Fr., 15.05.2020

Welche Investitionen kann sich die Stadt Rahden in Zeiten von Corona noch leisten? „Schulausbau hat absoluten Vorrang“

Weiten Abstand in der Sitzung haben die Schulausschuss-Mitglieder in der Aula des Gymnasiums Rahden gehalten.

Weiten Abstand in der Sitzung haben die Schulausschuss-Mitglieder in der Aula des Gymnasiums Rahden gehalten. Foto: Dieter Wehbrink

Von Dieter Wehbrink

Rahden (WB). Das Fazit der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Schule und Sport war eindeutig: Trotz zu erwartender harter finanzieller Corona-Einbrüche im Rahdener Stadthaushalt soll der Ausbau der Sekundarschule absolute Priorität haben. Alle anderen mehr oder weniger geplanten Vorhaben müssten angesichts der zu erwartenden Einbußen bei den Gewerbesteuern wohl auf den Prüfstand, hieß es.

Noch nie musste der Fachausschuss bei seiner Zusammenkunft eine so ungewöhnliche Sitzordnung einhalten: An eigens nummerierten Einzeltischen saßen die Mitglieder unter dem Vorsitz von Horst-Wilhelm Bruhn am Mittwochabend räumlich weit ausein­ander. Die gesamte große Rahdener Gymnasium-Aula wurde benötigt, um dem Fachausschuss den nötigen Platz zu bieten.

Bürgermeister ist besorgt

Bürgermeister Dr. Bert Honsel richtete eindringliche Worte an das Gremium. Er befürchtet angesichts der zu erwartenden Gewerbesteuereinbrüche ein dickes Minus für den aktuellen Haushalt. Seine Befürchtung: „2021 könnte die Lage sogar noch viel prekärer werden.”

Wie auch viele andere, etwa Friedrich Schepsmeier (SPD), betonte Honsel, der Ausbau der Sekundarschule sei vorrangig. Derzeit seien mit Blick auf die unsichere Lage keine strategischen Planungen für weitere Ausgaben möglich. „So eine Situation hatten wir noch nie. Ich habe noch keinerlei Zahlen, mit denen wir arbeiten können“, sagte der Bürgermeister. Prognosen für die Haushalte 20/21 seien somit nicht möglich. „Wir reden zurzeit über 10 Millionen Kurzarbeiter. Was ist, wenn die Hälfte davon arbeitslos wird?“, warf Honsel für den schlimmsten Fall eine düstere Theorie in den Raum: „Es ist einfach unglaublich schwer, die künftige Haushaltslage einzuschätzen.“

Neubau kostet voraussichtlich zwischen 11 und 14 Millionen Euro

Die Kosten für den Ausbau der Sekundarschule werden auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt, zwischen 11 und womöglich 14 Millionen. Die Stadtverwaltung arbeitet mit Hochdruck daran, zusammen mit den Planern die unterschiedliche Entwürfe (Anbau im Westen oder im Osten des Gebäudes) aufzuarbeiten und die Kosten zu ermitteln.

Ziel ist es, dass der Stadtrat in seiner Sitzung am 18. Juni die Fakten vorgestellt bekommt. „Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie“, bekräftigten Friedrich Schepsmeier und Bianca Winkelmann den Willen, die Schulausbau zu ermöglichen. Schepsmeier regte zudem an, den Campus im Schulzentrum in die Überlegungen einzubeziehen, um Synergieeffekte zu erzielen. Beispielsweise könnten Gymnasium und Sekundarschule auch Fachräume gemeinsam nutzen oder eine kleinere Aula.

Schulhof der Grundschule

Eigentlich wollte die Stadt auch die Umgestaltung des Schulhofes und der Außenanlagen der Grundschule Rahden in zwei Bauabschnitten in Angriff nehmen. Doch auch diesem Vorhaben droht wegen Corona die Verschiebung. Ein Planer stellte dem Schulausschuss die Kosten vor. Für beide Bauabschnitte ermittelte er Summen von 745.000 Euro. Selbst wenn es dafür den erhofften Landeszuschuss in Höhe von 450.000 Euro geben würde, müsste die Stadt Rahden noch einen Eigenanteil von 295.000 Euro aufbringen. Man müsse prüfen, ob man sich angesichts der Krise von solchen Projekten vorerst in Gänze verabschiede, gab Bert Honsel zu bedenken.

Die Stadt wird auf allerdings auf Bitte von Schulleiter Achim Prill versuchen, die Fördermittel nicht verstreichen zu lassen, sondern den Landeszuschuss für nächste Haushaltjahre zu erbitten. Dies sagte Fachbereichsleiter Uwe Trentelmann zu. Prill zeigte grundsätzlich Verständnis für die Situation der Stadt. Im Haushalt für 2020 steht jetzt noch die Erneuerung des Fahrradstandes der Grundschule.

Gundel Schmidt-Tschech (Fraktion UfR) war nicht glücklich mit der Situation: „Es kann der Eindruck entstehen, dass man für die Rahdener Grundschule nicht genügend tun will.” Es sei doch wichtig, große wie kleine Kinder zu berücksichtigen.

Sportplatz am Brullfeld

Ursprünglich sollte der Sportplatz am Brullfeld mit einem Kunststoffbelag saniert werden. Doch auch dieses Vorhaben ist wohl in die Ferne gerückt. Es sollte 760.000 Euro kosten. Die Stadt hoffte auf einen Landeszuschuss von 494.000 Euro, doch dieses Geld wird 2020 nicht fließen.

Kindergarten Varl

Erfreuliches konnte Bert Honsel zum Sachstand „Kindergarten Varl” berichten. Zwar musste die Stadt aus Furcht vor einem langwierigem Rechtsstreit auf den ursprünglich geplanten Standort an der früheren Hengststation verzichten. Landwirte hatten dagegen Einwände erhoben. Es soll aber pünktlich zum Beginn des neuen Kita-Jahres eine komfortable Containerlösung am Sportlerheim von Union Varl ermöglicht werden, in der die Kleinen und ihre Betreuer eine provisorische Bleibe finden.

Bert Honsel deutete an, dass die Stadt in viel versprechenden Gesprächen bezüglich eines künftigen Varler Kindergarten-Standortes sei. Näheres könne er noch nicht sagen, nur so viel: „Emissionen aus landwirtschaftlichen Betrieben spielen am angestrebten Standort eine geringere Rolle als im Bereich der Hengststation.“

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