Sekundarschuldirektorin Heike Hachmann zu Stemweder Gesamtschulplänen
»Wie ein Schlag ins Gesicht«

Stemwede-Wehdem (WB). Heike Hachmann, die Leiterin der Stemweder-Berg-Schule in Wehdem, hat – ebenso wie ihr Kollegium – keine leichten Tage hinter sich. Die Lehrer sind in der vergangenen Woche von Bürgermeister Gerd Rybak und Schulamtsleiter Jörg Bartel völlig überraschend mit der Nachricht konfrontiert worden, dass Gemeindeverwaltung und Ältestenrat planen, die Sekundarschule auslaufen zu lassen und sie aufzulösen. Ziel ist es, am Standort Wehdem schon ab dem Schuljahr 2016/2017 eine private Gesamtschule einzurichten. »Wir Lehrer sind alle total überrascht worden«, sagte Heike Hachmann am Dienstagabend der Stemweder Zeitung.

Dienstag, 16.06.2015, 19:24 Uhr aktualisiert: 16.06.2015, 22:15 Uhr
Sekundarschuldirektorin Heike Hachmann zu Stemweder Gesamtschulplänen : »Wie ein Schlag ins Gesicht«
Die Stemweder-Berg-Schule soll auslaufen, eine private Gesamtschule folgen

Die Geheimhaltung dieses Projekts und dessen Einzelheiten hat die Lehrer, viele Eltern und einige nicht eingeweihte Ratsmitglieder verärgert. »Wir wurden im Vorfeld überhaupt nicht eingebunden. Dabei bestehen die Pläne schon seit einem Jahr, also auch schon vor dem Entstehen der Sekundarschule.« Erst in der vergangenen Woche seien »wie bei einem Rundumschlag« die Schulleitung, die Sekretärinnen, Hausmeister, Schulsozialarbeiterin und anschließend Eltern sowie Schüler (bei der Schulkonferenz) vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

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Heike Hachmann machte kein Hehl daraus, dass die Stimmung in der Schule seitdem schlecht ist. »Es herrscht große Aufregung und Unsicherheit unter Lehrern und Eltern. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht.« Man fühle sich von den Verantwortlichen hintergangen, das Vertrauen sei absolut gebrochen. Dabei habe man doch so viel Arbeit in die erst junge Sekundarschule gesteckt. Das Kollegium bemühe sich aber, der Verantwortung gegenüber den mehr als 500 Schülern trotz der schwierigen Situation gerecht zu werden: »Dafür sind wir Profi genug. Die Kinder sollen darunter nicht leiden.«

Sie kenne derzeit keinen einzigen Lehrer an der Stemweder-Berg-Schule, der als jetziger Landesbediensteter bereit sei, in ein Beschäftigungsverhältnis mit dem von Rybak und Bartel favorisierten privaten Schulträger INI zu wechseln, sagte Hachmann. Sie legte allerdings Wert darauf, dass sie INI »absolut nichts Schlechtes nachsagen möchte«.

Gesamtschule soll 2016 mit fünften Klassen starten

Die Planungen des Schulamtes, über die der Stemweder Bildungsausschuss und der Rat beschließen sollen, sehen vor, dass die Sekundarschule nur noch sechs Jahre weitergeführt wird, bis der letzte Jahrgang den Abschluss erreicht hat. Parallel soll schon ab 2016 die private Sekundarstufe mit den Jahrgängen 5 und 11 beginnen. »In wenigen Wochen, im August, kommen noch 78 neue Sekundarschüler der Klasse fünf zu uns«, sagte die Direktorin. Sie kritisierte die Aussage der Gemeindeverwaltung, die Schule sei aufgrund wegbrechender Schülerzahlen bedroht. »Mit diesen 78 Kindern sind wir voll dreizügig, eher zur Grenze zur Vierzügigkeit hin tendierend«, betonte die Schulleiterin.

Sie stehe aufgrund der aktuellen Entwicklung in enger Verbindung mit der Bezirksregierung, die sich über die Stemweder Privatisierungspläne »entsetzt« gezeigt habe. »Ich sprach die zuständige Dezernentin auch auf das vom Schulamt als Argument angeführte Einschulungsjahr 2018 an. Dann soll es laut Prognose weniger Schüler für uns geben«, sagte Hachmann. »Mir wurde geantwortet: Dann ist Ihre Schule eben nur zweizügig. Von einer drohenden Schließung ist in Detmold nicht die Rede.«

Die Stimmung im Stemweder Schulstreit ist offenbar ziemlich angespannt bis gereizt. Bürgermeister Gerd Rybak und Jörg Bartel hatten sich angeboten, am Dienstag beim Eltern-Abend über das Vorhaben Gesamtschule zu informieren. Sie sollen dort aber ebenso wie Ratsmitglieder nicht erwünscht gewesen sein ­ es sei denn, sie hätten selbst Kinder an der Stemweder-Berg-Schule.

Mehr über das Gespräch mit Heike Hachmann und auch über den jüngsten Eltern-Informationsabend lesen Sie in der Donnerstag-Ausgabe der STEMWEDER ZEITUNG.

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