Aus für Kastenhaltung – Volker Schmale fordert Unterstützung für Landwirte
„Sauenhalter nicht im Stich lassen”

Rahden (WB). Mit Kritik und großer Skepsis reagiert Volker Schmale, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Stadtverbandes Rahden, auf die jüngsten Beschlüsse zur Agrarpolitik auf Bundesebene. Der Bundesrat hat unlängst die Neuregelung der „Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung“ zum so genannten Kastenstand verabschiedet. Spätestens nach einer Übergangsfrist von acht Jahren dürfen Sauen nicht mehr im Kastenstand, sondern nur noch in einer Gruppe gehalten werden. Eine Fixierung der Tiere ist dann lediglich kurzzeitig möglich – zum Beispiel für die künstliche Besamung oder ärztliche Untersuchungen.

Samstag, 11.07.2020, 13:25 Uhr aktualisiert: 11.07.2020, 13:28 Uhr
Sauenhaltung im Kastenstand war in Deutschland zulässig, wenn die Tiere nicht länger als 28 Tage nach dem Absetzen der Ferkel dort untergebracht waren. Während der Säugezeit durften sie – zum Schutz der Ferkel – ebenfalls in den Kastenstand. Der Bundesrat hat beschlossen, dass diese – mit achtjähriger Übergangsfrist – nicht mehr zulässig ist. Foto: dpa
Sauenhaltung im Kastenstand war in Deutschland zulässig, wenn die Tiere nicht länger als 28 Tage nach dem Absetzen der Ferkel dort untergebracht waren. Während der Säugezeit durften sie – zum Schutz der Ferkel – ebenfalls in den Kastenstand. Der Bundesrat hat beschlossen, dass diese – mit achtjähriger Übergangsfrist – nicht mehr zulässig ist. Foto: dpa

Kastenstand schützte Ferkel

In Kastenständen werden Zuchtsauen während der Trächtigkeit und Säugezeit gehalten. Diese Haltungsform war übliche fachliche Praxis. Sie sollte auch verhindern, dass Ferkel durch die Sauen erdrückt werden.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat angekündigt, die Tierhalter bei der Umstellung mit 300 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm zu unterstützen. Volker Schmale sorgt sich trotzdem um die Zukunft seiner Sauen haltenden Berufskollegen, wenn die durch den jüngsten Beschluss auftretenden finanziellen Folgen nicht ausgeglichen würden. „Ohne ausreichende Unterstützung wird die Lage für die Sauenhalter einfach desaströs“, befürchtet der Varler. Wenn die Gesellschaft die Vorstellung habe, die Tierhaltung zu verbessern, müsse sie auch bereit sein, einen höheren Beitrag dafür zu bezahlen. „Die Deutschen geben nur noch 10 Prozent ihres Einkommens für Essen aus“, erläutert Schmale.

„Durch den Beschluss des Bundesrates haben die betroffenen Landwirte zwar Planungssicherheiten bekommen. Allerdings müssen die Maßnahmen relativ zeitnah umgesetzt werden“, sagt Schmale. „Das bedeutet im Gegenzug, dass auch sehr zeitnah finanzielle Weichen gestellt werden müssen, wenn man Betriebe, die weiter wirtschaften wollen, unterstützen will.“

„Gefahr sehe ich leider“

Volker Schmale weist darauf hin, dass gerade der Norden des Altkreises Lübbecke noch sehr landwirtschaftlich geprägt ist. Er befürchtet, dass viele heimischen Sauenhalter ohne Förderungen ihren Betrieb aufgeben müssen: „Es wäre sehr einschneidend für unsere Region, wenn wir die Hälfte der Sauenbetriebe verlieren würden. Diese Gefahr sehe ich leider.”

Trete dieser Fall ein, werde auch der vor- und nachgelagerte Bereich der Landwirtschaft – etwa Futtermittelhändler, Landmaschinenhändler oder Fleischereien – wirtschaftlich einbrechen. „Wir dürfen die Tierhaltungsbedingungen, die bei uns aus Tierschutzgründen abgeschafft werden, nicht ins Ausland verlagern”, warnt Volker Schmale. „Als Beispiel nenne ich Spanien, wo die Standards mit Blick auf den Tierschutz deutlich geringer sind. Wir deutschen Landwirte können die Schweinehaltung deutlich besser und zu weitaus höheren Standards garantieren, wenn unseren Betrieben dabei geholfen wird.”

