Sophie Helker geht in die Luft: 15-Jährige besteht Ultraleichtflugzeug-Pilotin-Prüfung
Himmlische Herausforderung

Rahden (WB). Es ist schon eine Ansage, mit 15 Jahren allein in einem 16 Meter spannenden Segelflugdoppelsitzer den Bohmter Luftraum zu erkunden. Eine Mofa darf Sophie Helker aus Varl zwar fahren, das Auto ist noch tabu, zumindest im öffentlichen Straßenverkehr.

Donnerstag, 23.07.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 23.07.2020, 05:02 Uhr
Glücklich über ihre „himmlische“ Leistung: Sophie Helker (15) aus Rahden sitzt strahlend im Cockpit des Schulungsfliegers, mit dem kurz zuvor noch über den Wolken ihren ersten Alleinflug über Bohmte absolviert hat. Foto:
Glücklich über ihre „himmlische“ Leistung: Sophie Helker (15) aus Rahden sitzt strahlend im Cockpit des Schulungsfliegers, mit dem kurz zuvor noch über den Wolken ihren ersten Alleinflug über Bohmte absolviert hat.

Auf dem Flugplatz fährt sie allerdings „standesgemäß“ und legal einen Mercedes-Kombi, um Segelflugzeuge abzuschleppen. Dieses Fahrzeug ist den Fliegern vom Werk als Erprobungsfahrzeug kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Also eine Flugschulung mit eingelagerter Fahrschule? Ja stimmt, wobei als Jugendlicher eindeutig das Wort „Flug“ im Vordergrund steht.

Sophie Helker, Schülerin der Sekundarschule Rahden, hat ihren Vater Markus vor ein paar Jahren erstmals zum Flugplatz begleitet. Er hat im Luftsportverein Wittlage eine Ausbildung zum Ultraleichtpiloten durchlaufen und die Tochter saß oft an seiner Seite. Dabei hat sie dann auch hin und wieder den Steuerknüppel in die Hand genommen – und das harmlose Vorcorona-Virus „Flugfieber“ ist übergesprungen.

Bleikissen

Eine Segelflugausbildung können Jugendliche von 14 Jahren an beginnen und genau in diesem Alter fing Sophie an. Alle verfügbaren Gewichte mussten vorn an Vorrichtungen im Segelflieger eingebaut werden und unter dem Gesäß auch noch ein Bleikissen: Mit dem Fallschirm war der Beladeplan des Schulungsdoppelsitzers im grünen Bereich.

Nach intensiver Ausbildung und Übungen auch im Grenzbereich der Aerodynamik inklusive Trudeln und simulierten Seilrissen in allen Höhen während des Starts war es jetzt so weit. Die Fluglehrer Nils Fabig und Sören Klostermann waren sich einig: „Die schafft das!“. Bilderbuchwetter gab es inklusive. „Es herrscht immer eine besondere Stimmung während des Segelflugstarts, wenn ein Alleinflug ansteht“, wissen die Wittlager Luftsportler.  

Am anderen Ende des Flugplatzes erklomm ein erfahrener Windenfahrer das Steuerhaus der Elektrowinde. Aus 700 Volt Gleichstrom werden geregelte Drehströme an den Elektromotor verabreicht, das muss besonders bei Alleinflügen passen. Dann ging alles ganz schnell: Sophie saß allein im Flieger, Vater Markus lief aufgeregt herum. Mutter Martina blieb weit ab auf der Terrasse am Klubheim und verriet später, dass ihr Mann vor gut 15 Jahren bei Sophies Geburt auch so aufgeregt auf den Fluren vor dem Kreißsaal gewandelt sei… Das Seil straffte sich, ein Fluglehrer gab per Telefon die festgelegten Startkommandos an die Startwinde. Dann war Sophie auf sich gestellt und legte einen Windenstart hin, der nicht besser hätte sein können. Die Landung verzögerte sich allerdings, denn die Pilotin wurde von Thermikaufwinden weit über die Starthöhe getragen – doch auch das konnte sie regeln. Außerdem war sie dann doch nicht ganz allein in der Luft: Die drei Flugplatzjungstörche hatten sich mit anderen Jünglingen aus der Nachbarschaft verabredet und trainierten fleißig, Thermikaufwinde zu nutzen. Der ganze Flugbetrieb ist dem Storchennachwuchs untergeordnet. Dass Jungstörche zu Fuß am Sandkasten des Klubheims vorbeilaufen, ist hier normal.

Distelstrauch

„Kommst du bitte mal runter“, sagte ein Fluglehrer ins Mikrofon. Dann hieß es Höhe mit den Bremsklappen abbauen, an der Tragfläche wurde künstlich der Auftrieb zerstört: Das Spannende kam zum Schluss. Sophie setzte den Flieger so butterweich auf die Graspiste, dass ein Sprachwirrwarr des Lobes zu hören war.

Nun ist sie angekommen in der Fliegerwelt: Sophie Helker gehört jetzt zu den „Großen“. Der traditionelle Distelstrauch als Insignie des Alleinfliegers wurde ihr verliehen – allerdings durfte nur Vater Markus die Pilotin in den Arm nehmen. Auch am Fliegerlager der Wittlager Luftsportler in der Rhön in Saal an der Saale nimmt Sophie teil, um ihr Talent auszubauen.

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