Meierguss prüft Dreischichtbetrieb – Investitionen in Lärmschutz erforderlich
Anwohner wollen sich wehren

Rahden (WB). Das Unternehmen Meierguss in Rahden möchte auf längere Sicht seine Produktion steigern. Es gibt Überlegungen, den bisherigen Zwei-Schicht-Betrieb auf drei Schichten auszuweiten. Das entspräche einer Steigerung der bisherigen Produktionskapazitäten von knapp 68.000 Tonnen auf 100.000 Tonnen pro Jahr. Das bestätigte Geschäftsführer Marc Mateika auf Anfrage dieser Zeitung.

Mittwoch, 29.07.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 29.07.2020, 05:04 Uhr
Die Firma Meierguss in Rahden hat aufgrund ihrer Lage mitten in der Stadt immer wieder Schwierigkeiten mit den Immissionen. Es handelt sich ja eigentlich um Schwerindustrie. Foto: Nichau
Die Firma Meierguss in Rahden hat aufgrund ihrer Lage mitten in der Stadt immer wieder Schwierigkeiten mit den Immissionen. Es handelt sich ja eigentlich um Schwerindustrie. Foto: Nichau

Im Herbst – so sagte Mateika – seien die Überlegungen zum Strategieprozess vermutlich abgeschlossen. „Wir befinden uns erst im internen Prüfprozess. Wir haben auch noch keinen Antrag bei der zuständigen Bezirksregierung in Detmold gestellt“, sagte Mateika. Er hatte auch gute Nachrichten für die Anlieger parat: „Wenn wir diese Produktionssteigerung tatsächlich einführen sollten, würde dies zur Folge haben, dass wir bauliche Maßnahmen zur Lärmreduktion ergreifen müssten“, sagte er. Gehe man in die Nacht, dürfte das Unternehmen einen Lärmpegel von 40 Dezibel nicht überschreiten. „Das würde dann auch am Tage deutliche Verbesserungen für die Anlieger bedeuten“, sagte er. Zwar halte das Unternehmen derzeit schon die zulässige Tages-Lärmschwelle ein, doch würden sich deutliche Veränderungen ergeben, sicherte der Geschäftsführer zu.

Klar sei auch, dass man die Meier-typischen Lärmspitzen – etwa durch das Entladen der Lastwagen – dann auch nur auf den Tag beschränken müsse. Ob die Kapazitätserhöhung mit dem Lärmschutz tatsächlich betriebswirtschaftlich sinnvoll seien, werde noch ermittelt. „Wir wollen uns aber weiterentwickeln“, sagte Mateika.

Mit dem Einzug eines Teilstücks der Straße „Auf der Welle“ konnte das Unternehmen Fläche gewinnen und die Produktionsabläufe günstiger gestalten. Schon dieser Schritt blieb in der Rahdener Kommunalpolitik nicht ohne Widersprüche und heftige Diskussionen. Letztlich hatte der Erhalt der Arbeitsplätze und der Infrastruktur für die Politik den Ausschlag gegeben.

Rechtlich schwierig

Die Stadt Rahden ist rechtlich kaum an den internen Entwicklungen bei Meierguss beteiligt. Es ist die Bezirksregierung gefragt, wenn es um Genehmigungen und Veränderungen gehe. „Die Stadt Rahden wird zur Abgabe einer Stellungnahme aufgefordert“, sagte Bürgermeister Bert Honsel. Letztlich könne die Stadtverwaltung nur vorschlagen, was das Planungsrecht hergebe. „Wir können solche betrieblichen Änderungen nicht aus subjektiven Gründen verhindern“, meinte er.

„Bebauter Ortsteil“

„Rechtlich ist das Betriebsgrundstück Auf der Welle 5-7 im rechtsgültigen Flächennutzungsplan der Stadt Rahden als ‚gewerbliche Baufläche‘ dargestellt. Ein Bebauungsplan besteht für den gesamten Bereich des Betriebsgrundstückes nicht. Das Areal liegt folglich in einem ‚im Zusammenhang bebauten Ortsteil‘“, merkte Bauamtsleiter Dieter Drunagel an.

