Rat legt sich auf Sekundarschul-Variante fest – Kostenoptimierung im Vordergrund
Rahden plant mit „Schere“ und Aula

Rahden (WB). Ein einstimmiger, einmütiger Beschluss aller Fraktionen zum Neubau der Sekundarschule Rahden ist in der Ratssitzung am Donnerstag gefasst worden. Vier Fraktionen hatten vor der Sitzung eigene Anträge gestellt, die sich nur gering unterschieden. Bürgermeister Dr. Bert Honsel gelang es, einen gemeinsamen Beschluss zu formulieren, mit dem offensichtlich alle Lokalpolitiker zufrieden waren.

Samstag, 27.06.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 27.06.2020, 05:02 Uhr
So sieht die Planung der Variante „Schere“ mit der Aula (Mitte zwischen den beiden Bauteilen) aus. Mit Fortgang der Planungen soll sich entscheiden, ob die Aula so verwirklicht wird. Foto:
So sieht die Planung der Variante „Schere“ mit der Aula (Mitte zwischen den beiden Bauteilen) aus. Mit Fortgang der Planungen soll sich entscheiden, ob die Aula so verwirklicht wird.

Die „Schere“ planen

Demnach wird jetzt die Planung der Variante „Schere“ (siehe Grafik) in einer kostenoptimierten Variante, aber mit einer Aula in Auftrag gegeben. Der Planer sicherte zu, die Kosten für die Aula gesondert auszuweisen.

In einem weiteren Schritt soll – vor Beginn der Baumaßnahme – (also etwa Mitte nächsten Jahres) entschieden werden, ob die Aula in einem Zuge mitgebaut werden soll. Ein späteres, gesondertes Nachholen der Baumaßnahme wäre teurer und schwieriger, hatte der Planer erklärt. Daraufhin einigte man sich auf diese Regelung.

Erst nach Vorlage der weiteren Planungen soll der eigentliche Baubeschluss gefasst werden. Getroffen wurde aber bereits die Entscheidung, den Umbau der Mensa kurzfristig (so schnell wie möglich) durchzuführen. Dabei entstehen Kosten in Höhe von geschätzt 257.400 Euro.

Der vorgesehene Umbau der Turnhalle der Realschule wird zurückgestellt. In diesem Zusammenhang sollen alle Möglichkeiten der Förderung geprüft werden. Ebenfalls zurückgestellt wurde die Renovierung des alten Lehrerzimmertraktes der Realschule als Jugendcafé. Denn: Zuerst soll ein Nachnutzungskonzept (Abriss, Verkauf oder Eigennutzung) für den Altbau der Schule aufgestellt werden. Nur bei einer kostenneutralen Nachnutzung ermäßige sich die künftige jährliche Belastung des Stadt-Haushalts auf geschätzt 300.000 Euro.

Förderungen ausschöpfen

Außerdem beinhaltet der Beschluss, dass alle Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten für den Neubau ausgeschöpft werden sollen. Weiterhin einigte man sich auf den Vorschlag der SPD, dass ein Baugremium die weiteren Planungen und die Einhaltung des Kostenrahmens überwachen solle. Die Verwaltung schlug den bisherigen „Arbeitskreis Schule und Sport“ vor. Dieser sei zu groß, merkte Friedrich Schepsmeier (SPD) an. Letztlich werde sich aber die Zusammensetzung des Arbeitskreises nach der Wahl sowieso ändern, merkte Wilhelm Kopmann (CDU) an.

Wichtig, so hob zuletzt auch Bürgermeister Bert Honsel hervor, sei die Tatsache, dass die weiteren Planungen mit der Aula erfolgen werden. „Je weiter wir kommen, desto konkreter werden wir auch über die Kosten informieren können“, meinte Planer Jürgen Groß, der zu Beginn nochmals die Pläne erläuterte.

