Außer-Haus-Verkauf in der Gastronomie lohnt sich nur an Wochenenden – Wirte hoffen auf Öffnung
Die Küche läuft „auf Sparflamme“

Rahden -

Seit November treffen die Schließungen wegen der Corona-Pandemie auch die heimische Gastronomie.

Mittwoch, 03.02.2021, 09:52 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 09:54 Uhr
Die Kunden brauchen die Gaststätte nicht betreten: Ramona Araujo gibt die Speisen in Einwegverpackung durch ein Fenster. Bald gibt es Pickert. Darauf weisen die Tafeln hin. Araujo sagt den Gästen Dank für ihre Treue auch während der schweren Zeit.
Die Kunden brauchen die Gaststätte nicht betreten: Ramona Araujo gibt die Speisen in Einwegverpackung durch ein Fenster. Bald gibt es Pickert. Darauf weisen die Tafeln hin. Araujo sagt den Gästen Dank für ihre Treue auch während der schweren Zeit. Foto: Michael Nichau

Mehrere Monate geschlossen? Wie geht es weiter? Haben die Gelder der Bundesregierung geholfen? Fragen, die stellvertretend zwei Rahdener Gastronomen beantworten können:

Ramona Araujo hat erst vor knapp einem Jahr die Gaststätte „Am Museumshof“ übernommen. Alles neu, neue Pächterin, neues Konzept. Und dann kam Corona.

„Wir vermissen den persönlichen Kontakt zu den Gästen“, sagt Araujo, die bis auf den Koch alle Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt hat. „Ohne dieses Instrument hätten wir Kündigungen aussprechen müssen“, sagt sie.

Gemeinsam mit dem Koch hält sie ein kleines Außer-Haus-Angebot bereit. „Er kocht, ich bediene den Fensterverkauf“, erläutert Araujo. „Man muss die Personalkosten und die laufenden Kosten für das riesige Lokal im Auge behalten. Da wird schon mal in anderen Räumen das Licht ausgeschaltet und weniger geheizt.“

Das alles sei der Versuch, den Kontakt zu den Kunden zu halten. „Nicht einfach“, kommentiert Araujo. „Es ist knapp ein Jahr her, dass wir eröffnet haben. Ich weiß gerade, wo es mit dem Betrieb langgeht und dann schlägt Corona zu. Der Saal ist seit dieser Zeit nicht mehr genutzt. Das Restaurant läuft mit dem ‚To-Go‘-Verkauf auf Sparflamme“, bilanziert sie.

Von Freitag bis Sonntag laufe die Aktion, bei der Kunden telefonisch vorbestellen und das Essen dann abholen können: Hausmannskost, regionale Spezialitäten, eine reduzierte Karte. „Das ist notwendig, denn wir können uns nicht zu viele Lebensmittel auf Lager legen“, sagt Araujo. Unter der Woche bringe dieser Verkauf zu wenig.

Sie setzt darauf, dass vielleicht ab Frühjahr/Sommer wieder Leben in die Gaststätte kommen wird. Auch Veranstaltungen soll es dann wieder geben. „Das Krimi-Dinner haben ich auf März verschoben. Ob das schon klappt, weiß ich nicht. Und die ‚Mindener Stichlinge‘ sind generell für nächste Jahr umgebucht“, erklärt Araujo.

Sie befürchtet auch, dass die Menschen – sobald die Gastronomie wieder geöffnet hat – Bedenken haben könnten, sich möglicherweise anzustecken.

„Wir müssen den Lockdown jetzt durchhalten“, sagt Rainer Benk, Geschäftsführer des Hotels „Westfalen Hof“. „Dieses Hin und Her hilft uns nicht weiter“, meint er. Derzeit laufe das Hotel im Notbetrieb, stelle Zimmer für Geschäftsreisende zur Verfügung. Benk spricht von 80 bis 90 Prozent Umsatzrückgang.

Für die Gäste und externe Kunden halte man ein beschränktes Speisenangebot bereit. „Beim ersten Lockdown haben wir noch aktiv den Außer-Haus-Verkauf betrieben. Jetzt haben wir das reduziert: Kunden können auf der Homepage aussuchen, telefonisch bestellen und dann Speisen abholen“, erläutert der Westfalen Hof-Chef. Das sei allerdings nur an Wochenenden sinnvoll. „In der Woche wird so etwas kaum nachgefragt und es lohnt sich nicht, dies anzubieten.“

Bei der Restaurant-Schließung im November hatte Benk noch die Ansicht vertreten, der Außer-Haus-Verkauf würde sich rechnen. „Es ist ein Zubrot“, sagt er. „Doch wirklich lohnen tut sich so etwas in unserer Gegend nicht. Mehr-Gänge-Menüs werden nicht wirklich nachgefragt. Pizza- und Bringdienste kommen da eher bei den Kunden an“, meint er.

Letztlich müsse man das „To-Go“-Angebot auch auf maximal fünf Gerichte beschränken, meint Benk, der auch eine Beratungsfirma für Restaurants betreibt.

„Die Hilfen für die Restaurants (Novemberhilfe) sind angekommen. Verspätet, aber sie sind da. Letztlich jammern wir auf hohem Niveau, denn durch diese Hilfen können wir tatsächlich weiter bestehen. Ja, klar muss man Formulare ausfüllen und das geht den bürokratischen Gang. Zusammen mit Kurzarbeit hilft das aber der Branche über den Berg“, hofft er.

Er gehe davon aus, Ende März vielleicht mit den schon bestehenden Abstands- und Hygienevorschriften wieder an den Start gegen zu können. „An Jahresversammlungen mit 50 Personen wird noch nicht zu denken sein.“

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