Vor 20 Jahren startete die Eurobahn in Bielefeld – Kritik von Pro Bahn
Durchmarsch der Privaten

Bielefeld (WB). An diesem Donnerstag ist es genau 20 Jahre her, dass die Eurobahn ihre ersten beiden Strecken in Ostwestfalen-Lippe in Betrieb genommen hat. Von Bielefeld aus fährt sie seitdem mit der „Ravensberger Bahn“ nach Rahden im Kreis Minden-Lübbecke und dem „Lipperländer“ südwärts nach Lemgo.

Donnerstag, 28.05.2020, 09:01 Uhr aktualisiert: 29.05.2020, 16:28 Uhr
Seit dem 28. Mai 2000 maßgeblicher Nahverkehrsanbieter in OWL: die Eurobahn. Foto: Keolis/Christian Köster
Seit dem 28. Mai 2000 maßgeblicher Nahverkehrsanbieter in OWL: die Eurobahn. Foto: Keolis/Christian Köster

Mit dem „Leineweber“ setzt sie die Fahrt heute weiter nach Detmold und sogar Altenbeken fort. Zudem verbindet sie mit dem „Warendorfer“ Bielefeld und Münster. Ihre Ems-Börde-Bahn fährt von Hamm zum einen nach Bielefeld, zum anderen nach Paderborn und Warburg.

Meilenstein der Privatisierung

Das Unternehmen Eurobahn ist eine Tochter von Keolis, das wiederum dem französischen Eisenbahnkonzern SNCF gehört. Für den schienengebundenen Nahverkehr in der Region war der Einstieg ein Meilenstein auf dem Weg der Privatisierung. Heute bedient der frühere Monopolist, die Deutsche Bahn AG, in Ostwestfalen-Lippe keine einzige Nahverkehrsstrecke mehr. Zuletzt hat National Express, das der britischen NX Group gehört, im Dezember 2019 von der DB Regio die Nahverkehrsstrecken von Köln bzw. Düsseldorf über Bielefeld nach Minden übernommen. Dort verkehrt jetzt der RRX.

Ein Jahr länger fährt Abellio/Westfalen-Bahn ebenfalls einen RRX von Düsseldorf nach Kassel. Die Linie durchquert das Hochstift und den Süden von OWL. Die Westfalen-Bahn fährt zudem von Bielefeld sowie von Osnabrück über Löhne nach Minden. Die Strecken Bielefeld-Paderborn (Sennebahn), Bielefeld-Osnabrück (Haller Willem) und einige mehr werden von der Nordwestbahn bedient, die zu dem französischen Konzern Transdev gehört.

Auf und Ab

Während Eurobahn-Chefin Magali Euverte den Geburtstag vor allem zum Anlass für einen positiven Blick in die Zukunft nimmt, ist der Blick zurück durchaus gespalten. Willi Wächter (Oerlinghausen), OWL-Bezirksvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, sieht ein Auf und Ab. In den Anfangsjahren hätten viele das frische Outfit, die Zuverlässigkeit und die Freundlichkeit des Personals geschätzt. So zwischen 2012 und 2016 aber sei der Fahrzeugpark in die Jahre gekommen. Ausfälle bei Maschinen und auch beim Personal sorgten für Verspätungen und für Frust bei den Fahrgästen. Wächter: „Wenn ein Nahverkehrszug, der nur einmal in der Stunde fährt, ausfällt, kommt der Arbeitnehmer, der ihn nutzt, eben eine Stunde zu spät am Arbeitsplatz an. Das toleriert kein Unternehmer.“

Zwei Abmahnungen

Negative Höhepunkte waren für die Eurobahn zwei Abmahnungen des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) im Februar und Dezember 2018 wegen Nichterfüllung vertraglicher Abmachungen. Inzwischen habe sich die Eurobahn gebessert, sagt NWL-Sprecher Uli Beele. Die Benotung liege über dem Durchschnitt. Für Fahrgäste belastend waren aber auch bis Anfang Februar 2020 dauernde mehrwöchige Streiks.

Was den Marktanteil betrifft, so ist die Eurobahn, die ihren Hauptsitz inzwischen in Düsseldorf hat, mit 14,2 Prozent nach der Deutschen Bahn (60,9) die Nummer 2 im NRW-Nahverkehr. Auf Platz 3 folgt Abellio/Westfalen-Bahn (8,7) vor Transdev/Nordwestbahn (7,2) und National Express (4,7).

Der Durchmarsch der privaten Bahnbetreiber hat aus Sicht Wächters negative Folgen für das Schienennetz, das sich in der Obhut von DB Netz befindet. Sie zeige wenig Interesse, Strecken zu modernisieren, die die DB nicht selbst befahre, meinte Wächter mit Hinweis auf „den langwierigen Kampf für die Elektrifizierung Bielefeld-Lemgo“. Wenn die Deutsche Bahn aber nur aktiv werde, sobald der Staat 100 Prozent der Finanzierung übernehme, dann sei es besser, das Schienennetz in Ostwestfalen-Lippe in die Hände einer kommunalen Trägergesellschaft zu geben, forderte der Sprecher von Pro Bahn.

Weniger Autoverkehr und weniger ÖPNV

Im April haben Autofahrer in Deutschland 25 Prozent weniger Kilometer zurückgelegt als sonst im Monatsdurchschnitt. Sie stiegen aber nicht auf den öffentlichen Nahverkehr um, wie eine Studie ergab, die die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) am Mittwoch veröffentlichte.

Die geringere Fahrleistung hing laut DAT direkt mit der stark gestiegenen Kurz- und Home-Office-Arbeit in Zeiten von Corona zusammen. Auch seien die Menschen seltener aus Freizeitgründen ins Auto gestiegen. Allerdings nutzten wegen Corona auch weniger Autofahrer den ÖPNV; 77 Prozent wollen ihn auch in Zukunft nicht stärker nutzen, erklärt die DAT, die im Auftrag der Autoindustrie agiert.

 

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