Sekundarschule: Baukosten bei 13 bis 14 Millionen – vorerst kein Beschluss gefasst
CDU braucht noch Bedenkzeit

Rahden (WB). Noch keine Empfehlung für den Rat haben die Mitglieder des Schulausschusses der Stadt Rahden in der Sondersitzung am Donnerstagabend ausgesprochen. Es sollte eigentlich eine Entscheidung über eine der geplanten Varianten für einen Erweiterungsbau der Sekundarschule Rahden gefasst werden. Angesichts des Investitionsvolumens von knapp 14 Millionen Euro und der Folgekosten erbat die CDU-Fraktion weitere Bedenkzeit.

Samstag, 20.06.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 20.06.2020, 05:02 Uhr
Luftaufnahme des Schulzentrums: Der Erweiterungsbau könnte auf dem Hof bei den Fahrradständern (helle Dächer) entstehen. Foto: Hemann
Luftaufnahme des Schulzentrums: Der Erweiterungsbau könnte auf dem Hof bei den Fahrradständern (helle Dächer) entstehen. Foto: Hemann

Planer Jürgen Groß vom Architekturbüro Gerlach, Schneider und Partner stellte die zwei grundlegenden Varianten vor. Vor knapp zwei Wochen wurden die Vorschläge jeweils um eine „kostenreduzierte Variante“ ergänzt, so dass vier Investitionssummen (kalkuliert in diesem Planungsschritt) zur Debatte standen.

Variante 1 wurde als „Donut“ bezeichnet. Dabei könnte ein zweistöckiger Anbau an die ehemalige Hauptschule in Richtung Brullfeld erfolgen. Durch einen Innenhof hat der rechteckige Bau ein „Loch“ und hat deshalb diesen Namen erhalten.

Variante 2 bedeutet grundsätzlich einen Anbau an die zentrale „Scheibe“ des Hauptschulbaus. Dabei würde sich der zweistöckige Anbau, die „Schere“, in Richtung der architektonisch vorgegebenen Radien im Schulzentrum erstrecken. Fahrradständer und Sickerbecken müssten allerdings neu erstellt werden.

Grundsätzlich seien die Wiederherstellungskosten in der Planung eingerechnet, sagte Groß auf Nachfrage.

Mit und ohne Aula

Unterschiede zwischen der Normal- und der kostenreduzierten Variante ergeben sich dadurch, dass der Planer bei letzterer die eigentlich vorgesehene Aula der Sekundarschule weglasse oder aber für einen späteren Bauzeitpunkt vorgesehen habe.

Dem Planungsbüro vorgegeben ist der Raumbedarfsplan der Sekundarschule, der allerdings auch Räume für das Hauptfach „Darstellen und Gestalten“ (Theater/Musik/Kunst) beinhaltet. Dafür ist eine Aula eigentlich notwendig. Durch die Betrachtung des gesamten Schulzentrums als „Campus“ könne man ja auch die Aula des Gymnasiums mitnutzen, schlug der Planer vor.

Mit diesem Vorschlag stieß er allerdings auf Gegenwind von Matthias Haverkamp, Schulleiter des Gymnasiums. Dieser sprach sich auch gegen den Neubau in Richtung Schulhof aus: „Das schränkt unseren Schulhof weiter ein.“ Er machte auch die Ansprüche der eigenen Schule deutlich: „Die Aula ist als normaler Fachraum bei uns eingeplant und wird für vielfältige Zwecke während der Unterrichtszeit benötigt“, sagte er. Dass der Raum außerhalb dieser Zeit für andere Zwecke zur Verfügung stehe, sagte er aber zu.

Vielfach angesprochen wurden die Nachteile der baulichen „Donut“-Lösung vom Planer. So sei der Umbaubedarf sehr hoch und im Neubau sei der umlaufende Korridor nur für Klassenzimmer einer Seite zu nutzen. Auch sei bei dieser Variante (in der Vollversion) der Anbau von Fachräumen auf dem Areal des Schulgartens erforderlich.

13 bis 14 Millionen Euro

Schlucken mussten die Rahdener Lokalpolitiker, als es um die Kosten für die dargestellten Varianten geht. Ihnen wurden die Planungen aber bereits in den Fraktionen vorgestellt und erläutert (Bürgermeister Honsel: „Zum Teil über zehn Stunden“).

Die Kosten: Variante 1 (Donut): 13.125.000 Euro. Kostenoptimiert: 11.669.000 Euro. Für Variante 2 („Schere“ entlang der Bauradien): 13.768.000 Euro und in der kostenreduzierten Variante 11.031.000 Euro. Vorteil von Variante 2 sei laut Planer: „Sie erhalten ein komprimiertes Gebäude, in dem sich die ganze Schule befindet.“

Mensa wird umgebaut

Vor der Debatte über den Sekundarschulumbau mit dem Mega-Investitionsvolumen hatten die Politiker bereits Prioritäten für Mensa, Sporthalle und Jugendcafé gesetzt: Der Mensa-Umbau erhielt oberste Priorität und soll für 257.400 Euro (inklusive Küchentechnik) so schnell wie möglich verwirklicht werden. Dabei schlug der Planer vor, einen Teil des Geräteraumes der angrenzenden Turnhalle mit einzubeziehen.

