Heimische Landwirte beteiligen sich an WLV-Aktion „Blühendes Band“
Insektenweide am Wegesrand

Rahden (WB). Zwischen Phacelia, Buchweizen, Sommerwicken, Kornblumen und Co. an der Varler Straße ist einiges los: Bienen fliegen von Blüte zu Blüte und auch andere Tierchen freuen sich über die Insektenweide am Rande des Getreidefelds des Varler Nebenerwerbs-Landwirts Sven Rohlfing.

Mittwoch, 15.07.2020, 07:00 Uhr
Einsatz für Biodiversität und Naturschutz (von links): Holger Topp, Volker Schmale, Mirko Schmale, Rainer Meyer, Sven Rohlfing und Stefan Schmidt am Blühstreifen an der Varler Straße. Foto: Sandra Reuter
Einsatz für Biodiversität und Naturschutz (von links): Holger Topp, Volker Schmale, Mirko Schmale, Rainer Meyer, Sven Rohlfing und Stefan Schmidt am Blühstreifen an der Varler Straße. Foto: Sandra Reuter

Er hat im Zuge der Aktion „Blühendes Band durch Bauernhand 2.0” des Westfälische-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) einen Streifen mit einjährigen Blühpflanzen an seinem Feld eingesät, um – wie mehr als 800 Betriebe im ganzen Mühlenkreis – einen Beitrag zu Naturschutz und Biodiversität zu leisten und so die für das Gleichgewicht der Ökosysteme unentbehrlichen Insekten zu erhalten.

Stiftung stellt Saatgut

WLV-Kreisgeschäftsführer Holger Topp, Rainer Meyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Minden-Lübbecke, sein Stellvertreter Stefan Schmidt sowie die örtlichen Landwirte Volker und Mirko Schmale hatten zum Ortstermin nach Varl eingeladen, um die Agrar-Umweltmaßnahme der Landwirte vorzustellen. „Die Blühstreifen-Aktion erfolgt in diesem Jahr zum zweiten Mal flächendeckend; aus dieser Initiative des WLV haben die Bauern im Mühlenkreis 700.000 Quadratmeter zusätzliche Blühfläche zur Verfügung gestellt“, erläutert Meyer.

Das Saatgut hat die Stiftung Westfälische Landschaft des WLV gestellt, die Verteilung an die Bauern haben die Raiffeisen-Genossenschaften übernommen. „Bei einer durchschnittlichen Breite von drei Metern zieht sich dieses blühende Band auf einer Länge von gut 230 Kilometern durch den Kreis“, sagt Holger Topp.

Beitrag zum Umwelt- und Artenschutz

Der Erhalt der biologischen Vielfalt sei auch den Landwirten einen Herzensangelegenheit. „Wir standen eine lange Zeit am Pranger und wurden für das Insektensterben verantwortlich gemacht. Wenn wir ihn auch beileibe nicht allein zu verantworten haben, sind wir doch zu einem gewissen Teil Schuld daran“, gibt Meyer zu. Darum wollen die Landwirte Verantwortung zeigen, mit den Blühstreifen einen Beitrag zum Umwelt- und Artenschutz leisten und dem dramatischen Insektensterben – verursacht auch durch intensive Landwirtschaft, Pestizide und monotone Kulturlandschaft – entgegen wirken.

„Insekten sind ja auch für uns eine Lebensgrundlage“, fügt Volker Schmale, der auch Vorsitzender des landwirtschaftlichen Stadtverbandes Rahden ist, hinzu. Denn schließlich stellten sie durch Bestäubung den Fortbestand von unzähligen Pflanzenarten und damit auch die menschliche Ernährung sicher.

Die Blütenstreifen am Ackerrand, aber auch entlang von Gräben und an Wäldern, steigerten darüber hinaus die Attraktivität der Region, indem sie das Landschaftsbild bereicherten. „Aber in erster Linie geben sie natürlich Insekten wie Wild- und Honigbienen, Hummeln oder Schmetterlingen Nahrung – und auch anderen Wildtieren wie Feldhase, Kiebitz und Rebhuhn Schutz und Aufzuchtflächen. Außerdem ernähren sich Vögel von den Samen“, erläutert Rainer Meyer.