„Gute Schule sei der CDU wichtig“, erklärte Guido Peitsmeier den Antrag, den seine Fraktion gestellt habe. „Dennoch müssen wir als Stadt Rahden unsere Handlungsfähigkeit bewahren.“ Man müsse zunächst abwarten, wie sich die finanzielle Lage der Stadt (wegen der Corona-Krise) entwickeln werde. „Auf keinen Fall dürfen wir in eine Haushaltssicherung rutschen, denn dann können wir andere Rahdener Projekte wie Brullfeld oder der Busbahnhof nicht verwirklichen“, mahnte Peitsmeier. Für die CDU hänge alles an einer Nachnutzung des alten Realschulgebäudes. „Die muss in den kommenden drei Jahren geklärt werden.“

Hans Eckhard Meyer (FDP) sprach sich für einen Vollausbau aus. Allerdings müsse man im weiteren Planungsschritt sehen, wo die Entwicklung finanziell hinführe. „Wir müssen auch die gesamte Förderkulisse nochmals beleuchten“, sagte er.

„Welt hat sich verändert“

Dorothee Brandt (SPD) meinte grundsätzlich, dass in Zukunft vermutlich nicht mehr alles leistbar sein werde, was gewünscht sei. Ihr Fraktionskollege Friedrich Schepsmeier sprach sich dafür aus, die Aula planerisch mit einzubeziehen und vielleicht in einem späteren Bauabschnitt zu verwirklichen.

Auch die Freie Wählergemeinschaft sprach sich für einen Vollausbau mit Aula aus. Einzig Gundel Schmidt-Tschech (UfR) griff erneut Planer und Verwaltung an: Man hätte doch die Schule und die Lehrer und ihre Bedürfnisse berücksichtigen sollen. Für die erneute Bemerkung erntete sie Schelte vom Bürgermeister: „Natürlich haben die Verwaltung und Planer die Bedürfnisse und die Notwendigkeiten der Schule einkalkuliert und alle Meinungen gehört.“ Auch die UfR hätte die vorherige Beratung und Erläuterung der Pläne durch die Verwaltung in Anspruch nehmen können, was sie aber nicht getan hätte. Letztlich schloss sich die UfR dem Antrag der SPD an.

Winrich Dodenhöft machte es kurz: „Schere, Vollausbau. Der Architekt bekommt einen Auftrag von uns“, meinte er, kommentierte aber auch kritisch: „Ich habe den Eindruck, das wird hier zum Schaulaufen für den Kommunalwahlkampf.“

„Wir sind ja nicht so weit voneinander entfernt mit den Vorschlägen“, meinte Bürgermeister Bert Honsel und unterbreitete den gemeinsamen Beschlussvorschlag, der – mit einige Modifikationen – dann auch einstimmig angenommen wurde

Das hätte sich so mancher Besucher einer Rahdener Ratssitzung nicht träumen lassen: Ein einstimmiger Beschluss zur weiteren Planung der Sekundarschule, der von allen Fraktionen mitgetragen wird. Applaus!

Ein KOMMENTAR von Michael Nichau

Dass es auf die Variante „Schere“, die den existierenden Bau der ehemaligen Hauptschule aufgreift, hinauslaufen würde, war eigentlich klar. Nur: Wie steht es mit der Aula, einem Kostenfaktor, der einkalkuliert werden will? Auch die Aula ist notwendig! Sie ist als Ort für das Fach „Darstellen und Gestalten“ an der Sekundarschule unverzichtbar und damit auch Bestandteil des umzusetzenden Raumprogramms.

Natürlich ist diese Aula nicht so groß geplant wie die des Gymnasiums. Aber zu Recht pochte ein Fachlehrer der Sekundarschule in der Bürgerfragestunde auf den Bau dieses wichtigen Raumes.

Doch lässt sich tatsächlich alles verwirklichen? Auch in einer Spar-Variante wird die Schule noch mindestens ein Zehn-Millionen-Projekt. Mit Aula möglicherweise mehr. Wenn also eine Aula nicht gebaut werden könnte, müsste auch die Sekundarschule zu Unterrichtszeiten die Aula des Gymnasiums nutzen dürfen.

Eine „heilige Kuh“, die da vielleicht vom Sockel geschubst werden muss, denn letztlich hatte das Gymnasium vor einigen Jahren neue Fachräume für Musikklassen erhalten. Muss man hier vielleicht verstärkt den Campus-Gedanken („Ein Schulzentrum“) in die Köpfe bekommen? „Das Wünschenswerte ist nicht immer das Machbare“ wusste schon der Autor des Buchs „Ganzheitliches Projektmanagement“.

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