Neues Aktionsbündnis wehrt sich gegen Produktionserweiterungspläne von Meierguss
„Mehr Belastungen nicht zu ertragen“

Rahden (WB/weh). Gegen die Ausweitung der Produktion beim Rahdener Industriebetrieb Meierguss am Rande der Innenstadt formiert sich immer stärkerer Widerstand. Um ihre Position als Anwohner besser vertreten zu können, hat sich nun Mitte September das Aktionsbündnis „Lebenswertes Rahden“ (Kurz AB-LR) gegründet. Gründungsmitglied Marion Spreen wurde als erste Vorsitzende gewählt. Daniela Ortgies komplettiert den Vorstand als ihre Stellvertreterin.

Dienstag, 29.09.2020, 16:44 Uhr aktualisiert: 29.09.2020, 16:46 Uhr
Es dampft: Im Umfeld der Eisengießerei Meierguss (Hintergrund) gibt es viel Wohnbebauung. Das Aktionsbündnis sorgt sich wegen des Lärms und der Emissionen des Unternehmens, falls dort die dritte Schicht eingeführt werden sollte. Foto: Dieter Wehbrink
Es dampft: Im Umfeld der Eisengießerei Meierguss (Hintergrund) gibt es viel Wohnbebauung. Das Aktionsbündnis sorgt sich wegen des Lärms und der Emissionen des Unternehmens, falls dort die dritte Schicht eingeführt werden sollte.

„Die Belastungen durch die Schwerindustrie mitten in der Stadt Rahden sind für die Anwohner bereits heute an manchen Tagen nicht zu ertragen“, begründet das Aktionsbündnis die Initiative. „Dazu kommt die – in diesem Sommer vom Meierguss-Geschäftsführer Marc Mateika bestätigte – Überlegung, dass es Planungen zur Ausweitung der Produktion von 68.000 Tonnen auf 100.000 Tonnen pro Jahr sowie die Einführung eines Drei-Schicht-Betriebs gibt.“ Ein entsprechender Genehmigungsantrag sei allerdings bislang – nach bisheriger Kenntnis des Aktionsbündnisses – nicht gestellt worden. (Anm. der Red: federführend wäre hierfür die Bezirksregierung in Detmold)

„Anwohner werden hingehalten”

„Seit Jahren werden wir mit Beschwichtigungen und schönen Reden hingehalten. Echte Unterstützung für unsere Anliegen und Sorgen gab es kaum. Daher müssen wir selber das Heft des Handelns in die Hand nehmen“, kündigt Marion Spreen an. „Die unsägliche Salamitaktik muss ein Ende haben. Das Debakel um die Werkstraße hat gezeigt: Man kann und darf sich leider nicht auf das Wort des Unternehmens verlassen“, kritisiert die Bündnis-Vorsitzende.

Während der Debatte um die Vergrößerung des Betriebsgeländes im Jahr 2018 und der mittlerweile vollständig gesperrten Straße „Auf der Welle“ sei den Anwohnern noch versprochen worden, dass es zu keiner Ausweitung der Produktion komme werde: „Wir brauchen eine Klärung ob die massive Erweiterung der Produktion mitten in der Stadt überhaupt statthaft ist“, fordert Spreen. Schon im Genehmigungsbescheid aus dem Jahr 1987 stehe, dass die Firma Meierguss zwar Bestandsschutz genieße, aber nur Anpassungen und Veränderungen erlaubt seien, die nicht zu einer erheblichen Veränderung oder Vergrößerung der baulichen Anlage führen, sagt Spreen.

Kontakte zu Umweltverbänden

„Wir brauchen dringend eine Versachlichung der Debatte“, meint die zweite Vorsitzende Daniela Ortgies: „Die Gesundheit und die Lebensqualität der Rahdener Bürgerinnen und Bürger und ein Recht auf eine gesunde Umwelt sind genauso wichtig wie der Erhalt der Arbeitsplätze. Seit Jahren müssen wir immer mehr Einbußen hinnehmen. Damit muss endlich einmal Schluss sein. Wir werden für ein lebenswertes Rahden streiten. Als Bewohner im Stadtteilgebiet Ost sind wir keine Menschen zweiter Klasse“, sagt Ortgies. „Einerseits wird über mehr Klimaschutz, Tourismus und das neue Naherholungsgebiet in Rahden gesprochen und zeitgleich gibt es die Überlegungen, die Schwermetallindustrie in der Rahdener Innenstadt zu erweitern. Das passt irgendwie nicht zusammen.“ Das Aktionsbündnis will zeitnah einen Forderungskatalog erarbeiten. „Wir überlegen auch, eigene Infoveranstaltungen zu machen“, kündigt Spreen an. Erste Kontakte zu Umweltverbänden wurden bereits geknüpft. „Wenn der Antrag auf eine Erweiterung kommt, werden wir gerüstet sein“, kündigen die Vereinsmitglieder an.

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