Besuch bei Meier-Guss: „Betrieb leidet unter gesetzlichen Umweltabgaben“
Abgeordnete wollen helfen

Rahden (WB). „Die Firma Meier-Guss ist einer der größten Schrottverwerter von metallischen Abfällen aus dem gelben Sack in Deutschland“, heißt es von SPD-Politiker Achim Post.

Dienstag, 01.09.2020, 02:00 Uhr
Besichtigungstermin (von links): Marc Mateika, Andreas Rehmer (Geschäftsführer), Achim Post (MdB), Ernst-Wilhelm Rahe (MdL), Ulf Kramer (Betriebsratsvorsitzender Eisengießerei), Udo Högemeier (Bürgermeisterkandidat SPD) und Michael Meier (Betriebsrat Verkauf). Foto:
Besichtigungstermin (von links): Marc Mateika, Andreas Rehmer (Geschäftsführer), Achim Post (MdB), Ernst-Wilhelm Rahe (MdL), Ulf Kramer (Betriebsratsvorsitzender Eisengießerei), Udo Högemeier (Bürgermeisterkandidat SPD) und Michael Meier (Betriebsrat Verkauf).

„Wir machen aus Konservendosen Gullydeckel“, erläuterte Dr. Marc Mateika von der Geschäftsführung der Eisengießerei Heinrich Meier den Wertstoffkreislauf, in dem das Rahdener Traditionsunternehmen sich als feste Größe sieht.

Doch beim Besuch der heimischen SPD-Politiker Achim Post, Ernst-Wilhelm Rahe und Udo Högemeier ging es nicht um die tonnenschweren Produkte der Firma, sondern um den Klimaschutz und die Folgen für das Unternehmen.

Geschäftsführer Mateika: „Die Reduktion der CO2-Emissionen hat einen hohen Stellenwert für unsere unternehmerischen Planungen. So investieren wir aktuell in die Optimierung der Verbrennungsprozesse und streben damit eine Reduktion des Kohlendioxidausstoßes um 20 Prozent in den nächsten drei Jahren an. Weitere Schritte wie der Einsatz von Biokoks und CO2-Filtersystemen sind aber noch abhängig von Forschung und Verfügbarkeit dieser Lösungen. Daher ist das Ziel einer CO2-neutralen Gießerei noch weit in der Ferne.“

An der aktuellen Gesetzgebung kritisiert Dr. Mateika die unterschiedlichen Abgabenberechnungen für die CO2-Abgaben: „Während unsere Hauptwettbewerber in China und Indien überhaupt keine Umweltabgaben zahlen, werden auch in Europa noch verschiedene Berechnungen durchgeführt.“

Denn neben Schrott benötigt die Gießerei auch Koks zum Aufkohlen für den Guss. „Nach europäischem Recht, wie es für den Standort Rahden gilt, wird dieser Koksanteil bei der CO2-Abgabe herausgerechnet. Für den kleineren Standort Limburg der Meier-Gruppe hingegen wird dieser Anteil als Verbrennung besteuert.“

Als Folge dieser unterschiedlichen Abgabenberechnungen werden an dem kleineren Standort Limburg nach deutschem Recht über 500.000 Euro CO2-Abgabe pro Jahr fällig, am deutlich größeren Standort Rahden nach europäischer Rechtsgrundlage hingegen 250.000 Euro.

„Das ist offensichtlich eine Wettbewerbsverzerrung, die konkret Unternehmensstandorte und Arbeitsplätze bedroht. Die Auswirkungen auf die Nischenindustrie Gießereiprodukte bedürfen einer Korrektur. Da müssen wir als Abgeordnete gemeinsam mit dem Berufsverband und der Gewerkschaft auf die Bundesregierung und die Landesregierungen in NRW und Hessen zugehen und eine Korrektur anstreben“, ziehen Achim Post, Ernst-Wilhelm Rahe und Udo Högemeier als Ergebnis aus dem Unternehmensbesuch.

Stellungnahme

Im Nachgang zur Besichtigung fragte diese Zeitung beim Bundespolitiker Achim Post nach, wie er zur Ausweitung der Produktion der Firma Meier-Guss und zur Einführung einer Nachtschicht stehe. Immerhin steht der Betrieb in heftiger Kritik, was Lärm.- und Staubentwicklung in der Nachbarschaft angeht. Post ging auf Anfrage dieser Zeitung nicht konkret auf die Bürgerproteste ein und schickte folgendes Zitat: "Innerbetriebliche Fragen werden in der Regel zunächst vor Ort zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat geklärt. Als heimischer Abgeordneter setze ich mich bei der Gesetzgebung im Deutschen Bundestag dafür ein, dass es für Betriebe und Beschäftigte in Minden-Lübbecke Chancengleichheit in Deutschland und Europa gibt.“

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