Filmverleih fordert viel Geld: Kleine Lichtspielhäuser zeigen die »Avengers« nicht – Karl-Heinz Meier aus Lemförde koordiniert Streik
Kinos boykottieren Disneys »Avengers«

Quernheim/Espelkamp (WB). Wer in den kommenden Wochen den Film »Avengers – Age of Ultron« sehen möchte, muss schon weit fahren. Die Kinos im Altkreis Lübbecke und in angrenzenden Regionen werden den Film, der vom Disney-Filmvertrieb angeboten wird, nicht spielen.

Donnerstag, 23.04.2015, 04:01 Uhr aktualisiert: 23.04.2015, 17:42 Uhr
Filmverleih fordert viel Geld: Kleine Lichtspielhäuser zeigen die »Avengers« nicht – Karl-Heinz Meier aus Lemförde koordiniert Streik : Kinos...
Karl-Heinz Meier streikt: So lange der Disney-Verleih nicht einlenkt, werden wir deren Filme nicht zeigen, sagt der Betreiber der »Lichtburg« in Quernheim. Foto: Michael Nichau

 Es sind die Kinos, die sich seit 1980 im Dümmerkreis zusammengeschlossen hatten, die – nach einer ähnlichen Auseinandersetzung mit den Filmfirmen UIP und Universal im Jahr 2003 – jetzt erneut Widerstand gegen Verleihkonditionen leisten.

 »Es geht nicht um den Film an sich oder um Inhalte«, sagt Karl-Heinz Meier. Er ist Betreiber der Lichtburg in Lemförde-Quernheim und des Elite-Kinos in Espelkamp. Seit der Gründung der I. G. Nord der Kinobetreiber ist er Sprecher dieser Interessengemeinschaft, die vor allem die kleinen Kinos repräsentiert. So ist Meier (64) derjenige, in dessen Betrieb die Fäden des »Disney-Protests« zusammenlaufen.

Ein Kompromiss muss gefunden werden

 »Es geht ums Geld«, macht er deutlich. Disney wolle die Verleihgebühren für den »Avengers«-Film um mehr als fünf Prozentpunkte erhöhen, erläuterte Meier. Der Filmmietensatz solle von 47,7 auf 53 Prozent angehoben werden. »Das machen wir als kleine Kinos nicht mit. Wir müssten die Eintrittspreise erhöhen und das geht klar zu unseren Lasten.«

 »Zurzeit wird der Film in 193 Orten mit 686 Kinosälen nicht gespielt. Wir streiken«, erläutert Meier die Konsequenzen. Im Klartext: Die Kollegen der I. G. Nord ziehen mit. Der Film wird also weder in Rahden, Espelkamp, Minden, Spenge, Bruchmühlen, noch im gesamten niedersächsischen Bereich mit Lemförde, Damme, Diepholz, Sulingen, Lohne und Vechta sowie Rinteln gezeigt.

 »So lange, bis die Verleihfirma auf unser Angebot eingeht. Wir haben gesagt, mit 50 Prozent Verleihmietensatz könnten wir leben«, gibt sich Meier streitbar.

 Immerhin, er verfügt über Erfahrung aus dem Jahr 2003, als die Verleihfirmen für »Hulk« und »American Pie« den Satz von 53 Prozent forderten. »Damals haben wir erstmalig gestreikt, bis es zu einer Einigung kam. Etwa 100 Lichtspielhäuser hätten damals zur Interessengemeinschaft gehört. Die ziehen heute alle wieder mit«, sagt Meier.

Hoffen auf Verständnis

 Damals hätte man einen Kompromiss erzielen müssen, als der Film »Luther« auf Drängen der Kirchen gespielt werden sollte. Man könne den Jugendlichen den Film nicht vorenthalten, hieß es.

 Ähnlich sieht die Situation heute aus: Zwei große Filme, die auch Publikumsandrang versprechen, hält der Disney-Verleih in diesem Jahr parat: »Avengers« und im Dezember »Star Wars«. Ich gehe davon aus, dass wir uns bis dahin geeinigt haben«, meint Meier.

 »Das ist schade, dass wir den Film nicht zeigen, aber auch die jungen Leute müssen uns verstehen. Wir haben Angst, dass andere Verleihfirmen auf den Zug aufspringen und ebenfalls ihre Gebühren anheben. Das wäre eine Gefahr – vor allem für die kleinen Kinos«, erläutert er.

 Denn: Auch die kleinen Häuser hätten in den vergangenen Jahren in die Digitaltechnik investieren müssen. »Es gibt keine herkömmlichen Film-Kopien mehr. Alles wird auf Festplatte angeliefert«, erklärt er das Verfahren, das den Verleihfirmen nicht unerheblich Geld einsparen würde.

Kein Vergleich mit Groß-Kinos

 Der Disney-Verleih argumentiere damit, dass der erhöhte Verleihsatz bereits in Großstädten und bei Kino-Ketten (Großkinos) der Regelfall sei, erläuterte Karl-Heinz Meier. »Die Großkinos haben aber ganz andere Konditionen und Rabatte, als wir kleinen Kino-Betreiber«, stellt er die Sichtweise der Interessengemeinschaft dar.

 Inzwischen seien Kinos in ganz Deutschland dem Disney-Streik beigetreten. Er könne aber keine Zahlen nennen, die über die 160 Leinwände, die die IG repräsentiere, hinausgehen.

 »Wir haben bisher noch nichts von Disney gehört«, sagt Meier. »Wenn man auf unser Angebot eingeht, spielen wir auch den Film.«

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