Invasiver Japanischer Knöterich verdrängt heimische Pflanzen – schwer zu bekämpfen
Das Unheil wächst am Straßenrand

Kleinendorf (WB). Die Pflanze, die sich nahe des Kleinendorfer Kreuzes (B 239) an der Brücke der Großen Aue breit macht, wirkt unauffällig, wenn nicht gar hübsch. Grüne Blätter, weiße Blüten – nichts deutet darauf hin, dass sich hier ein großes Problem für Umliegende andeutet. Was dort so üppig sprießt, ist der gefürchtete Japanische Staudenknöterich (lat. Fallopia japonica) – eine invasive exotische Pflanzenart, die Naturschützern und Behörden viel Kopfzerbrechen macht.

Samstag, 17.10.2020, 02:22 Uhr aktualisiert: 17.10.2020, 02:40 Uhr
Fast bis an den Radweg der Lemförder Straße am Kleinendorfer Kreuz ist der Japanische Staudenknöterich schon gewachsen. Doch auch an anderen Stellen im Stadtgebiet verdrängt der schwer bekämpfbare botanische Zuwanderer heimische Pflanzen. Foto: Dieter Wehbrink
Fast bis an den Radweg der Lemförder Straße am Kleinendorfer Kreuz ist der Japanische Staudenknöterich schon gewachsen. Doch auch an anderen Stellen im Stadtgebiet verdrängt der schwer bekämpfbare botanische Zuwanderer heimische Pflanzen.

Der Knöterich, der in China, Japan und Korea weit verbreitet ist, gelangte schon im 19. Jahrhundert durch gezieltes Anpflanzen in Gärten nach Deutschland. Von dort wilderte er sich in die Natur aus – mit verhängnisvollen Folgen. Der Knöterich ist zwar ungiftig, bildet aber mittels eines extrem robusten unterirdischen Rhizomgeflechts, aus denen ständig neue Pflanzen sprießen, in kurzer Zeit einen dichten mannshohen Wald. Er nimmt heimischen Pflanzenarten das Licht und lässt sie absterben.

Kompletter Bodenaustausch

Besonders fatal: Die Bekämpfung des Knöterichs ist extrem schwer bis unmöglich. Der oberirdische Teil der Pflanzen zieht sich nach dem ersten Frost im Winter in die Wurzeln zurück – und die liegen sehr tief in der Erde. „Um sie vollständig zu entfernen, ist ein kompletter Bodenaustausch von mindestens einem Meter Tiefe erforderlich – bei alten Beständen zum Teil bis zwei Meter“, weiß die Landwirtschaftskammer. „Gerade dieser mit Rhizomen belastete Boden muss dann entsorgt werden und darf nicht als Mutterboden wieder auf andere Flächen verteilt werden.“ Der Knöterich hat nämlich die unangenehme Eigenschaft, dass kleinste Teile eines Stängels oder eines Rhizoms ausreichen, damit die Pflanze neue Bestände bilden kann.

Das ist auch der Grund für die rasante Ausbreitung dieses invasiven botanischen Zuwanderers. Kleine Pflanzenteile werden zum Beispiel in Flusslandschaften wie der Aue-Renaturierung angeschwemmt und können im Uferbereich anwachsen. Dann bilden sie in kürzester Zeit dichte Bestände. An Bahndämmen, an Bahnhöfen und an Straßen findet man den Knöterich auch, weil beim Transport von abgemähten Pflanzenteilen leicht mal etwas herunterfällt. Stark ausgebreitet hat sich die Pflanze beispielsweise am Mittellandkanal in Bohmte am ehemaligen Kanalumschlag. Der Knöterich ist mittlerweile bundesweit ein Problem, selbst auf abgelegenen Inseln wie Sylt.

Anfragen häufen sich

Eine chemische Bekämpfung ist wegen der Giftigkeit wirksamer Stoffe nicht möglich – oder nur mit streng regulierten Ausnahmen bei extremen Vorkommen. „Folglich häufen sich Anfragen zur Bekämpfung der Staudenknöteriche“, schreibt die Landwirtschaftskammer. „Die meisten Anfragen werden aber erst gestellt, wenn sich dieser invasive Neophyt schon flächig ausgebreitet und dominante Bestände gebildet hat. Dann ist eine Bekämpfung sehr schwierig und wird nur selten durchgeführt.“

Umso wichtiger sei es daher, durch Aufklärung und achtsamen Umgang einer massiven Ausbreitung dieser Problempflanzen vorzubeugen. Auf keinen Fall sollten Staudenknöteriche gezielt angepflanzt werden.

Wenige Meter neben der Dümmerpromenade in Hüde haben die Behörden befallene Stellen mit einer schwarzen Folie abgedeckt. Fehlendes Licht hindert den Knöterich tatsächlich am Austreiben. Allerdings muss die Folie einige Jahre liegen bleiben und darf keine Löcher bekommen. Dieses Verfahren ist daher langwierig, aufwändig und wegen des massenhaften Auftretens der invasiven Pflanze nur punktuell möglich.

Nicht giftig

Auch das Umweltamt des Kreises Minden-Lübbecke kennt das Problem. „Der Japanische Knöterich sollte grundsätzlich bekämpft werden, damit die einheimische Vegetation nicht verdrängt wird – was bei dieser Pflanzenart aber nicht ganz einfach ist“, räumt Sabine Ohnesorge, Pressesprecherin der Kreisverwaltung, ein. Der Kreis empfehle verschiedene Methoden: regelmäßige Mahd oder Beweidung, ingenieurbiologische Bauweisen an Ufern größerer Fließgewässer oder die .Anlage einer Weidenspreitanlage. Letztere besteht aus einer bodendeckenden Lage aus austriebsfähigen elastischen Weidenästen an Ufern. Die Weiden behindern das Nachwachsen des Knöterichs und dienen gleichzeitig dem Hochwasserschutz.

Anders als andere invasive Arten ist der Japanische Knöterich nicht giftig oder gesundheitsschädigend, betont Ohnesorge. „Die Pflanze ist sogar essbar. Dazu gibt es sogar Rezepte. Sie ist auch als Heilpflanze bekannt. Nur ist sie eben nicht einheimisch.“

Rhizome zerstören Mauerwerk

Aufgrund des Klimawandels gehe das Umweltamt des Kreises davon aus, dass sich der Knöterich weiter verbreitet. „Daher sind auch die Eigentümer von betroffenen Grundstücken gut beraten, rechtzeitig durch geeignete Bekämpfungsmaßnahmen gegenzusteuern“, appelliert Ohnesorge an die Bürger. Rhizome der Knöterich-Sippen können übrigens auch in kleine Ritzen von Mauerwerk eindringen und diese durch ihr Dickenwachstum sprengen.

Hat sich die Pflanze auf Privatgrundstücken erst mal breit gemacht, dann ist eine regelmäßige Mahd alle drei bis Wochen notwendig, damit die mehr als mannshohen Pflanzen überirdisch nicht Oberhand nehmen. Und wieder gilt nach Angaben der Landwirtschaftskammer ein extrem sorgfältiger Umgang mit dem Schnittgut: „Es gilt unbedingt, dass Rhizom- oder Sprossteile keine Möglichkeit zum Austreiben bekommen.“

Neuerdings gibt es Versuche, mittels einer Lanze heißen Wasserdampf in die Erde zu bringen, um Wurzeln und Rhizome absterben zu lassen. Das ist ebenfalls aufwändig und teuer. Behörden sind noch skeptisch, ob dies eine langfristig effektive Bekämpfungsmethode sein könnte.

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