Biologe des Aue-Verbands schildert Maßnahmen zur Verbesserung
Ist die Aue schon tot?

Rahden (WB). Es ist eine schier unendliche Geschichte: Immer wieder bewegt die Renaturierung der Großen Aue und der übrigen Wasserläufe im Rahdener Stadtgebiet die Politik. Nicht zuletzt fordert die Wasserrahmenrichtlinie der EU Hilfsmaßnahmen für die Gewässer. Diese sollen bis 2027 umgesetzt werden.

Samstag, 13.06.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 13.06.2020, 05:02 Uhr
Ein Problem an der Aue in Rahden sind die Stau-Bauwerke. Auch siedeln im Fluss Teichpflanzen (Seerosen). Foto: WB-Archiv/Nichau
Ein Problem an der Aue in Rahden sind die Stau-Bauwerke. Auch siedeln im Fluss Teichpflanzen (Seerosen). Foto: WB-Archiv/Nichau

Planung seit 2012

Über den Fortgang der Maßnahmen informierten die drei Mitarbeiter des Wasserverbandes Große Aue im Bau- und Planungsausschuss. Diplom-Biologe Stefan Schwengel lieferte die Übersicht: Bereits 2012 sei die große Planung für die so genannten „berichtspflichtigen Gewässer“ aufgestellt worden. 2016 folge ein Konzept für die naturnahe Erhaltung der Fließgewässer. „Ziel ist die Herstellung eines guten Potenzials“, sagte Schwengel.

Dazu halte man sich an das so genannte „Strahl-Ursprungs-Konzept“, das für NRW festgesetzt sei. Darin untersucht man bestimmte Gewässerabschnitte und folgert daraus Maßnahmen. „Wir können aber die Aue nicht flächendeckend in einen naturnahen Zustand versetzen“, folgerte der Biologe aus den derzeitigen Umständen an den Gewässern im Stadtgebiet. Man gehe im Konzept davon aus, dass Tiere (Fischarten), die am Ursprung des Gewässers gute Lebensgrundlagen haben, sich durch Wanderung auf andere Teile ausbreiten, schilderte der Experte.

Fakt sei aber auch, dass die Gewässer ihren Ursprung südlich des Mittellandkanals hätten. Dort sei die Natur weitgehend intakt. Doch nördlich des Kanals hätten die Gewässer kaum noch Gefälle, keine Dynamik.

Die Folge: „Die Gewässer im Rahdener Raum sind sehr stark oder übermäßig geschädigt“, fasste Schwengel zusammen. Sie würden Tieren keine Lebensgrundlage bieten. Es seien konkrete Maßnahmen des „Konzepts zur Naturnahen Entwicklung“ erforderlich. Aber auch diese würden nur stellenweise verwirklicht werden können. So strebe man zunächst eine naturnahe Umgestaltung der Kleinen Aue an.

Stauwehre sind Problem

Was den Aue-Verband und die Naturschützer aber hauptsächlich bewegt, ist die Durchlässigkeit der Gewässer für Fische. „Die Durchgängigkeit an den Stauwehren ist ein Dauerthema“, sagte Schwengel. Zudem seien die Stauwehre in die Jahre gekommen. Keinesfalls aber könne man diese beseitigen. Eher strebe man den Bau von Fischtreppen – ähnlich wie beim Rohlfinger Stau in Ströhen – an.

„Es gibt einen hohen Sanierungsbedarf bei diesen Staubauwerken“, sagte Schwengel. Immer aber müsse man einen Kompromiss zwischen Landwirtschaft und Naturschutz finden. Das sei nicht leicht.

Flächen erforderlich

„Dazu besteht Flächenbedarf. Tausch und Erwerb von Flächen werden vom Kreis Minden-Lübbecke und dem Wasserverband vorangetrieben“, hieß es in der Sitzung.

Angesichts der jüngsten Dürreperioden müsse es Ziel sein, das Wasser möglichst lange vor Ort zu halten, regte Horst-Wilhelm Bruhn (SPD) gemeinsam mit Winrich Dodenhöft (Grüne) an. Andererseits gebe es durch den Klimawandel auch Zeiten mit starken Niederschlägen. Dann müsse das Wasser auch abgeführt werden.

Tiere sind nicht da

Auch Helmut Uphoff, Fischereiberater des Kreises und Experte für die Renaturierung der Großen Aue, kam zu Wort. Er machte deutlich, dass die Tiere (Fische), die eigentlich zu den zu schützenden Arten gehören, bereits in weiten Bereichen ausgestorben seien. Als Grund führte er die Verschlammung der Aue, wegen des mangelnden Gefälles an. „Man hätte keine zwei Wasserläufe an der Aue schaffen dürfen“, kritisierte er zum wiederholten Mal.

Letztlich konnten die Experten noch keine Kostenschätzungen für die angeregten Maßnahmen präsentieren.

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