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Do., 12.06.2014

Leverner Betrieb feiert Jubiläum – Tag der offenen Tür – Aktionen für Kunden  100 Jahre Fachgeschäft Culemann 

Sabine, Lisa und Gerd-Wilhelm Culemann mit dem Meisterbrief des Schuhmachermeisters.

Sabine, Lisa und Gerd-Wilhelm Culemann mit dem Meisterbrief des Schuhmachermeisters.

Von Sandra Reuter

Levern (WB). Der rote Elefant hat schon Generationen beim Schuhkauf begleitet. Seit 1965 steht das Holztier im Verkaufsraum des Schuhfachgeschäfts Culemann an der Hügelstraße in Levern und lädt die kleinen Kunden zum Schaukeln ein.

 »Wir haben schon überlegt, ihn zu ersetzen«, sagt Sabine Culemann. »Aber das geht eigentlich gar nicht.« Schließlich sind viele Leverner mit dem hölzernen Zeitzeugen groß geworden und freuen sich heute, die eigenen Kinder auf dem Tier spielen zu sehen.

 Als das Geschäft gegründet wurde, gab es freilich noch keinen Schaukelelefanten. Und auch sonst war einiges anders. Dass das Schuhhaus bereits 1914 bestanden hat, hat die Gemeinde Stemwede Familie Culemann Mitte der 90er Jahre bestätigt. Der damalige Gemeindeheimatpfleger und ehemalige Gemeindedirektor Heinz Redeker hatte im Archiv gestöbert und Belege dafür gefunden.

 »Das genaue Gründungsdatum ist nicht bekannt, denn die alten Unterlagen wurden während des Krieges 1945 vernichtet«, sagt Gerd-Wilhelm Culemann, der das Schuhhaus mit seiner Frau Sabine in dritter Generation führt. So viel aber steht fest: Der Großvater des heutigen Inhabers, Schuhmachermeister Wilhelm Culemann (geboren 1887), legte den Grundstein und führte das Geschäft bis in die 1950-er Jahre. Schwerpunkt waren zu Beginn klassische Werkstattarbeiten und die Anfertigung von Schuhen.

 Schwere Zeiten brachen im Zweiten Weltkrieg auch über Levern herein. 1945 brannten viele der Gebäude an der Hügelstraße nieder, und auch vom Schuhmacherbetrieb blieb nichts übrig. Nachdem der Sohn des Gründers, Karl Culemann, aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, machte er sich gemeinsam mit seinem Vater und Schwester Sophie daran, das Geschäft wieder aufzubauen.

 »Das ganze Dorf war kaputt, und die Mittel natürlich begrenzt«, weiß Sabine Culemann. Und so wurden alte Steine abgeklopft und wiederverwendet, neues Baumaterial eigenhändig aus der Ziegelei beschafft. 1947 konnte die Familie das Schuhhaus wiedereröffnen.

 »Es gab zu dieser Zeit nicht viel Auswahl, doch die Leute waren mit dem zufrieden, was sie bekamen«, sagt Seniorchefin Lisa Culemann, die den Betrieb mit Ehemann Karl 1954 vom Gründer übernahm. Von der Hochzeit – sie wurde 1951 gefeiert – bis vor wenigen Jahren hat die heute 87-jährige gebürtige Twiehausenerin mit im Geschäft gestanden.

 Die Anfertigung von Schuhen wurde nach dem Krieg eingestellt, die Ware kam nun »von der Stange«. Das war für Culemanns mit einigen Strapazen verbunden: »Mein Großvater musste mit dem Fahrrad zum Bohmter Bahnhof fahren, um von dort zum Osnabrücker Großhandel zu gelangen«, erzählt Gerd-Wilhelm Culemann.

 Nach der Geschäftsübergabe 1954 blieb Wilhelm Culemann nicht untätig. »Dass er sich ganz zurückzieht, war für ihn gar nicht denkbar«, sagt Lisa Culemann. Bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1976 wirkte der alte Schuhmachermeister noch im Tagesgeschäft mit und arbeitete in der Werkstatt.

 Die anfangs sehr kleine Verkaufsfläche wurde ständig erweitert – heute umfasst sie 90 Quadratmeter. In der Nachkriegszeit war nicht wie heute die Mode, sondern die Haltbarkeit der Schuhe entscheidend. Man besaß in der Regel ein Paar für den Alltag und ein gutes »Sonntagspaar« – und die wurden so lange ausgebessert, bis es nicht mehr ging.

 Auch heute repariert Gerd-Wilhelm Culemann Schuhe in der eigenen Werkstatt. Für den gelernten Groß- und Außenhandelskaufmann war früh klar, dass er das Geschäft, das sein Großvater gründete und sein Vater weiterführte, einmal übernehmen würde. 1990 war es dann soweit.

 Ein Jahr später stieg auch Ehefrau Sabine mit ein – und musste sich das Vertrauen der Stammkunden erst erarbeiten. »Anfangs haben sie meistens nach meiner Schwiegermutter gefragt«, blickt sie lachend zurück. Schuhmachermeister Karl Culemann hatte sich bereits 1987 zurückgezogen, blieb aber, solange es die Gesundheit zuließ, in der Werkstatt aktiv. Vor zwei Jahren ist der Seniorchef verstorben.

 Die Konkurrenz durch Discounter und Internet spüren auch Culemanns. »Doch bislang haben wir alle Anforderungen gemeistert und konnten dort bestehen, wo viele andere kleine Familienbetriebe schließen mussten. Die Kunden sind uns immer treu geblieben.« Das liegt wohl auch daran, dass Culemanns immer Spaß an ihrem Beruf hatten und stets Teil des Dorflebens waren.

 In Zukunft möchten sie fortführen, was das Familienunternehmen schon seit 100 Jahren tut: Schuhmode für die ganze Familie anbieten, wobei Qualität und Beratung im Vordergrund stehen. Unterstützt wird das Ehepaar von einer Aushilfe – zehn Jahre lang war das Ulla Spethmann, heute ist Birgit Wessel mit dabei.

 Ob Tochter Lena (21) oder Sohn Lars (17) das Geschäft einmal übernehmen werden, steht noch in den Sternen. »Aber schließlich haben wir ja auch noch ein paar Jahre bis zur Rente«, sagt Sabine Culemann.

 Zum Jubiläum gibt es von heute an bis zum 28. Juni besondere Aktionen, und für Samstag, 14. Juni, lädt Familie Culemann zum Tag der offenen Tür ein. In der Zeit von 10 bis 18 Uhr gibt es einen Imbiss, Getränke und die Möglichkeit, am Glücksrad zu drehen.

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