Als „subjektive Gründe“ gegen eine Ausweitung der Produktion könnte man etwa die Bedenken der Anlieger anführen: „Mein Haus ist vorn schwarz und hinten weiß“, sagt Irene Koch. Sie wohnt an der Langen Reihe in ihrem Geburtshaus aus dem Jahr 1930. „Damals gab es Meierguss noch nicht.“ Habe sie ihr Fenster auf Kipp, dringe der Koks- und Schrottstaub in das Schlafzimmer. „Trotz Berieselungsanlage, wenn die Lastwagen abgeladen werden.“

Mehr Rohstofftransporte

Für 100.000 Tonnen Produktion müsse eben auch vermehrt Schrott und Koks angefahren werden. „Alles über die Straße per Lastwagen. Und niemand setzt sich für uns ein“, meint Koch. Früher sei es Marion Spreen (SPD) gewesen, die ein offenes Ohr für die Anwohner gehabt habe. „Nachts wird hier dann auch Lärmbelastung durch die Produktion da sein“, befürchtet die Anwohnerin.

„Alle schreien, wenn es um die Arbeitsplätze bei Meierguss geht, aber unsere Gesundheit zählt nicht“, meint sie. Für die Sorgen der Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze habe sie Verständnis. Man müsse aber beizeiten etwas gegen die Pläne des Unternehmens tun, sagt sie. „Wir werden uns zusammentun und besprechen, welche Möglichkeiten wir haben.“

„Wir kämpfen ja seit Jahren gegen Meier, auch als es um die Werksstraße ging“, sagt Willi Sander, ebenfalls Anlieger an der Langen Reihe. Auch er spricht von einer „schwarzen Schicht“, die sich an bestimmten Tagen über Gartenmöbel, Tischdecken und Pflanzen lege. „Von den ständig verschmutzten Fenstern reden wir schon nicht mehr“, sagt er. Früher habe Meierguss sogar eine Reinigungsfirma beauftragt, um die Fenster der Anlieger zu säubern. „Es ist ein wenig besser geworden. Aber wenn man hier die Produktion steigern will, dann müssen wir eben in diesem Umfang auch mit mehr Verschmutzung, Lärm und Gerüchen rechnen“, meinte Sander auf Anfrage.

Durchaus habe man die Gründung einer Bürgerinitiative in Betracht gezogen. Noch in dieser Woche solle es eine Versammlung geben, deutete Sander an.

Ein KOMMENTAR von Michael Nichau

Wird die Stadt Rahden mit Blick auf die zahlreichen betroffenen Anwohner ringsherum die Absichten der Firma Meierguss erneut so leicht akzeptieren wie einst die Werksstraße?

Letztlich gehen ja von dem Unternehmen Immissionen aus, und das nicht gerade geringfügig, wenn man den Anliegern Glauben schenken darf. Eine Schmierschicht auf den Gartenmöbeln zu entfernen, wenn man draußen sitzen möchte, ist schon eine Zumutung.

Und die Anlieger bleiben ja nicht die einzigen, die betroffen sein werden. Knapp 400 Meter entfernt entsteht an der Weher Straße (bei Neise) ein neues Baugebiet: Neue Anlieger, die sich bei Ostwind über Geruch und Staub freuen dürfen. Denn auch die Anlieger im Bereich nordwestlich der Weher Straße merken deutlich den Betrieb bei Meierguss. Dort liegt zudem das Schulzentrum.

Wenn man die Produktion erhöht, dann erhöhen sich auch die Immissionen des Betriebes, und das dann auch noch rund um die Uhr. Hier muss auch die Stadt Rahden ihre rechtlichen Möglichkeiten abklopfen, auch wenn es um Arbeitsplätze und Gewerbesteuer für die Stadt geht.

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