Weißstörche besetzen vier weitere Nester im Altkreis – Fehlende Nahrungsgrundlage erschwert Aufzucht
Mehr Paare – aber zu wenig Küken 

Stemwede/Altkreis Lübbecke (WB). Über Jahrzehnte hat sich der Weißstorch nicht mehr im Nordkreis blicken lassen, doch jetzt freuen sich die Naturfreunde seit einigen Jahren über besetzte Nester und geschlüpfte Küken.

Mittwoch, 20.05.2015, 04:02 Uhr
In Levern können die Storchenfreunde schon jetzt den Kopf eines Jungstorches erkennen, den die Alttiere mit Futter versorgen. Erneut zieht...
In Levern können die Storchenfreunde schon jetzt den Kopf eines Jungstorches erkennen, den die Alttiere mit Futter versorgen. Erneut zieht ein Paar in der Niederheide, nahe des Hofes Pape, seinen Nachwuchs auf.

Auf Eiern haben in den vergangenen Wochen Tiere in der Leverner Niederheide, im Oppenweher Moor, in Destel, Vehlage, Alt-Espelkamp und Schmalge gesessen. Doch steht die Zahl der geschlüpften Jungtiere im Nordkreis nicht fest. In den nächsten Tagen will Experte Stefan Bulk, Vorstandsmitglied des Aktionskomitees »Rettet den Weißstorch« im Kreis Minden-Lübbecke, die ersten Küken beringen. Sein Vater Ernst-Günter, dessen Engagement für den Weißstorch Sohn Stefan weiterführt, hatte gestern im Gespräch mit der STEMWEDER ZEITUNG eine gute, aber auch schlechte Nachrichten parat.

Die gute: Im Altkreis Lübbecke gibt es im Vergleich zum Vorjahr vier weitere Nester, die von Paaren besetzt sind. Sie befinden sich In Vehlage, nahe der Stemweder Grenze an der Rethlage, in Schmalge (Finks Moor), in der Rauhen Horst in Lübbecke sowie in Stockhausen. »Allein auf dem Gebiet der Stadt Lübbecke gibt es sechs Brutpaare. Das ist schon erstaunlich«, findet Ernst-Günter Bulk. »Zusätzlich wissen wir, dass Nester in Oppenwehe und Dielingen zumindest angeflogen wurden.« Auch dicht hinter der Stemweder Grenze – im Naturgarten in Hüde und am Schäferhof in Stemshorn – ziehen ebenfalls Paare Jungtiere auf.

Doch all dies kann laut Ernst-Günter Bulk nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch Grund zur Sorge gibt. »Der Knackpunkt der Storchenaufzucht im Altkreis ist die kritische Nahrungssituation«, sagt der Lübbecker. »Zum einen brüten die Tiere viel früher als noch vor Jahrzehnten. Das führt zurzeit dazu, dass das lange Gras in den Wiesen noch nicht gemäht wurde, so dass es die Störche schwer haben, Amphibien, Insekten und Mäuse zu erwischen.«‹

Grundsätzlich fehle es in unserer Agrarlandschaft auch an wichtigen Groß-Insekten, die die Störche unbedingt benötigten. »Heuschrecken und Käfer bringen Energie. An einer Maus ist außer Fell nicht viel dran.« Dass das Nahrungsangebot für den Storch nicht optimal ist, macht Ernst-Günter Bulk an der Zahl der aufgezogenen Jungtiere fest. Vor dem Weggang der Störche aus dem heimischen Raum, also vor vielen Jahrzehnten, sei die Zahl der Küken viel größer gewesen. »Nehmen wir nur mal das Nest in Levern. Wenn das Wetter nicht völlig schlecht war, flogen dort jedes Jahr bis zu vier Jungtiere aus. Heute können wir froh sein, wenn ein oder zwei Störche groß werden. Ich habe früher sogar Nester gekannt, in denen fünf Jungtiere ausflogen.«

Der Lübbecker hofft, dass der Storch in den nächsten Jahren von der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie profitiert, die mit ökologischeren Uferstreifen einher geht. Die geringe Zahl der Küken berge eine Gefahr, glaubt Ernst-Günter Bulk. »Sie kann dazu führen, dass die derzeitige Population im Altkreis Lübbecke – so erfreulich sie jetzt auch ist – wieder zusammenbricht.« Immerhin sterben auch nach dem Ausfliegen noch viele Jungstörche. Die unerfahrenen Flieger verunglücken an Hochspannungsleitungen, kommen mit der Nahrungsknappheit nicht klar oder lassen beim gefährlichen Flug nach Afrika oder Spanien ihr Leben. Auch dort, in der Überwinterungsregion, lauern viele Gefahren auf den Storchennachwuchs.

In Stemwede und Rahden sehen Windkraftgegner die Störche als Verbündetet. In Levern, nahe des Hofes Pape, ziehen auch in diesem Frühjahr Störche ihren Nachwuchs auf. Dies führt dazu, dass der Windrad-Betreiber zwei Anlagen in der Nähe des Nestes tagsüber abschalten muss. In Rahden freuen sich Anlieger des Windkraft-Untersuchungsgebietes Nuttelner Bruch über ein brütendes Storchenpaar. Der Kreis hat der Stadt Rahden bereits klar signalisiert, dass dieses Gebiet aufgrund des Storchen-Vorkommens nicht für Windkraftnutzung herangezogen werden sollte.

 

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