Die Pläne für die Turnhalle (vor allem Erneuerung der Sanitäreinrichtungen) wurden von den Schulausschuss-Mitgliedern vorerst „auf Eis“ gelegt, ebenso die Sanierung des ehemaligen Realschul-Lehrerzimmers als neues Jugendcafé (150.000 Euro). Ausschuss-Vorsitzender Horst-Wilhelm Bruhn deutete an, dass eventuell ein Interessent für die Nachnutzung des gesamten Realschul-Baus vorhanden sei.

Eindeutiges Votum

Blieb die Entscheidung über die Befürwortung einer möglichen Variante zur Entscheidung in der Ratssitzung in der kommenden Woche am 25. Juni:

„Vor acht Jahren haben wir ‚Ja‘ zur Sekundarschule Rahden gesagt. jetzt sind wir politisch in der Verantwortung, auch das geforderte Raumkonzept einzuhalten“, sagte Bianca Winkelmann (CDU).

„Mir fehlt das Gesamtkonzept mit Außenanlagen und Stellplätzen“, kritisierte Gundel Schmidt-Tschech (UfR). Sie wurde vom Planer aber belehrt, dass dies noch nicht Teil der grundlegenden Planungen sei. Erst mal gehe es darum festzulegen, wo der neue Baukörper stehen solle. Die Außenanlagen seien aber mit knapp einer Million Euro eingerechnet.

Ulrich Eikenhorst (CDU) sprach sich wegen der Nachteile deutlich gegen die Donut-Variante aus. Ebenso bemerkte Bianca Winkelmann, dass diese in der CDU-Fraktion eigentlich „hintenüber gefallen“ sei.

„Die Schule darf nicht länger auf einen Beschluss warten“, sprach sich Friedrich Schepsmeier für die Variante „Schere“ aus, eventuell mit Nachrüstung der Aula. Auch Winrich Dodenhöft (Grüne) plädierte – wie auch UfR, Freie Wähler und die FDP – für diese Variante.

Schule macht Druck

Druck in Richtung einer Entscheidung machte vor allem Margarete Kaiser, Schulleiterin der Sekundarschule: Man hätte der Schule vor acht Jahren eine moderne Ausstattung und Räume versprochen. „Das wollen auch die Eltern von knapp 690 Schülerinnen und Schülern“, sagte sie.

Bedenken hatte die CDU-Fraktion: Ulrich Coors sprach über die Verpflichtungen der Stadt Rahden in den nächsten 30 Jahren: 600.000 Euro pro Jahr, nannte er. Bianca Winkelmann konnte für die CDU-Fraktion keine Empfehlung geben: „Diese 13 oder 14 Millionen Euro bereiten uns Kopfzerbrechen. Die Stadt Rahden muss auch in den nächsten 30 Jahren noch handlungsfähig bleiben. Das ist unser Ziel.“

Ein KOMMENTAR von Michael Nichau

An dem Schulbau – wie auch immer er ausfallen wird, hat die Stadt Rahden noch viele Jahre zu zahlen. Durchgerechnet wurden schon viele Varianten einschließlich der Sanierung des Altbaus der Realschule. Doch wirklich einen Unterschied bei den Kosten konnten die Planer bisher nicht herausrechnen.

Wohl hat das Architekturbüro versucht, Einsparungen in die vorläufigen zwei Varianten hineinzurechnen. Doch an der Größenordnung ändert das kaum etwas. „Vier Millionen – wie vielleicht der Wunsch – können wir hier nicht einsparen“, meinte der Planer.

Letztlich kann er nicht viel ändern, denn das Raumprogramm einer Sekundarschule wird vom Land NRW vorgegeben und muss vom Schulträger (der Stadt Rahden) erfüllt werden. Das ist Schulpolitik.

Sparen, verschieben in andere Haushaltsjahre? Das scheint in Teilen möglich zu sein. Doch bleibt die finanzielle Belastung immer noch erhalten, wie man die Zahlen auch dreht und wendet.

Die Kämmerei der Stadt Rahden kann nicht voraussagen, wie sich die Folgen der Corona-Pandemie auf die Finanzen auswirken. Positiv in keinem Falle. Und tatsächlich ist es richtig, was die CDU sagt: Vorsicht bei Ausgaben in dieser Höhe! Doch: Kann die Stadt Rahden diese Ausgaben abwenden? Nein.

Vielleicht lassen sich die Ansprüche an die Bauausführung zurückschrauben? Nein, einen Plattenbau will bestimmt niemand. Der würde nach 30 Jahren wohl auch grundsaniert werden müssen. Zurück auf Null in der Planung? Das scheint angesichts der Ansprüche unmöglich.

 

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