Viele weitere Maßnahmen

Das Engagement der Bauern sei sehr groß, lobt der Vorsitzende. Die Blühstreifen seien aber nicht die einzigen Bemühungen der Landwirte, einen Beitrag zum Naturschutz zu leisten: Insgesamt würden allein die Landwirte im Kreis 1680 Hektar Ackerflächen und 140 Hektar Grünland für ökologische Zwecke zur Verfügung stellen – als Zwischenfrüchte für den Winter würden im Kreis noch einmal rund 7200 Hektar angelegt. „Außerdem gibt es viele weitere Maßnahmen, etwa Initiativen mit Jägern oder Imkern, aber auch Bienenweiden-Partnerschaften.“

Meyer macht darauf aufmerksam, dass die Landwirte bewusst auf ihren Ertrag zugunsten der Natur, Insekten und Wildtiere verzichteten. „Das Ganze ist mit erheblichen Aufwand für uns verbunden, den wir aber gern in Kauf nehmen“, betont Volker Schmale. Für die Bauern sei es oft eine Gratwanderung, Ertragserwerb und Umweltschutz zu vereinbaren, sagt er. „Wir beteiligen uns dennoch freiwillig an der Aktion, nur für die Natur“, fügt Mirko Schmale hinzu. Er wünscht sich, dass noch viel mehr Betriebe im Naturschutz aktiv werden. Die heimischen Bauern sind auch eigeninitiativ unterwegs: In Varl und Varlheide haben sie zusätzlich noch acht Hektar mit Hilfe von Sponsoren zu ökologisch wertvoller Fläche gemacht.

Manchmal Unverständnis

„Wir Landwirte leisten sehr viel für den Naturschutz im Vergleich zu anderen Initiatoren“, meint Rainer Meyer. Nicht immer stießen ihre Maßnahmen auf Verständnis: Wenn etwa Feldwege nicht früh gemäht oder gemulcht würden, um Lebewesen nicht zu töten und Lebenräume nicht zu zerstören, habe es schon Beschwerden von Spaziergängern gegeben, die dort nur noch schwer hindurch kämen, berichtetet Meyer. „Wir möchten aber der Natur mehr Raum geben und für diese Bemühungen auch in der Bevölkerung für Akzeptanz werben“, sagt der Vorsitzende.

Man habe anfangs noch viel Überzeugungskraft gebraucht, um die Initiative voranzubringen, erklärt Meyer.  „Anfangs waren die Berufskollgen eher zurückhaltend. Doch nun gibt es viel Zuspruch und wir können von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Ich bin stolz auf unsere Vorstände und auf den Verband für das Erreichte.“

Neu ist der Leindotter

Die Blühmischungen enthalten Pflanzen mit unterschiedlichen Blühzeitpunkten. „So blühen sie von Frühjahr bis Herbst und liefern den Tieren kontinuierlich Nahrung“, erläutert Holger Topp. Mit dabei sind unter anderem Malven, Schmuckkörbchen und Ringelblumen, aber auch Kräuter wie Dill und Koriander. Bewusst setzt man auf einjährige Arten: Bei mehrjährigen Pflanzen sei der Pflegeaufwand zu groß, außerdem würden mehrjährige Gräser die ökologisch wertvollen Blütenpflanzen schnell erdrücken. Das Saatgut enthält 16 Kulturarten. Neu ist der Leindotter als trockenheitsresistente Art – gerade im Rückblick auf die vergangenen Dürresommer ein nicht unwichtiger Aspekt.

Artenschutz gehe letztendlich alle an, waren sich die Beteiligen einig. „Jeder kann einen Beitrag leisten. Der Insektenrückgang hat viele Faktoren – zunehmender Flächenverbrauch, Verkehr, Umwelt- oder Lichtverschmutzung. Gemeinsam können wir etwas erreichen.“ Es gebe viele Möglichkeiten: Insektenfreundliche Stauden und Vogelschutzgehölze im Garten, Blühwiese statt Rasen oder auch Naturflächen im öffentlichen Raum.

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