meint Ismer.

Die Landkreise sollten über Einzelkonzepte entscheiden

Zudem erklärt er: „Nur zum Vergleich, die Herrenhäuser Gärten in Hannover ziehen auf einer Fläche von 50,2 Hektar jährlich nach eigenen Angaben über 600.000 Personen an. Wohingegen kleinere Zoos, wie zum Beispiel der Tierpark Ströhen auf einer Fläche von 25 Hektar nur auf einen Bruchteil dieser Besucherzahlen kommt. Wie genau die Entscheidungsträger den Unterschied in der Behandlung begründen, bleibt offen. Eines wird klar, es ist nicht nur rechtlich nicht nachvollziehbar, sondern auch eine Wettbewerbsverzerrung im wirtschaftlichen Sinne und zudem ein großer Eingriff in die Grundrechte sowohl der Parkbetreiber, als auch der Besucher, die diese gerne nutzen würden.“

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg habe laut Ismer in seiner Entscheidung über den Eilantrag angeregt, dass die Entscheidung über Einzelkonzepte und deren Umsetzung auf die Landkreise übertragen werden sollte, da hier die Beurteilung von Anlagen und Maßnahmen lokal sehr viel einfacher umgesetzt werden können. „Vielleicht ist es an der Zeit, die sicherlich in Eile und trotzdem anfangs notwendigerweise getroffenen Entscheidungen in Bezug auf die Corona-Krise deutlicher zu hinterfragen. Sowohl rechtlich als auch inhaltlich gilt es hier in Zukunft deutlicher zu differenzieren und im Sinne des Infektionsschutzes pragmatisch zu urteilen“, meint der Tierparkleiter.

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