Pickert ist der Renner – Altmaschinenfreunde führen Sägegatter vor – ohne Heizer kein Kuchen 
Leverner eröffnen Mühlensaison 

Stemwede-Levern (WB). Gleich der erste Mühlentag der Saison in Levern ist ein Erfolg gewesen. Bei hervorragendem Wetter haben die Besucher traditionell selbst gemachten Pickert genossen. Auf dem Mühlengelände ließ sich zudem der gesamte Prozess »vom Korn zum Brot« nachvollziehen.

Mittwoch, 08.04.2015, 04:01 Uhr aktualisiert: 08.04.2015, 15:15 Uhr
Bei bestem Wetter haben die Besucher des ersten Leverner Mahl- und Backtages der Saison leckeren Pickert und Kuchen genossen. Tausende werden...
Bei bestem Wetter haben die Besucher des ersten Leverner Mahl- und Backtages der Saison leckeren Pickert und Kuchen genossen. Tausende werden bis zum Saisonende an den regelmäßigen Aktionstagen erwartet.

 Aufgrund der positiven Resonanz und der großen Nachfrage nach dem Pickert im September hatten sich die Helfer entschieden, eine weitere Veranstaltung dieser Art zu organisieren. Hierfür wurden neben Eiern, Mehl, Sahne und anderen Zutaten mehr als 150 Kilogramm Kartoffeln zu der heimischen Spezialität verarbeitet.

 Traditionell wird Pickert überwiegend in den Wintermonaten gegessen. Die Saison endet üblicherweise im März, obwohl die Speise heute eigentlich ganzjährig zubereitet werden könnte. In früheren Zeiten jedoch gab es keine Möglichkeit zur kühlen Lagerung der Kartoffeln, so dass diese – nach der Ernte im Herbst – spätestens im Frühjahr zu welken begannen. Obwohl dies dank moderner Kühlhäuser heute kein Thema mehr ist, backte der Mühlenverein – der Tradition entsprechend – jetzt zum letzten Mal nach Ende des Winters Pickert.

 Neben dem Verkauf dieser Speise offerierte der Aktionstag zahlreiche andere Angebote. So wurde der neue Steinbackofen befeuert, um darin Kuchen für die Besucher zu backen. »Sechs bis sieben Stunden dauert der Heizungsprozess«, erzählte »Heizer« Herve Guennoc. Diese Arbeitszeit stehe natürlich in keinem Verhältnis zur eigentlichen Backzeit.

 Im Sägegatter des Geländes führten die Altmaschinenfreunde vor, wie mit einer der ersten motorisch betriebenen Maschinen dieser Art ein Baumstamm zugeschnitten wurde. Weitere Maschinen konnten sich die Besucher in der Landtechnik-Ausstellung anschauen. Erklärungen zu den Geräten und deren Entwicklung gaben ebenfalls Mitglieder der Altmaschinenfreunde. »Die Gruppen auf unserem Gelände pflegen eine enge Zusammenarbeit«, freute sich der Vorsitzende des Mühlenvereins, Friedrich Klanke.

 Die Mühle selbst als Hauptattraktion des Geländes wurde ursprünglich 1922 auf dem drei Kilometer entfernten Hof Kolthoff in Niedermehnen erbaut und dort bis 1958 betrieben. 1979 transportierten Helfer die im holländischen Stil erbaute Mühle dann nach Levern, um sie dort für künftige Generationen zu erhalten. Der Mühlenturm konnte damals in einem Stück umtransportiert werden. Das noch gut erhaltene Turmgerüst erhielt eine neue Verbretterung und neue Schindeln aus Eichenholz. Komplett erneuert werden musste allerdings die stark verfallene Galerie. »Der Mühlenturm des Galerie-Holländers ist als hölzerner Sechskant ausgebildet und im Kreisgebiet einmalig«, betonte Friedrich Klanke.

 Ungewöhnlich ist auch der Zeitpunkt des Neubaus der Mühle im Jahr 1922. Zu dieser Zeit wurden bereits andere Windmühlen auf Motorkraft umgerüstet.

 Mit der im Erdgeschoss der Mühle vorhandenen vertikalen Antriebswelle konnte seit Mitte der 30-er Jahre des vorigen Jahrhunderts in windschwachen Zeiten der Schrotgang mit einem Deutz- Motor angetrieben werden. Dieser ist noch vorhanden und im bäuerlichen Museum ausgestellt.

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