Maststall-Schließungen drohen

Der Stadtverbandsvorsitzende sieht noch ein weiteres Problem. In Deutschland werde die Zahl der Ferkel aus seiner Sicht deutlich zurückgehen: „Wir werden sehen, ob im Ausland entsprechend schnell Kapazitäten aufgebaut werden, die bei uns wegfallen und ob diese dann auch unseren hohen Tierwohlstandards entsprechen.”

Würden in Deutschland produzierte Ferkel wegen der Umsetzung des Bundestagsbeschlusses knapper und somit immer teurer, würden auch Mastbetriebe unrentable Ställe schließen, sagt der Varler. Dies könne dann problematisch für die sichere Versorgung der Lebensmittel sein, gibt Schmale zu bedenken. „Dabei sollte doch gerade unsere sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln die Aufgabe des deutschen Staates sein – und nicht die der NGOs.“

Volker Schmales Forderung an die Verantwortlichen ist klar: „Dieselben Politiker, die dieses Gesetz zur Veränderung der Sauenhaltung durchgebracht haben, sollten sich jetzt nicht abducken und die Bauern im Stich lassen. Sie müssen die Landwirte bei der Durchführung dieser schweren Aufgabe unterstützen.”

Kommentare

Frank Husemann  schrieb: 13.07.2020 08:53
Grundsätzliche Gedanken zum Fleischkonsum machen
Ich bin 49 Jahre alt, komme ursprünglich aus Werther. Ich wohne jetzt mit meiner Frau und Tochter in der Nähe von Hamburg.
Ja, ich finde Fleisch immer noch lecker und manchmal vermisse ich es, denn ich habe es über 40 Jahre gegessen.
Vor 6 Jahren hat unsere Tochter entschieden kein Fleisch mehr zu essen und wir haben einfach mitgemacht.

Viele Jahre haben wir gar nicht über die Herkunft des Fleisches nachgedacht. Meine Generation ist der größte Teil des Problems. Geld sparen beim Einkaufen macht man am liebsten beim Essen, warum ? Diese Gedankenlosigkeit von früher sollte neuen Verhaltensweisen weichen. Einfach das Hirn einschalten wenn man einen Laden betritt und Qualität aus nachhaltiger Tierhaltung kaufen. Ja, muß man sich leisten können, aber muß es wirklich jeden Tag Fleisch sein? Currywurst ? Schnitzel aus der Plastikpackung ? BIFI ? Pfui bäh.
Bei Oma gab es einmal die Woche ein gutes Stück Braten und ab und zu Salami und Schinken. Und man wußte woher es kommt
Die ersten Monate ohne Fleisch waren sehr gewöhnungsbedürftig, aber mittlerweile ist das kein Problem mehr.
Auch wenn ich kein Fleisch mehr essen mag, will ich doch nicht den kompletten Fleischverzicht für alle progagieren.
Eine Rückbesinnung zur Landwirtschaft von früher mit kleineren Höfen mit maximal ein paar hundert Tieren denen es gut geht und die mit Demut und Sorgfalt in regionalen Schlachtereien geschlachtet werden wäre sicherlich sinnvoll.

Ja, Tönnies sollte dichtmachen und auch andere Schlachtfabriken sollten verschwinden. Die Bauern können natürlich nicht so schnell umstellen, das ist mir auch klar. In Dänemark habe ich viele glückliche Schweine in Freilandhaltung gesehen, das geht hier doch auch ! Es muß ein Anfang gemacht werden. Das Nichtstun unserer
lieben aber unkompetenten Frau Klöckner macht mich jeden Tag noch ein bißchen fassungsloser.

Hier geht es nicht um rechts und links sondern schlichtweg um die Frage: wie wollen wir in Zukunft leben und was für eine Welt und Werte hinterlassen wir unseren Kindern.

Ich wünsche mir mehr Demut vor dem Leben, für Menschen wie auch für Tiere.
Ich schäme mich zutiefst für meine Generation und auch für meine jahrelange Gedankenlosigkeit.

Machen wir es alle besser !
Ernst-Günter Hansen  schrieb: 13.07.2020 01:15
Frechheit
Es ist eine Frechheit dieser Landwirte die Regelungen nicht einhalten zu wollen. Das zeigt mal wieder das das Tierwohl diesen Landwirten nichts wert ist. Denen sollte man die Lizenz zur Tierhaltung und vor allem die EU -Zuschüsse entziehen.
2 Kommentare
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