Petra Lösche-Ohrnberger öffnet ihren Salon in Rahden vom 4. Mai an unter neuen Vorschriften
Es darf wieder frisiert werden

Rahden (WB). „Endlich wieder Haare schneiden“: Das haben wohl viele gedacht, als in der vergangenen Woche die Nachricht kam, dass Friseure in NRW vom 4. Mai an wieder ihre Salons öffnen dürfen. Aber wie in vielen anderen Betrieben und Geschäften müssen auch hier strenge Hygienevorschriften eingehalten werden, um die Verbreitung des Coronavirus möglichst zu unterbinden. Petra Lösche-Ohrnberger, Inhaberin von „Hair by Haarlekin“ in Rahden, hat ihr Geschäft dementsprechend umgerüstet und verrät, worauf Kunden achten müssen.

Mittwoch, 29.04.2020, 07:00 Uhr
Friseurmeisterin Petra Lösche-Ohrnberger und ihr Team vom Salon „Hair by Haarlekin“ starten nach dem Umbau mit zehn Frisierplätzen und großem Raumangebot gemäß der Abstandsverordnung vom 4. Mai an wieder durch. Foto: Peter Götz
Friseurmeisterin Petra Lösche-Ohrnberger und ihr Team vom Salon „Hair by Haarlekin“ starten nach dem Umbau mit zehn Frisierplätzen und großem Raumangebot gemäß der Abstandsverordnung vom 4. Mai an wieder durch. Foto: Peter Götz

Neben dem mittlerweile bekannten Mindestabstand von 1,5 Metern muss in Friseurgeschäften künftig beispielsweise der Trockenhaarschnitt ausfallen. „Das ist nicht mehr erlaubt. Die Haarwäsche vor jedem Schnitt ist jetzt verpflichtend“, erklärt Petra Lösche-Ohrnberger. Zudem sind sowohl die Mitarbeiter als auch die Kunden dazu verpflichtet, einen Mundschutz zu tragen. „Sorgen bereitet meinen Mitarbeitern und mir, dass 8,5 Stunden mit Mundschutz gearbeitet werden muss. Das wird nicht einfach werden“, erzählt die Friseurmeisterin, die sich vor 28 Jahren selbstständig gemacht hat.

Neuartige Muschutzmaske wird getestet

Und weil es mit Bändern hinter dem Kopf oder Gummis hinter den Ohren des Kunden schwierig ist, die Haare vernünftig zu schneiden, testet die 53-Jährige in ihrem Salon deshalb schon eine neue Variante, die ganz ohne eine derartige Halterung auskommt. „Es gibt einen Mundschutz, der mit Hautpflastern festgeklebt wird“, berichtet Lösche-Ohrnberger. Kosmetische Dienstleistungen im Gesicht wie Wimpern oder Augenbrauen färben sowie das Schneiden von Bärten sind ebenfalls vorerst tabu.

Darüber hinaus hat Petra Lösche-Ohrnberger ihr Geschäft auch gemäß der neuen Arbeitsschutzstandards für das Friseurhandwerk, die die Berufsgenossenschaft veröffentlich hat, anpassen müssen. So gibt es künftig keinen Wartebereich und auch keine Getränkebewirtung oder Zeitschriften für Kunden mehr. Zudem müsse genau aufgezeichnet werden, welche Kunden das Geschäft betreten haben.

Nur jeder zweite Frisierplatz wird noch besetzt

Die Plätze im Haarwäschebereich sind durch Scheiben getrennt. Die Haarwäsche ist jetzt bei jedem Haarschnitt Pflicht.

Die Plätze im Haarwäschebereich sind durch Scheiben getrennt. Die Haarwäsche ist jetzt bei jedem Haarschnitt Pflicht. Foto: Peter Götz

Im „Hair by Haarlekin“ wird ab dem 4. Mai auch nur noch an jedem zweiten Frisierplatz gearbeitet. „Zwischen den Waschplätzen haben wir extra Plexiglasscheiben angebracht. Ebenso einen Spuckschutz an der Kasse“, sagt die Inhaberin. Weil sich der Salon von Petra Lösche-Ohrnberger über zwei Etagen erstreckt, ist das Einhalten der Abstände hier kein Problem. Es bringe zudem sogar den Vorteil mit sich, dass ihr 15-köpfiges Mitarbeiter-Team aufgrund von Platzmangel nicht über den April hinaus in der Kurzarbeit bleiben müsse, erklärt die 53-Jährige.

Für viele andere Betriebe sieht die Friseurmeisterin das Platzangebot allerdings als Problem. „Ich glaube, dass die größte Herausforderung für die Friseurunternehmen sein wird, über genügend Plätze mit Mindestabstand in den Salons zu verfügen.“ Deshalb schätzt sie, werde es nicht ausbleiben, dass viele Geschäfte die Preise anziehen müssten. „Die Friseurbranche kriselt nicht erst seit Corona, und es wird sich zeigen, wie viele Betriebe diese Schließungsphase nicht überleben werden. Die Preiskalkulation war und wird die wichtigste betriebswirtschaftliche Basis für eine Zukunft nach Corona sein“, sagt die Friseurmeisterin.

Es war eine schwierige und emotionale Zeit zuvor

Dass es jetzt endlich wieder losgeht, ist für die Friseurmeisterin aber eine große Erleichterung. „Der Monatswechsel März/April war für mich die schwierigste und emotionalste Zeit in meinem Berufsleben. Die Ungewissheit ob, wann und wie es weitergehen wird, hat mir schon sehr viel Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte bereitet“, sagt sie. Ihre Mitarbeiter hätten sich in dieser Zeit aber niemals beklagt, erzählt die Chefin. Stattdessen hätten sie „immer gemeinsam nach Lösungen gesucht und mir als verantwortliche Unternehmerin immer den Rücken gestärkt.“

Rückblickend seien die vergangenen Wochen unglaublich schnell vorübergegangen, „da ich permanent mit Dingen beschäftigt war, um die ich mich vor der Corona-Krise nicht kümmern musste“, erzählt Lösche-Ohrnberger. Und für die Zeit nach der Wiederöffnung ihres Salons zeichnet sich ebenfalls keine Langeweile ab. „Das Telefon klingelt jetzt schon ununterbrochen, und die Kunden machen Termine ab. Die ersten zwei Wochen sind schon ausgebucht“, sagt sie. Diejenigen, die während der Zeit der Schließung des Salons „Hair by Haarlekin“ bereits einen Termin vereinbart hatten, sind bereits kontaktiert worden, erklärt die Inhaberin.

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